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Varianten des Coronavirus

Wie Corona-Impfstoffe gegen neue Mutanten wirksam bleiben

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Vakzine lassen sich anpassen, müssen aber erneut zugelassen werden. Auch Kombinationen verschiedener Produkte sind möglich.

  • In vielen Ländern breiten sich Corona-Virusvarianten aus.
  • Je nach Impfstoff und Virusvariante gibt es schwer einschätzbare Einbußen bei der Wirksamkeit.
  • Corona-News: Alle Informationen finden Sie auf unserer Themenseite.

Frankfurt – Während weltweit Millionen Menschen gegen den „Wildtypus“ von Sars-CoV-2 geimpft werden, breiten sich in vielen Ländern Virusvarianten aus. Die Unterschiede zum ursprünglichen Virus betreffen vor allem das Spike-Protein, mit dem der Erreger an menschliche Zellen dockt – genau auf diese Stacheln zielen auch sämtliche Impfstoffe. Das hat Folgen: Je nach Vakzin und Virusvariante gibt es unterschiedlich hohe, letztlich aber schwer einschätzbare Einbußen bei der Wirksamkeit. Anpassungen der Impfstoffe oder Kombinationen verschiedener Präparate könnten das möglicherweise ausgleichen.

Corona-Impfstoffe: Variante aus Südafrika macht Sorgen

Nach bisherigen Beobachtungen ist die Schutzwirkung der verfügbaren Impfstoffe durch die aktuell in Europa an Dominanz gewinnende britische Variante B.1.1.7 zwar leicht herabgesetzt, aber offenbar nur unwesentlich. Anders sieht es bei der erstmals in Südafrika aufgetauchten Variante aus. Hier ist ein teils deutlich reduzierter Schutz zu befürchten.

In der EU sind derzeit die mRNA-Impfstoffe der Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna sowie der Vektorimpfstoff von Astrazeneca zugelassen. (Archivfoto)

Für die mRNA-Impfstoffe von Biontech-/Pfizer und Moderna liegen bislang nur Daten aus Laborversuchen vor. Biontech-Chef Ugur Sahin sprach bei einer Veranstaltung des „Science Media Centers“ aber von einer „ausreichenden Neutralisation“, auch wenn die Antikörper-Titer um den Faktor drei reduziert gewesen seien. Der Vektorimpfstoff von Astrazeneca bietet laut einer Studie der University of Witwatersrand in Johannesburg einen „minimalen Schutz vor mild-moderaten“ Covid-Erkrankungen durch eine Infektion mit der südafrikanischen Variante, eine Aussage in Bezug auf schwere Verläufe lässt die Untersuchung nicht zu.

Erste Einschätzungen zu noch nicht in der EU zugelassenen Corona-impfstoffen liegen vor

Erste Einschätzungen gibt es auch in Bezug auf den Schutz durch jene Impfstoffe, die in der EU im Laufe der nächsten Monate noch zugelassen werden könnten. Für das Vakzin von Johnson & Johnson nennt die amerikanische Zulassungsbehörde FDA eine Gesamtwirksamkeit von 66 Prozent. Klinische Studien in Südafrika und Brasilien deuten aber auf eine Wirksamkeit von mehr als 80 Prozent hin; damit scheint der Impfstoff gut vor den dort grassierenden Varianten zu schützen. Nicht bekannt ist dagegen, welchen Schutz gegen diese Mutanten der russische Sputnik bietet, dessen Wirksamkeit gegen das ursprüngliche Virus bei mehr als 90 Prozent liegen soll.

„Richtig harte Daten“ lägen für das Vakzin der US-Pharmafirma Novavax vor, sagt Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, des Bundesinstituts für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel. Demnach zeigt der nach einem klassischen Verfahren produzierte Protein-Impfstoff gegen das ursprüngliche Virus eine Wirksamkeit von 96 Prozent. Gegen die britische Variante soll er noch zu 86 Prozent und gegen die südafrikanische Variante zu 50 Prozent wirksam sein.

Impfstoffe für die EU

Bereits zugelassen in der Europäischen Union sind die mRNA-Impfstoffe der Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna sowie der Vektorimpfstoff von Astrazeneca.

Beantragt in der EU wurde außerdem die Zulassung für die Impfstoffe der US-Hersteller Johnson & Johnson und Novavax sowie für den russischen Impfstoff Sputnik.

Johnson & Johnson bietet einen
Vektorimpfstoff an, der nur einmal gespritzt werden muss. Er setzt auf ein modifiziertes Adenovirus – ein Schnupfenvirus – als Transportmittel für die genetische Information des
Spike-Proteins.

Sputnik ist ebenfalls ein Vektorimpfstoff, der mit zwei verschiedenen Adenoviren arbeitet und wie alle anderen Impfstoffe in zwei Dosen verabreicht werden muss.

Novavax basiert als einziger dieser Impfstoffe auf einer klassischen Technologie. Er enthält keine genetische Information mit dem Bauplan des Spike-Proteins, nach dem der Körper das Antigen selbst herstellen soll, sondern ein synthetisch hergestelltes Virusprotein. pam

Corona: mRNA-Impfstoffe lassen sich schneller als andere Vakzine an mutierte Viren anpassen

Das US-Unternehmen Moderna setzt auf gleich mehrere Strategien, um den Virusvarianten zu begegnen: So hat man bereits einen modifizierten Booster des bestehenden mRNA-Impfstoffs entwickelt, der auf der südafrikanischen Variante basiert. Ein weiterer Ansatz besteht darin, diesen neuen Booster mit dem bereits zugelassenen Moderna-Vakzin zu kombinieren. Auch wird laut einer Mitteilung des Unternehmens geprüft, ob es sinnvoll ist, den bestehenden Impfstoff nicht zweimal wie bisher, sondern dreimal zu spritzen. Moderna kündigt in diesem Zusammenhang zudem an, die globale Produktionskapazität für das Jahr 2022 auf 1,4 Milliarden Dosen zu erhöhen.

Grundsätzlich lassen sich mRNA-Impfstoffe schneller als andere Vakzine an mutierte Viren anpassen, weil in erster Linie nur die „Buchstabenfolge“ der RNA geändert werden muss. Bei Vektorvakzinen gestaltet sich das aufwendiger. Denn das Züchten und Produzieren der Vektorviren, die die Geninformation für das Spike-Protein enthalten, nimmt zwei bis drei Monate in Anspruch, erklärt Marylyn Addo, Leiterin der Infektiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Fraglich ist auch, wann der Zeitpunkt für eine mögliche Umstellung der Impfstoffe gekommen wäre. Momentan sähen wir ein „Mischbild“, in dem unterschiedliche Varianten unterwegs seien, sagt Sahin: „Was wir auch nicht wollen, ist, dass wir einen Impfstoff gegen eine Mutante machen und der Wildtyp dann nicht ausreichend neutralisiert wird.“ Derzeit erkenne er keinen „enormen Druck“, den Impfstoff zu wechseln. „Wenn wir sehen sollten, dass eine Variante zunehmend schwächer neutralisiert wird, wäre es eine Möglichkeit, einfach einen weiteren Boost zu machen“, sagt der Biontech-Chef.

Kombination verschiedener Impfstoffe könnte Option sein

Eine Option könnte auch eine Kombination verschiedener Vakzine sein. So gebe es keinen Hinweis, dass mRNA-Impfstoffe nicht zum Boost eines anderen Impfstoffs genutzt werden können, erklärt Sahin. Er geht davon aus, dass es umgekehrt ebenfalls möglich ist, einem mit mRNA geimpften Menschen anschließend einen Vektorimpfstoff zu geben. Auch Marylyn Addo erwartet dabei „keine ungewöhnlichen Nebenwirkungen“.

Die Kombination verschiedenartiger Impfstoffe könnte somit auch eine Möglichkeit für jene Menschen sein, die bei der ersten Injektion allergisch auf einen Impfstoff reagiert haben. Dass das Kombinieren unterschiedlicher Impfstoffe funktioniert, könnte zudem wichtig werden vor dem Hintergrund, dass man möglicherweise nicht zweimal mit dem gleichen Vektorimpfstoff geimpft werden kann, weil das Immunsystem auch Abwehrstoffe gegen das Trägervirus bildet. Im FR-Interview äußerte der Pharmazeut Theo Dingermann diesen Verdacht.

Corona-Impfstoffe – Behörden kündigen schnelle Verfahren an

Sollte in nächster Zeit die Anpassung der Impfstoffe erforderlich sein, so können sie jedoch nicht einfach so auf den Markt geworfen werden. Auch modifizierte Impfstoffe müssen Prüfungen durchlaufen und zugelassen werden. Die zuständigen Behörden in den USA und Europa haben bereits angekündigt, in diesem Fall das Prozedere bis zur Zulassung abzukürzen, damit die neuen Impfstoffe schnell verfügbar sind. So müsse es „keine neuen Untersuchungen zum Beispiel am Tier geben“, sagt Klaus Cichutek. Auch müssten an den klinischen Studien nicht wieder „tausende Probanden“ teilnehmen. Grundsätzlich wäre es zudem auch möglich, dass einzelne Länder innerhalb der EU die Vakzine national zulassen. Ob das der richtige Weg sei, müssten die einzelnen Staaten entscheiden.

Sollte sich die Menschheit also einstellen auf regelmäßige Impfungen gegen Covid 19, die ähnlich wie bei der Grippe ständig an neue Mutationen angepasst werden müssen? Das lässt sich zur Zeit kaum abschätzen – nicht allein wegen der Ungewissheit, wie häufig das Virus weiter mutiert, sondern auch, weil man die Dauer des Impfschutzes noch gar nicht kennt. Marylyn Addo findet es wichtig, die neuen Varianten zu überwachen und „sehr engmaschig“ zu beobachten, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt. Die Wissenschaftlerin vermutet, dass sich bei einem geringen Infektionsgeschehen auch weniger Mutationen bilden.

Da könnte ein Hoffnungsschimmer sein, was die Weltgesundheitsorganisation WHO in dieser Woche vermeldete: Demnach soll global gesehen die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen seit sechs Wochen gesunken sein, die der Todesfälle seit drei Wochen; zuletzt allerdings eher wieder mit stagnierender Tendenz. (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

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