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Bei der Erforschung von Corona-Infektionswegen nehmen Wissenschaftler Aerosole unter die Lupe.
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Bei der Erforschung von Corona-Infektionswegen nehmen Wissenschaftler:innen Aerosole unter die Lupe.

Corona-Pandemie

Corona: „Drinnen lauert die Gefahr“ – Fachleute fordern Kurswechsel in Deutschland

  • Stefan Krieger
    VonStefan Krieger
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Es gilt als sicher, dass sich das Coronavirus insbesondere über die Luft verbreitet. Die geplanten Ausgangssperren kritisieren Forschende als wenig zielführend.  

Berlin - Der Entwurf für ein verschärftes Infektionsschutzgesetz sieht bundesweit einheitliche nächtliche Ausgangssperren von 21.00 bis 05.00 Uhr in allen Landkreisen und kreisfreien Städten ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 vor. Die Beschränkungen sollen unter anderem dafür sorgen, dass sich die Menschen in der wärmeren Jahreszeit nicht im Freien versammeln, und somit einen Schutz vor Ansteckung mit dem Coronavirus gewährleisten.

Mit Ausgangsbeschränkungen will die Politik verhindern, dass sich Menschen zeitweise überhaupt treffen - zumindest da, wo es öffentlich ist. Aber wie groß ist die Gefahr wirklich, sich außerhalb geschlossener Bereiche mit dem Virus zu infizieren?

„Wer sich zum Kaffee in der Fußgängerzone trifft, muss niemanden in sein Wohnzimmer einladen“: Mit diesen eindeutigen Worten wenden sich jetzt Expert:innen für Aerosole - also die Luftgemische, in denen auch das Coronavirus schwebt - an Verantwortliche in der Politik. Sie fordern einen Kurswechsel bei den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Seuche. „Wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen wollen, müssen wir die Menschen sensibilisieren, dass DRINNEN die Gefahr lauert“, heißt es in einem Brief an die Bundesregierung und an die Landesregierungen, der der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt.

Aerosole in geschlossenen Räumen: Ansteckung auch ohne direkten Kontakt

In Wohnungen, Büros, Klassenräumen, Wohnanlagen und Betreuungseinrichtungen müssten Maßnahmen ergriffen werden. In Innenräumen finde auch dann eine Ansteckung statt, wenn man sich nicht direkt mit jemandem trifft, sich aber ein Infektiöser vorher in einem schlecht belüfteten Raum aufgehalten hat, warnen sie. „Leider werden bis heute wesentliche Erkenntnisse unserer Forschungsarbeit nicht in praktisches Handeln übersetzt“, kritisieren die Verfasser der Aufforderung an die Regierung. Debatten über das Flanieren auf Flusspromenaden, den Aufenthalt in Biergärten, das Joggen oder Radfahren seien hingegen kontraproduktiv, weil eher symbolischer Natur.

Maßnahmen wie die Maskenpflicht beim Joggen an Flusspromenaden etwa ließen „keinen nennenswerten Einfluss auf das Infektionsgeschehen erwarten“, schreiben die Fachleute. Sars-CoV-2-Erreger würden fast ausnahmslos in Innenräumen übertragen. Im Freien sei das äußerst selten, im Promille-Bereich. Hierauf sollten die begrenzten Ressourcen nicht verschwendet werden, heißt es in dem Brief. Auch würden im Freien nie größere Gruppen - sogenannte Cluster - infiziert, wie das in Innenräumen etwa in Heimen, Schulen, Veranstaltungen, Chorproben oder Busfahrten zu beobachten sei.

Ausgangssperren ein tragen nicht zur Infektionsvermeidung bei

Deshalb versprechen aus Sicht der Wissenschaftler:innen Ausgangssperren mehr, als sie halten können. Besonders werden damit „die heimlichen Treffen in Innenräumen“ nicht verhindert, sondern „lediglich die Motivation erhöht, sich den staatlichen Anordnungen noch mehr zu entziehen“, schreiben sie. „In der Fußgängerzone eine Maske zu tragen, um anschließend im eigenen Wohnzimmer eine Kaffeetafel ohne Maske zu veranstalten, ist nicht das, was wir als Experten unter Infektionsvermeidung verstehen.“

Stattdessen empfehlen die Autor:innen mehrere Maßnahmen wie Treffen in Innenräumen so kurz wie möglich zu gestalten, mit häufigem Stoß- oder Querlüften Bedingungen wie im Freien zu schaffen, effektive Masken in Innenräumen zu tragen sowie Raumluftreiniger und Filter überall dort zu installieren, wo Menschen sich länger in geschlossenen Räumen aufhalten müssen - etwa in Pflegeheimen, Büros und Schulen.

Coronavirus

Alle Informationen zu Sars-CoV-2 finden Sie auf unserer Themenseite Corona-News.

Schutz besonders in Klassenzimmern nötig

Bereits in der vergangenen Woche hatte der Göttinger Strömungsforscher Eberhard Bodenschatz sich dafür ausgesprochen, zum Schutz vor Corona an Schulen in die Fenster von Klassenzimmern nach außen blasende Ventilatoren einzubauen. Die Ventilatoren seien sowohl zum Stoßlüften als auch zum Dauerlüften geeignet, wie der Wissenschaftler dem Evangelischen Pressedienst (epd) mitteilte. Diese Maßnahme ermögliche zusammen mit der Halbierung der Klassengröße durch ein Wechselmodell und dem konsequenten Tragen von Masken im Unterricht einen weitestgehend infektionssicheren Präsenzunterricht.
 

Zu den Unterzeichnern der aktuellen Erklärung zählen der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach, Generalsekretärin Birgit Wehner und der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch. „Die Kombination dieser Maßnahmen führt zum Erfolg“, heißt es im Brief der Experten an die Regierung weiter. „Wird das entsprechend kommuniziert, gewinnen damit die Menschen in dieser schweren Zeit zugleich ein Stück ihrer Bewegungsfreiheit zurück.“ (skr mit epd/dpa)

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