Corona

Fortschritt bei Corona-Impfung: Deutsche Wissenschaftler finden „hochwirksame“ Antikörper

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
    schließen

Bei der weltweiten Suche nach einem Corona-Impfstoff ist Forschern aus Berlin ein großer Fortschritt gelungen. Die Wissenschaftler haben im Blut von bereits Infizierten „hochwirksame“ Antikörper identifiziert.

  • Weltweit forschen Wissenschaftler an einer Impfung gegen Corona
  • Die Entwicklung einer Passiv-Impfung hat einen großen Fortschritt gemacht
  • Die Antikörper könnten auch bereits an Corona Erkrankten helfen

Frankfurt - Während sich die öffentliche Aufmerksamkeit stark auf die Suche nach einem Impfstoff gegen Corona richtet, macht auch die Entwicklung einer Passiv-Immunisierung große Fortschritte. Anders als bei einer klassischen Impfung bildet der Körper dabei nicht selbst Antikörper gegen einen Erreger – in diesem Fall Sars-CoV-2 -, sondern bekommt sie zugeführt.

Der Effekt ist zunächst ähnlich wie bei einer Impfung: Bei Kontakt mit dem Virus wird der Eindringling bekämpft. Allerdings hält die Wirkung einer Passiv-Immunisierung oder auch Passiv-Impfung meist nicht länger als drei Monate an. In vielen Ländern suchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach geeigneten Antikörpern, die auf diese Weise vor einer Corona-Infektion schützen oder den Krankheitsverlauf zumindest stark abschwächen können. Ein entscheidender Vorteil gegenüber einer aktiven Impfung besteht darin, dass eine passive auch noch helfen kann, wenn man sich bereits angesteckt hat. Und: Der Schutz muss nicht erst vom Immunsystem aufgebaut werden, sondern ist sofort vorhanden.

Corona-Impfung: Wissenschaftler finden „hochwirksame Antikörper“

Als Grundlage einer Passiv-Immunisierung gegen Covid-19 dient das Blut von Menschen, die bereits eine Corona-Infektion durchgemacht haben. Darin sucht man nach Antikörpern, die ihr Immunsystem gegen das Virus gebildet hat. Von der Berliner Charité und dem Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) kam vor einigen Tagen die Meldung, solche „hochwirksamen“ Antikörper gegen Sars-CoV-2 identifiziert und damit den „Grundstein für eine passive Impfung“ gelegt zu haben. Das Forscherteam hatte aus dem Blut ehemaliger Patientinnen und Patienten fast 600 verschiedene Antikörper isoliert und bei Labortests die vielversprechendsten herausgesucht. Übrig blieben rund 40 Kandidaten, die mittels Zellkulturen künstlich nachgebildet wurden.

Versuche mit Hamstern sollen „die hohe Wirksamkeit der letztlich ausgewählten Antikörper“ belegt haben. Diese hätten nicht nur verhindert, dass der Erreger in Zellen eindringen und sich vermehren kann, sondern auch das Immunsystem animiert, das Coronavirus zu attackieren. „Wurden die Antikörper nach einer Infektion verabreicht, entwickelten die Hamster allenfalls milde Krankheitssymptome. Erfolgte die Gabe der Antikörper präventiv – vor einer Corona-Infektion -, dann erkrankten die Tiere nicht“, sagt Jakob Kreye vom DZNE, einer der Erstautoren.

Corona-Impfung könnte auch bereits Erkrankten helfen

Das Ziel sei es, „den wirksamsten Antikörper in industriellem Maßstab und in gleichbleibender Qualität“ zu produzieren“, erklärt Momsen Reincke, zweiter Erstautor der Studie. Die Antikörper könnten zur Behandlung Erkrankter ebenso gegeben werden wie als Vorsorge für Gesunde, die Kontakt mit Corona-Infizierten hatten. Wie lange der Schutz der Impfung besteht, soll nun in klinischen Studien untersucht werden.

Aktive und passive Impfung

Bei der aktiven Impfung soll das Immunsystem selbst dazu gebracht werden, einen Schutz gegen einen Erreger aufzubauen. Es gibt verschiedene Verfahren, um das zu erreichen. So basieren die meisten Impfungen auf der Konfrontation mit abgetöteten oder abgeschwächten Erregern, Bruchstücken eines Erregers oder Vektorviren, die Teile des Erreger-Erbguts in den Körper schleusen. Diesem wird so eine Infektion vorgetäuscht, die zwar keine schwere Erkrankung, aber trotzdem eine Abwehrreaktion auslöst. Im Falle des Coronavirus wird auch an einer neuen Methode geforscht, an mRNA-Impfstoffen, die den Körper dazu bringen sollen, selbst Bausteine des Virus zu bilden und diese dann zu bekämpfen. Wie lange ein Impfschutz anhält, ist unterschiedlich. Oft müssen mehrere Injektionen gegeben werden oder Impfungen regelmäßig wiederholt werden.

Bei der passiven Impfung werden Antikörper gegen einen Erreger gespritzt. Sie stammen in der Regel von Menschen, die eine Krankheit durchgemacht haben oder durch eine Impfung vor ihr geschützt sind. Anders als eine aktive Impfung bietet eine passive einen sofortigen Schutz – der allerdings nicht von Dauer ist.

Das Forscherteam machte bei seiner Suche nach Antikörpern allerdings auch eine Entdeckung, die problematisch werden könnte. So hefteten sich manche der besonders wirksamen Antikörper an Proteine des Gehirns, des Herzmuskels und der Blutgefäße. Ob diese Befunde für den Menschen von Bedeutung sind und lokale Autoimmunreaktionen auslösen können, lässt sich bisher nicht einschätzen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schlossen die betroffenen Antikörper sicherheitshalber von der Entwicklung einer passiven Corona-Impfung aus. In weiteren Untersuchungen soll geprüft werden, ob sie tatsächlich Angriffe des Immunsystems auf eigenes Gewebe verursachen.

Corona-Impfung: US-Forscher haben Antikörper an Menschen getestet

Auch in anderen Ländern haben Forscherteams wirksame Antikörper gegen Corona gefunden. So meldet ein US-amerikanisches Pharmaunternehmen kürzlich, einen Antikörper bereits erfolgreich in einer Studie mit leicht bis mittelschwer an Covid-19 erkrankten Menschen getestet zu haben.

Antikörper (rot-blaue Ypsilons) attackieren ein Coronavirus.

Ein Cocktail verschiedener Antikörper wirkt noch besser als ein einzelner: Diese Ansicht vertritt ein Team von Forschenden aus den USA, Frankreich, Italien, Belgien und der Schweiz in einer im Magazin „Science“ publizierten Studie zu möglichen Corona-Impfungen. Ein Vorteil eines solchen Mixes liege demnach darin, dass er auch vor Mutationen des Coronavirus schützen kann, wie sie bereits aufgetreten sind und wahrscheinlich weiter auftreten werden. Einige davon, so die Überlegung, könnten sich einem gezielten Angriff entziehen, ein Antikörper-Cocktail hingegen erlaube die Neutralisation eines breiten Spektrums von Virus-Varianten.

Klassische Corona-Impfung ersetzt Passiv-Impfung nicht

Wenn irgendwann eine klassische Impfung gegen Corona auf den Markt käme, wäre die Passiv-Immunisierung dann überflüssig? Keinesfalls, sagen nicht nur jene, die an Antikörper-Therapien forschen. Zwar ist die Wirkung einer aktiven Impfung meist beständiger als die einer passiven. Doch abgesehen davon, dass man zur Zeit auch noch nicht absehen kann, wie lange der Schutz einer „richtigen“ Impfung anhält, weist die Passiv-Immunisierung einige Vorteile auf: Sie wirkt schneller und ist in der Regel leichter herzustellen.

Deshalb könnte sie eine Lücke füllen, bis mögliche Impfstoffe gegen Corona in großen Umfang zur Verfügung stehen – wären aber auch danach noch gut zu gebrauchen, wie es in der „Science“-Publikation heißt – und: Insbesondere ein Antikörper-Cocktail könnte nicht nur Mutationen des Coronavirus bekämpfen, sondern auch deren Entstehung hemmen. Harald Prüß von der Berliner Charité sagt: „Es wäre optimal, wenn es beide Möglichkeiten der Impfung gäbe, um je nach Situation flexibel reagieren zu können.“

Rubriklistenbild: © Getty Images/Science Photo Libra

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare