Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Coronavirus

Corona-Superinfektion: Erhöhte Lebensgefahr durch Virus und Schimmelpilz

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
    schließen

Fungale Superinfektionen sind eine lebensgefährliche Komplikation bei schweren Covid-Verläufen. Ein Forschungsteam aus Graz hat den Schimmelpilz genauer unter die Lupe genommen.

Frankfurt/Graz – Superinfektionen sind Folgen vieler viraler Erkrankungen. So kann bereits ein harmloser Schnupfen in eine bakterielle Nebenhöhlenentzündung münden, wenn sich andere Erreger auf die Virusinfektion „draufsetzen“, und bei einer Grippe sind eitrige Bronchitis oder bakterielle Lungenentzündungen gefürchtete Komplikationen. Auch bei Covid-19 gibt es solche Superinfektionen. Als besonders gefährlich erweisen sich dabei Infektionen der Lunge mit Schimmelpilzen.

Ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Medizinischen Universität Graz hat sich nun gezielt mit diesem Thema befasst und dazu geforscht, wie man bei schweren Covid-19-Verläufen einer Superinfektion mit Schimmelpilzen begegnen kann.

Forscherteam untersucht schwere Covid-19-Verläufe bei einer Superinfektion mit Schimmelpilzen

Die Gruppe um Stefan Hatzl, Gernot Schilcher und Robert Krause forscht bereits seit Beginn der Pandemie intensiv zur Therapie von Covid-19-Patientinnen und -Patienten, die so krank sind, dass sie auf einer Intensivstation behandelt werden müssen. Sie schlagen vor, diesen Menschen eine prophylaktische Behandlung zur Vorbeugung einer Pilzinfektion zu geben. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Critical Care“ publiziert.

Das Problem Schimmelpilz-Infektionen bei Covid-19 rückt in der Medizin zunehmend in den Fokus, unter anderem auch durch Berichte über eine „Black Fungus-Pandemie“ bei schwer Covid-Kranken in Indien. Der Begriff „Black Fungus“ (Schwarzer Pilz) stehe für eine fungale Superinfektion mit Schimmelpilzen der Gruppe Mucorales spp, heißt es in einer Mitteilung der Med Uni Graz.

Das Problem der Schimmelpilz-Infektionen bei Covid-19 rückt in der Medizin zunehmend in den Fokus. (Archivbild/Symbolbild)

Corona-Pandemie: Besonders in Indien kommt es zu Schimmelpilz-Infektionen bei Covid-19

Warum es ausgerechnet auf dem indischen Subkontinent zu diesen besorgniserregenden Entwicklungen gekommen ist, ließ sich bislang noch nicht restlos klären. „In der Debatte stehen vor allem das feuchtwarme Klima der Tropen, die schlechte Gesundheitsversorgung der Bevölkerung speziell in Bezug auf chronische Erkrankungen wie Diabetes als auch der immer breitere Einsatz von notwendigen Corticosteroiden in der Behandlung von Covid-19“, sagt Robert Krause von der Klinischen Abteilung für Infektiologie an der Med Uni Graz.

Kortisonhaltige Medikamente wie Dexamethason werden bei Covid-19 eingesetzt, um die mit schweren Verläufen oft einhergehende extreme Entzündung durch eine überschießende Immunreaktion in den Griff zu bekommen. Da Kortison die körpereigene Abwehr hemmt, kann es Pilzinfektionen begünstigen.

Schimmelpilz-Infektionen auch zunehmend in Europa ein Problem

Auch in Europa, heißt es in der Mitteilung der Med Uni Graz, stellten Schimmelpilz-Infektionen vor allem bei intensivpflichtigen Patientinnen und Patienten „ein zunehmendes Problem“ dar. Allerdings seien in der westlichen Welt nur in den seltensten Fällen wie in Indien Pilze der Mucorales-Gruppe zu beobachten, sondern Pilze der Aspergillus-Gruppe. Aufgrund dieser Problematik habe sich bereits „ein eigenes Krankheitsbild“ entwickelt: die „Covid-19 assoziierte Pulmonale Aspergillose“ (Capa).

Wie Stefan Hatzl, einer der Studienautoren berichtet, hätten 17 Prozent der Covid-19-Kranken auf der Intensivstation der Uniklinik Graz eine Infektion mit Aspergillus-Schimmelpilzen entwickelt, die Diagnose sei im Durchschnitt sechs Tage nach der Aufnahme auf der Intensivstation gestellt worden. Offenbar verschlechtert eine Superinfektion mit Schimmelpilzen die Überlebenschancen stark: 87 Prozent dieser Patientinnen und Patienten seien gestorben. „Zusätzlich konnten wir auch zeigen, dass Capa ein unabhängiger prognostischer Parameter für den Tod der Covid-19-Patient:innen war“, erklärt Gernot Schilcher, der ebenfalls an der Studie beteiligt war.

Forschende testen Therapie gegen Pilzinfektion bei schweren Covid-19-Verläufen

Die drei Mediziner testeten auch, wie sich solche gefährlichen Pilzinfektionen bei schwerem Covid-19 verhindern lassen. Sie stellten fest, dass die prophlykatische Verabreichung eines gezielt gegen Schimmelpilze wirkenden Pilzmedikaments das durch eine Superinfektion verursachte Krankheitsbild Capa verhindern konnte.

„In der Gruppe mit Pilz-Prophylaxe entwickelten nur zwei Prozent eine Capa im Vergleich mit 17 Prozent in der Gruppe ohne Pilz-Prophylaxe“, sagt Robert Krause. Auch gegen den auf dem indischen Subkontinent dominierenden „Black Fungus“ wirke das in der Studie verwendet Pilzmedikament. (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © Science Photo Library/imago-images

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare