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Menschen stehen in einer Warteschlange vor dem Impfzentrum Wismar und warten auf ihren Impftermin.
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Lange Wartezeiten müssen in Kauf genommen werden, um irgendwann geimpft zu werden. Manche reisen daher in andere Länder, um dort schneller an das Vakzin zu kommen.

Corona-Pandemie

Impftourismus in der Corona-Krise: gerecht oder gefährlich?

  • Alexander Seipp
    VonAlexander Seipp
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Um die Welt reisen und dadurch den Impfstoff gegen das Coronavirus früher bekommen. Dieser Trend nennt sich Impftourismus. Darüber lässt sich streiten.

Brüssel – Von Reisen wird derzeit abgeraten, viele Staaten haben ihre Grenzen geschlossen, in den meisten gibt es eine Quarantänepflicht. Zu groß ist das Risiko, das Coronavirus weiterzuverbreiten und die Lage weiter zu verschlimmern. Doch was ist, wenn man reisen möchte, gerade, um sich vor dem Virus zu schützen?

Dieser mittlerweile an manchen Grenzen zu beobachtende Trend nennt sich Impftourismus. Das Prinzip dahinter ist einfach: Ein Einwohner oder eine Einwohnerin eines Landes reist in ein anderes Land, um sich dort impfen zu lassen. Häufig erhalten diese Personen so Monate früher als in ihrem Heimatland den Corona-Impfstoff.

Impftourismus: Für die Spritze gegen das Coronavirus fahren alle nach Serbien

Gut zu beobachten war das Phänomen des Impftourismus Ende März in Serbien, wie „Aljazeera“ berichtet. Dort kündigen die Behörden an, zwischen dem 26. und 28. März jeden gegen Corona zu impfen. Unabhängig davon, ob die Person ein serbischer Bürger ist oder eine Aufenthaltsberechtigung für das Land hat.

An diesen Tagen wurde ein starker Anstieg der Grenzübergänge beobachtet. Franca Vican, Sprecherin der Grenzpolizei sagte Aljazeera: „Zwischen dem 19. März und dem 31. März haben wir 50.477 aus Bosnien-Herzegowina verzeichnet. Im Vorjahresmonat waren es nur 41.436. Es ist klar: Es gab einen starken Anstieg der Grenzübergänge.“

Coronavirus – Der Impftourismus lässt in Belgrad lange Schlangen entstehen

Am Impfzentrum in Belgrad bildeten sich nach Berichten von Augenzeug:innen lange Schlangen, selbst Militär war im Einsatz um die langen Schlangen von Menschen aus Nordmazedonien, Montenegro, Bulgarien und Albanien zu kontrollieren. Um die Dosis zu erhalten, war eine vorherige Registrierung notwendig.

Die Ursache des Impftourismus liegt in der ungleichen und sehr langsamen Verteilung der Vakzine. Manche Länder, so Aljazeera, hätten sogar begonnen, überzähligen Corona-Impfstoff zu lagern und somit ärmeren Ländern den Zugang zu den Impfstoffen zu erschweren. Die größten Nutzer des Impftourismus sind Personen mit doppelter Staatsangehörigkeit oder gemeldeten Wohnorten in mehreren Staaten. Denn diese können sich das Land aussuchen, in welchem sie als schnellstes an die wichtige Impfung gelangen.

Das Coronavirus könnte aufgrund des Impftourismus weiter verbreitet werden

Doch entsteht dadurch nicht eine neue Gefahr? Schließlich können Reisen quer durch Europa und sogar bis in andere Länder wie die USA oder Saudi-Arabien das Coronavirus verbreiten. Und bisher ist sich die Forschung uneinig, ob auch Geimpfte das Virus weitergeben können. Hinzu kommt die Gefahr, dass Impftourist:innen jenen den Impfstoff wegnehmen, denen es laut den Gesetzen zusteht, wie etwa besonders gefährdeten Gruppen.

Die Ungleichheit könnte aufgrund des Impftourismus sogar noch weiter zunehmen, warnt Professor Glenn Cohen von der Harvard Law School, bei „Aljazeera“: „Wenn ein Land überzählige Impfstoffe hat ist es besser, diese an andere Staaten mit Bedarf weiterzugeben, als Personen von außerhalb zu einer Reise anzuregen“, sagt Cohen. „Überschüssige Impfdosen sollten für Gefährdete länger benutzt werden. Nicht für sowieso schon Reiche in weniger gefährdeten Ländern.“ (als)

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