Schlimme Symptome ohne Vorerkrankung

Covid-19 Symptome: Warum die Krankheit manchmal schwer verläuft - und oft nicht

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Bei der Krankheit Covid-19 leiden manche Infizierten mehr als andere. Das könnte nicht nur an Vorerkrankungen, sondern auch an Mutationen des Coronavirus liegen.

  • Infektion mit dem Coronavirus: Manche Menschen mit starken Symptomen, andere mit gar keinen
  • Krankheitsverläufe bei Covid-19:  Alter und Vorerkrankungen sind nicht die einzigen Faktoren
  • Grund für die unterschiedlichen Symptome könnten verschiedene Sars-CoV-2 Mutationen sein

Manche Menschen spüren nur ein leichtes Kratzen im Hals, wähnen sich allenfalls erkältet, einige merken nicht einmal, dass sie sich ein Virus eingefangen haben. Andere hingegen erkranken schwer, fühlen sich elend schwach, haben Hustenanfälle, bekommen Atemnot – manche so stark, dass sie in der Klinik behandelt werden müssen. Und ein Teil stirbt sogar an Covid-19

Infektion mit Sars-CoV-2: Die Menge an Viren spielt offenbar eine Rolle

Warum Infektionen mit Sars-CoV-2 so unterschiedlich verlaufen, beschäftigt die Wissenschaft seit dem Auftauchen des neuartigen Coronavirus. Grundsätzlich sind ältere Menschen stärker als andere gefährdet, schwer zu erkranken, ab etwa 70 Jahren steigt das Risiko stark an. Das hat damit zu tun, dass im Alter das Immunsystem oft nicht mehr so gut arbeitet und viele an Bluthochdruck, Arterienverkalkung oder Diabetes leiden. Auch jüngere Menschen mit solchen oder anderen Vorerkrankungen haben ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf bei Covid-19. Daneben scheint aber auch eine Rolle zu spielen, welche Menge an Viren jemand bei einer Ansteckung abbekommt – und möglicherweise auch, wie aggressiv diese sind. Denn aktuellen Erkenntnissen zufolge existieren unterschiedlich pathogene – also die Krankheit auslösende – Varianten von Sars-CoV-2.

Nicht nur ältere Menschen erkranken schwer an Covid-19

Bei den Vorerkrankungen scheinen sich insbesondere Herzprobleme und verkalkte Gefäße, aber auch ein schlecht eingestellter Bluthochdruck negativ auszuwirken. So ergaben Obduktionen von 65 Covid-19-Patienten in Hamburg, dass die Verstorbenen vorher an Bluthochdruck und Arteriosklerose litten oder einen Herzinfarkt hinter sich hatten. Obduktionsergebnisse aus der Schweiz wiesen bei zwei Drittel der Verstorbenen auf vorgeschädigte Herzkranzgefäße und bei einem Drittel auf Diabetes hin, außerdem waren die meisten stark übergewichtig. Adipositas, also Fettleibigkeit, gilt als Risikofaktor für viele Erkrankungen, denn sie mündet nicht selten in Diabetes und führt vermutlich auch zu chronischen Entzündungen im Körper.

Covid-19 Symptome: Nicht nur Vorerkrankungen spielen eine Rolle

Ein vorgeschädigtes Herz wiederum wird durch eine Corona-Infektion zusätzlich belastet. Kommt es zu einer Lungenentzündung, muss es verstärkt pumpen, um alle Organe ausreichend mit Blut zu versorgen. Außerdem kann auch das Herz selbst vom Virus befallen werden, da seine Zellen – ebenso wie die etlicher anderer Organe – den Rezeptor tragen, über den der Erreger Eingang ins Zellinnere findet.

Nicht ganz klar ist nach derzeitigem Wissensstand, wie das Risiko durch Hypertonie – Bluthochdruck – zu bewerten ist. Viele Mediziner schätzen es so ein, dass Patienten mit einem leichten oder gut eingestellten Bluthochdruck nicht stärker gefährdet sind. Sie gehen davon aus, dass bei schweren Verläufen eher die oft mit langjährigem Hochdruck einhergehenden Gefäß- oder Herzprobleme maßgeblich sind. Allerdings ist auch nach wie vor ungewiss, welche Rolle sogenannte ACE-Hemmer spielen, die viele Betroffene zur Blutdrucksenkung einnehmen. Diese Medikamente wirken sich auf den Rezeptor aus, über den die Viren ins Zellinnere gelangen. Studienergebnisse lieferten widersprüchliche Ergebnisse, Kardiologen warnen aber auf jeden Fall davor, die Mittel auf eigene Faust abzusetzen.

Das sind die Gründe für den Krankheitsverlauf von Covid-19 

Wie beim Bluthochdruck gilt auch bei Diabetes, dass Covid-19 vor allem für medikamentös schlecht eingestellte Patienten bedrohlich werden kann – unter anderem, weil dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte die Abwehrkräfte schwächen. Geschädigte Nieren, zu denen es als Folge einer Diabetes-Erkrankung kommen kann, machen ebenfalls anfälliger für einen schweren Verlauf von Covid-19.

Autoimmunerkrankungen wie Rheuma, Asthma oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen können das Risiko auf zweifache Weise erhöhen: zum einen durch das bei ihnen fehlgesteuerte Immunsystem und chronische Entzündungen, zum anderen aber auch durch Medikamente, die das aus dem Ruder gelaufene Immunsystem bremsen sollen. Das persönliche Risiko hängt von der Art und Dosis der verwendeten Arznei ab, scheint aber auch bei den unterschiedlichen Autoimmunerkrankungen nicht gleich zu sein. So gilt das Risiko etwa bei Schuppenflechte als nur leicht erhöht.

Schwerer Krankheitsverlauf nach Corona-Infektion: Deshalb trifft Covid-19 manche Patienten schwerer als andere

Medikamente sind der Hauptgrund, warum Menschen, denen ein Organ transplantiert wurde, besonders gefährdet sind, denn ihre Immunreaktion wird damit stark unterdrückt. Auch Krebspatienten, deren Abwehrkräfte durch Erkrankung und Therapien geschwächt sein können, zählen zur Risikogruppe, ebenso Menschen mit einer vorgeschädigten Lunge, etwa durch die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung COPD.

Die Aufzählung macht deutlich, dass allein in Deutschland viele Millionen Frauen und Männer in unterschiedlich starker Ausprägung zur Risikogruppe gehören. Und doch ist immer wieder auch von schweren Fällen bei bisher gesunden Menschen im jüngeren oder mittleren Alter zu hören, etwa beim Personal in Kliniken. Die Ursache könnte in der Virusmenge liegen, der diese Menschen bei der Ansteckung ausgesetzt waren – der Viruslast, wie es Wissenschaftler nennen. Kriegt man nur einzelne Viren ab, die in der Luft schwirren, so wird das Immunsystem damit leichter fertig als mit einer geballten Ladung an Erregern, die ausgestoßen werden, wenn ein Infizierter in der Nähe hustet.

Auch Menschen ohne Vorerkrankung können erkranken

Einfluss könnte auch eine „Hintergrundimmunität“ bei manchen Menschen nehmen, die der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité als möglich, wenn auch nicht erwiesen ansieht. Sie könnte für sehr milde oder gänzlich symptomlose Verläufe sorgen. Wie der Wissenschaftler kürzlich in seinem Podcast erläuterte, hatte sein Team die Blutproben von bereits geheilten Covid-19-Patienten und Menschen, die sich noch nicht infiziert waren, untersucht. „Überraschenderweise“, so Drosten, habe man auch bei 34 Prozent der Menschen, die nie Kontakt mit dem Sars-1-Virus hatten, reaktive T-Zellen gefunden, die auf eine durchgemachte Corona-Infektion hindeuten. Eine Erklärung könnte sein, dass sie alle eine Infektion mit einem der vier Erkältungs-Coronaviren hinter sich hatten, die zwar viel harmloser als Sars-CoV-2, ihm jedoch strukturell sehr ähnlich sind.

Eine Rolle könnte zudem die Virusvariante spielen, mit der sich jemand infiziert hat. Chinesische Forscher der Medizinischen Hochschule Zhejiang haben bei einer Genanalyse 33 Mutationen von Sars-CoV-2 gefunden und anschließend deren krankmachendes Potenzial untersucht. Sie stellten fest, dass es in puncto Aggressivität und Vermehrungsfähigkeit erhebliche Unterschiede gibt.

Von Pamela Dörhöfer

Inzwischen ist klar: Das Coronavirus kann auch bei leichtem Verlauf zu schweren Langzeitschäden führen. Ärzte sind besorgt.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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