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Ein Fahrradfahrer mit Corona-Maske aus einem Rückspiegel betrachtet.
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Eine Studie zu Corona-Langzeitfolgen deckt auf, dass ein Geschlecht besonders unter Spätfolgen leidet (Symbolbild).

„Long-Covid“-Studie

Corona-Symptome noch Monate nach der Erkrankung: Wer von den Langzeitfolgen besonders betroffen ist

  • Sophia Lother
    vonSophia Lother
    schließen

Eine aktuelle Corona-Studie zeigt, dass drei von vier Infizierten auch sechs Monate später unter Covid-19-Symptomen leiden. Besonders Frauen sind davon stark betroffen.

  • Die Forschung zu den Corona-Langzeitfolgen und Symptomen steckt noch in den Kinderschuhen.
  • Doch eine Studie zum Thema „Long-Covid“ und den Symptomen nach einer Erkrankung liefert beunruhigende Erkenntnisse.
  • Drei von vier Menschen leiden Monate nach der Corona-Infektion noch an Beschwerden.

Frankfurt – Sind die Spätfolgen einer Corona-Infektion weitaus gravierender, als bisher angenommen? Bisher standen oft die unmittelbaren Folgen und Symptome im Fokus der Forschung – doch immer mehr Studien decken auf, dass „Long-Covid“-Symptome weitaus häufiger vorkommen, als bisher angenommen. Eine aktuelle Corona-Studie aus China konzentriert sich beispielsweise darauf, welche Langzeitfolgen noch sechs Monate nach einer Infektion mit dem Virus auftreten. Welche Beschwerden und Symptome besonders häufig sind und ob Frauen oder Männer häufiger unter den Langzeitfolgen leiden.

Der Mediziner Chaolin Huang hat zusammen mit seinen Kolleg:innen 1733 Menschen befragt, die bis Ende Mai in der Jin Yin-tan Klinik in Wuhan wegen einer Covid-19-Erkrankung behandelt wurden. Die Ergebnisse der Corona-Studie wurden im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlicht. Alle Studienteilnehmenden wurden gebeten, einen Fragebogen auszufüllen und medizinisch untersucht. Außerdem absolvierten sie einen 6-min-Walking-Test.

Corona-Langzeitfolgen: Studie liefert beunruhigende Ergebnisse zu „Long-Covid“

Die Teilnehmer:innen der Studie zu den Corona-Langzeitfolgen waren im Mittel 57 Jahre alt. Von 1733 Proband:innen waren 836 Frauen. Während der Behandlung ihrer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus benötigten 25 Prozent der Studienteilnehmer:innen keine zusätzliche Sauerstoffzufuhr (Schweregrad 3). Dagegen wurden 68 Prozent (Schweregrad 4) zusätzlich mit Sauerstoff versorgt, der Rest musste Sauerstoff via „HFNC“ (High Flow Nasal Cannula) oder „NIV“ (nicht-invasive mechanische Beatmung) erhalten (Schweregrad 5) oder künstlich beatmet werden (Schweregrad 6).

Schweregrad einer Covid-19 ErkrankungHintergrund/Symptomatik
1Kein Krankenhausaufenthalt, Alltagsleben nicht eingeschränkt
2Kein Krankenhausaufenthalt, aber Alltagsleben eingeschränkt
3Krankenhausaufenthalt, kein zusätzliche Sauerstoffversorgung
4Krankenhausaufenthalt, zusätzliche Sauerstoffversorgung
5Krankenhausaufenthalt, zusätzliche Sauerstoffversorgung mittels HFNC und/oder NIV
6Krankenhausaufenthalt, Sauerstoffversorgung mittels ECMO (Extrakorporale Membranoxygenierung)
und/oder IMV (Invasive mechanische Beatmung)
7Todesfall
Quelle: Huang, Chaolin, et al. (2021) 6-month consequences of COVID-19 in patients discharged from hospital: a cohort study\"

„Long-Covid“-Symptome: Frauen leiden deutlich häufiger unter Covid-19-Spätfolgen

Die Studie zu den Corona-Langzeitfolgen kam zum Ergebnis, dass drei von vier Patienten (76 Prozent) auch noch sechs Monate später unter mindestens einem Symptom litten. Dabei waren Frauen nach einer Covid-19-Erkrankung häufiger von den Spätfolgen betroffen als Männer. Personen, deren Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 zu einem Krankheitsverlauf des Schweregrads 5-6 führte, litten ebenfalls stärker unter Langzeitfolgen.

Doch unter welchen Symptomen litten die Patientinnen und Patienten noch Monate nach ihrer Corona-Infektion? Von den Befragten gaben 63 Prozent an, unter Muskelschwäche und Müdigkeit zu leiden. Schlafstörung waren für 26 Prozent ein bestehendes Problem. Auch Symptome wie Haarverlust (22 Prozent), ein gestörter Geruchssinn (11 Prozent) Gelenkschmerzen (9 Prozent) und ein gestörter Geschmackssinn (7 Prozent) traten auf. Beim 6-min-Walking-Test waren die Werte von 23 Prozent der Teilnehmenden auffällig. Am stärksten waren auch hierbei diejenigen betroffen, die Schweregrad der Krankheit von fünf oder sechs hatten.

Corona-Symptome noch nach Monaten: Frauen litten häufiger unter Beschwerden

Durch die Fragebögen ermittelten die Wissenschaftler:innen außerdem, dass 23 Prozent der Befragten angaben, unter Angststörungen und Depression zu leiden. Frauen waren hierbei deutlich stärker betroffen als Männer. Auch die Patient:innen mit einem schweren Krankheitsverlauf litten häufiger unter derartigen psychischen Symptomen.

Auftreten der Langzeitfolgen bei MännernAuftreten der Langzeitfolgen bei Frauen
73 Prozent: ein oder mehrere Symptome81 Prozent: ein oder mehrere Symptome
59 Prozent: Muskelschwäche und Müdigkeit66 Prozent: Muskelschwäche und Müdigkeit
25 Prozent: Schlafstörungen28 Prozent: Schlafstörungen
21 Prozent: Haarverlust23 Prozent: Haarverlust
10 Prozent: Gestörter Geruchssinn11 Prozent: Gestörter Geruchssinn
9 Prozent: Gelenkschmerzen 10 Prozent: Gelenkschmerzen
7 Prozent: Gestörter Geschmackssinn8 Prozent: Gestörter Geschmackssinn
18 Prozent: Angststörung oder Depression28 Prozent: Angststörung oder Depression
Quelle: Huang, Chaolin, et al. (2021) 6-month consequences of COVID-19 in patients discharged from hospital: a cohort study

Studie zu Corona-Langzeitfolgen: Ergebnisse stützen bisherige Studienlage

Doch die Ergebnisse der Corona-Studie von Chaolin Huang und seinen Kolleg:innen müssen auch mit gewissen Vorbehalten betrachtet werden. So hat die Studie beispielsweise nicht den gesamten Gesundheitszustand der Befragten vor deren Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 erfasst, kritisiert das „Ärzteblatt“. Daher ist unklar, ob gewisse Vorerkrankungen, auch psychischer Natur, ebenfalls einen Einfluss hatten.

Italienische Forschende, die die Studie aus Wuhan kommentierten, gaben in „The Lancet“ zu bedenken, dass nur vier Prozent der Proband:innen auf der Intensivstation versorgt werden könne. Dennoch decken sich die Ergebnisse der Corona-Studie von Chaolin Huang und seinen Kolleg:innen mit denen vorangegangener Studien, resümierten die Wissenschaftler:innen aus Italien.

Denn Corona-Langzeitfolgen wie Müdigkeit, Atemnot und dem anhaltenden Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns wurden beispielsweise in einer Corona-Studie aus der Schweiz als häufigstes Symptom nach einer überstandenen Erkrankung ermittelt. Und eine Studie der Oxford University zeigte, dass jede:r fünfte Covid-19-Erkrankte nach der Diagnose an psychischen Problemen leidet.

„Long-Covid“-Studie: Gesamtes Ausmaß der Auswirkung von Corona auf den Menschen noch unklar

„Weil es sich bei Covid-19 um eine derart neue Krankheit handelt, fangen wir gerade erst an zu verstehen, welche Langzeitfolgen sie auf die Gesundheit von Patien:innen hat. Unsere Analysen weisen jedoch darauf hin, dass die meisten Patientinnen und Patienten mit mindestens einer Nachwirkung des Virus leben müssen, wenn sie das Krankenhaus verlassen“, erklärt Professor Bin Cao, der an der Studie mitarbeitete, gegenüber „EurekAlert!“. Es sei besonders wichtig, ehemalige mit dem Coronavirus Infizierte medizinisch zu begleiten.

Um die Corona-Langzeitfolgen oder auch „Long COVID“ genauer zu verstehen, seien weitere Studien zwingend notwendig, so der Forscher. Erst anschließend könne man das ganze Ausmaß der Auswirkungen von Corona auf die Menschen erfassen. (Sophia Lother)

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