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Eine Grippe-Impfung kann das Risiko schwerer Folgen einer Corona-Infektion laut einer aktuellen Studie deutlich senken.
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Eine Grippe-Impfung kann das Risiko schwerer Folgen einer Corona-Infektion laut einer aktuellen Studie deutlich senken.

Aktuelle Studie

Studie zeigt: Grippe-Impfung kann vor schwerem Covid-19-Verlauf schützen

  • Isabel Wetzel
    VonIsabel Wetzel
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Eine Analyse aus den USA kommt zu dem Schluss, dass die jährliche Grippe-Impfung eine positive Wirkung auf Corona-Krankheitsverläufe hat.

Miami ‒ Die Grippe-Impfung hilft in der Corona*-Pandemie. Das haben Fachleute aus den USA nun in einer weiteren Studie bestätigt und erstaunliche Effekte festgestellt. Eigentlich wird die Schutzimpfung gegen Grippeviren vor allem Menschen über 60 Jahren, chronisch Kranken oder Schwangeren empfohlen, da aufgrund dieser Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit einer schweren Erkrankung steigt. Doch durch die positiven Effekte, die die Grippe-Impfung auf das menschliche Immunsystem hat, könnte es gerade in der Corona-Pandemie auch für junge und gesunde Menschen sinnvoll sein, sich im Herbst gegen die Grippe impfen zu lassen. Auch, wenn die Grippe-Saison 2020/21* aufgrund der Abstands- und Hygienemaßnahmen nahezu ausgefallen ist.

Ein Forscherteam einer medizinischen Hochschule in Miami (Florida) hat für die Untersuchung dieser nicht neuen Theorie Patientendaten aus der ganzen Welt untersucht und die Ergebnisse beim online stattfindenden Europäischen Kongress für klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten (ECCMID) präsentiert.

Studie: Grippe-Impfung kann vor schweren Corona-Folgen schützen

Die Studienergebnisse zeigen, dass Corona-Patientinnen und Patienten, die gegen die Grippe geimpft sind, seltener an schweren Folgen wie tiefen Venenthrombosen, Schlaganfällen oder Sepsen leiden und seltener in die Notaufnahme oder auf Intensivstationen müssen. Der Anteil der Patientinnen und Patienten, die an den Folgen einer Covid-Erkrankung gestorben sind, unterschied sich in den Gruppen nicht.

Die Forschenden der Miller School of Medicine der Universität Miami untersuchten dafür Patientendaten aus der ganzen Welt, unter anderem aus den USA*, Großbritannien, Deutschland, Italien, Israel und Singapur. Aus der internationalen, elektronischen Datenbank Trinetx wurden aus 70 Millionen Menschen weltweit zwei Gruppen mit je 37.377 Patient:innen generiert - eine Versuchs- und eine Kontrollgruppe. Alle untersuchten Patient:innen waren an Covid-19 erkrankt und auch ansonsten möglichst nach gleichen Faktoren wie Alter, Geschlecht oder Vorerkrankungen ausgewählt. Der einzige Unterschied: Die erste Gruppe wurde 14 Tage bis sechs Monate vor der Infektion gegen Influenza, also Grippe, geimpft. Die zweite nicht.

Grippe-Impung: 20 Prozent geringeres Risiko einer Intensivbehandlung bei Covid-19

Die Ergebnisse waren eindeutig: So hätten die gegen Grippe geimpften Patient:innen ein um rund 58 Prozent niedrigeres Risiko gehabt in die Notaufnahme gebracht zu werden. Die Wahrscheinlichkeit auf einer Covid-Intensivstation behandelt werden zu müssen sank um 20 Prozent. Zusätzlich untersuchten die Forschenden aus Miami die Häufigkeit von 15 schweren Folgen einer Corona-Erkrankung in den ersten 120 Tagen nach der Infektion. Dazu gehörten: Sepsis (Blutvergiftung), Schlaganfall, tiefe Venenthrombose, Lungenembolie, akutes Lungenversagen, akutes Atemnotsyndrom, Gelenkschmerzen, Nierenversagen, Appetitlosigkeit, Herzinfarkt, Lungenentzündung.

Auch bei diesen Folgen gab es Unterschiede: Die ungeimpfte Gruppe hatte ein bis zu 45 Prozent höheres Risiko, eine gefährliche Blutvergiftung zu entwickeln, ein bis zu 58 Prozent höheres Risiko einen Schlaganfall zu bekommen und ein rund 40 Prozent höheres Risiko eine Thrombose zu erleiden.

Grippe-Impfung und Corona: Keine neue Theorie in der Wissenschaft

Es ist keine neue Theorie und nicht das erste Mal, dass die Grippe-Impfung als positive Unterstützung in der Corona-Pandemie zur Sprache kommt. Eine Studie der Universität Michigan* hatte zuvor bereits belegt, dass die Grippe-Impfung schon das Risiko sich mit dem Coronavirus überhaupt zu infizieren, signifikant senkt.

Auch die Forschenden aus Michigan hatten im Frühjahr bereits positive Effekte der Grippe-Impfung auf den Verlauf der Covid-19-Erkrankung festgestellt: So kam die Gruppe, die nicht gegen das Influenzavirus geimpft ist häufiger ins Krankenhaus, musste länger behandelt werden und auch etwa doppelt so oft beatmet werden wie die gegen Influenza geimpfte Gruppe. Die Sterblichkeit in den beiden Gruppen unterschied sich auch bei dieser Untersuchung nicht signifikant.

Nun muss, so die Forschenden, in weiteren Studien noch herausgefunden werden, warum die Grippe-Impfung genau vor schweren Folgen der Corona-Erkrankung schützen kann. „Eine Erklärung dafür könnte sein, dass die Grippe-Impfung das Immunsystem insgesamt anregt und so diese positiven Effekte mit sich bringt“, zitiert die britische Zeitung The Guardian dazu den Infektionsforscher Professor Peter Openshaw.

Pandemie: Grippe-Impfung kein Ersatz für Corona-Impfung

Dennoch kann die Grippeschutzimpfung ein wichtiger Bestandteil für die Bekämpfung der Corona-Pandemie sein - insbesondere in Ländern, die noch nicht den vollen Zugang zu Corona-Impfstoffen* haben. Denn während in den USA und Westeuropa bereits darüber gesprochen wird, eine dritte Corona-Impfdosis zu verabreichen, haben andere Länder noch gar nicht mit den schützenden Impfungen begonnen*. Neben dem Schutz vor schweren Corona-Folgen, kann die Impfung gegen Influenza auch dazu beitragen eine „Twindamic“ zu verhindern, also einen gleichzeitigen Ausbruch von Grippe und Covid-19. Forscherin Susan Taghioff weist aber auch darauf hin, dass die Grippe-Impfung kein Ersatz für die Corona-Impfung, sondern nur ein ergänzender, oder vorläufiger Schutz ist. Sie rät dennoch dazu, sich auch gegen Corona impfen zu lassen.

Bei dem Kongress wurden auch Forschungsergebnisse anderer Wissenschaftsteams vorgestellt: So beschäftigte sich ein Team aus Belgien etwa mit der seltenen Gefahr von Doppelinfektionen mit mehreren Corona-Varianten und wie diese Krankheitsverläufe beeinflussen können. (iwe) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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