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Neue Corona-Variante: Christian Drosten mahnt zu Geduld
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Der Virologe Christian Drosten mahnt schärfere Corona-Maßnahmen an (Archivfoto).

Situation „sehr ernst“

Virologe Christian Drosten fordert neuen Lockdown in Deutschland

Virologe Christian Drosten spricht sich für einen harten Lockdown aus, um der Verbreitung der Corona-Mutante Einhalt zu gebieten. 

Frankfurt/Berlin – Der Berliner Virologe Christian Drosten hat erneut angesichts der immer weiter steigenden Corona-Infektionszahlen stärkere Maßnahmen angemahnt. „Ich glaube, es wird nicht ohne einen neuen Lockdown gehen, um diese Dynamik, die sich jetzt ohne jeden Zweifel eingestellt hat, noch einmal zu verzögern“, sagte der Charité-Wissenschaftler am Dienstag (30.03.2021) im Podcast „Coronavirus-Update“ im „NDR“. Leider sei die Situation „sehr ernst und sehr kompliziert“.

Christian Drosten zu Corona-Neuinfektionen: Lockdown, um Kontakte zu reduzieren

In Deutschland seien viele Gelegenheiten verpasst worden, die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie zu optimieren. „Ich habe das Gefühl, dass wir eigentlich im Moment immer noch die gleichen Werkzeuge benutzen müssen, die wir schon in der ersten Welle benutzt haben.“ Insofern bleibe nur noch die Holzhammer-Methode, also ein harter Lockdown.

Klar sei es, dass die Kontakte reduziert werden müssten, ergänzte Drosten. Dazu zählten der Privatbereich, der Erziehungs- und Bildungsbereich sowie die Arbeitsstätten. „Da gibt es viele wissenschaftliche Beiträge, die jetzt auch auf Deutschland bezogen sind.“ Es sei falsch, wenn gesagt werde, man wisse ja noch gar nicht, wo das Virus übertragen wird, so Drosten.

Die Vorhersage der Modelle für den Zeitpunkt der dritten Corona-Welle sei leider durch die Natur überschritten worden, sagte Drosten weiter. Sie habe früher begonnen als die Modelle das vorausgesagt hätten. Der Virologe prognostizierte, dass noch in der Woche vor Ostern die Zahl der Nachweise der britischen Variante B.1.1.7 über 90 Prozent erreichen werde. „Das ist natürlich alles andere als beruhigend“, so Drosten. Die Variante B.1.1.7 sei zudem eindeutig krankmachender und auch tödlicher als das Ursprungsvirus.

Christian Drosten: Corona-Mutante aus Brasilien in Deutschland nicht vermehrt

Die in Südafrika und in Brasilien entdecken Varianten lägen in Deutschland immer noch im Bereich von ein Prozent oder niedriger: „Die haben sich überhaupt nicht vermehrt.“ Beide können dem Immunsystem zum Teil entweichen. Ihr Anteil sei so niedrig, weil es in Deutschland keine Bevölkerungsimmunität gebe. „Diese Varianten kommen nur dann hoch, wenn wir in der Bevölkerung schon eine Immunität haben. Sonst profitieren die nicht von ihren Mutationen.“

Eine weitere Variante verbreite sich derzeit in Indien, über die der Wissenschaft aber noch wenig bekannt sei. Auch sie scheine den Antikörpern des Immunsystems zum Teil entgehen zu können, wie der Virologe erklärte. Drosten sah hier jedoch keinen Grund zur Beunruhigung: Mit einem leichten „Impfstoff-Update“ könnten die Hersteller wahrscheinlich dieser und anderen Varianten auf der Welt mit wenig Aufwand etwas entgegensetzen. Die aktuellen Impfstoffe wirkten im Labor auch nicht so gut gegen die südafrikanische und die brasilianische Mutante, ergänzte der Forscher.

Christian Drosten nannte jedoch noch einen entscheidenden Sicherheitsfaktor: Die Antikörper, denen die Mutanten entrinnen können, schützen überhaupt nicht gegen die Corona-Infektion, die T-Zellen des Immunsystems jedoch gegen einen schweren Verlauf. Der Schutz gegen den schweren Verlauf sei „allemal gegeben durch die jetzigen Impfstoffe“.

Drosten plädiert für die weitere Verwendung der vorhandenen Corona-Impfstoffe

„Es ist nicht zu erwarten, dass wir jetzt irgendwie einen vollkommenen Wirkungsverlust der Impfungen haben oder dass wir einen strategischen Fehler machen, wenn wir die jetzigen Impfstoffe verwenden“, sagte Drosten. „Das heißt dennoch nicht, dass die Impfstoffe nicht verbesserbar sind. Ich rechne damit, dass wir wahrscheinlich so ab Herbst schon die ersten zugelassenen Update-Impfstoffe haben.“

Weiter plädierte der Virologe dafür, dass Modellprojekte wie in Tübingen eine gute wissenschaftliche Begleitung bräuchten. Dort können Menschen kostenlose Tests machen und bei negativem Ergebnis zum Beispiel in Läden, Theater oder Biergärten gehen. Keines dieser Projekte habe bislang bewiesen, dass es funktioniere, betonte Drosten. Das Ziel, Menschen zu motivieren, um sich testen zu lassen und etwa einkaufen zu gehen sei jedoch vorerst gut. Das sollte man punktuell durchaus ausprobieren, so Drosten.

Wichtig sei, vorher Erfolgskriterien zu definieren wie etwa eine Zahl der Krankenhausaufnamen, der Todesfälle nach drei Wochen oder der Wirtschaftsleistung. „Man sollte sich eine ganze Zahl von solchen Erfolgskriterien hinlegen, bevor man diesen Modellversuch macht, um dann irgendwann in der Nachbewertung zu sagen: Das war erfolgreich.“ Wichtig seien auch festgelegte Abbruchkriterien und eine Vergleichsstadt ohne Modellprojekt. (ktho/dpa)

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