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Studie in den USA entdeckt Auswirkungen der Pandemie auf die Entwicklung von Babys

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Von: Sandra Kathe

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Die US-Metropole New York war zu Beginn der Pandemie besonders hart vom Coronavirus betroffen.
Die US-Metropole New York war zu Beginn der Pandemie besonders hart vom Coronavirus betroffen. © Johannes Eisele/AFP

Eine Untersuchung von 255 Säuglinnen, die im ersten Corona-Jahr in einem New Yorker Krankenhaus zur Welt gekommen sind, kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

New York – Die Corona-Pandemie könnte sich – auch unabhängig von einer Infektion der Mutter während der Schwangerschaft – auf die Entwicklung von sozialen und motorischen Fähigkeiten von Säuglingen auswirken. Das haben Forschende der Columbia University in einer Studie herausgefunden.

Bei der Studie wollen die Foschenden vor allem herausfinden, ob sich eine Corona-Infektion der Mütter – wie zahlreiche virale Infektionen während der Schwangerschaft – negativ auf die neuronale Entwicklung ihrer Babys auswirkt. Dafür wurden 255 Säuglinge im Alter von sechs Monaten untersucht, die zwischen März und Dezember 2020 in der Kinderklinik des New Yorker Presbyterian Krankenhaus zur Welt gekommen waren. Das berichtet die Columbia University auf ihrer Website.

Pandemie-Babys: Columbia University untersucht Einflüsse der Corona-Zeit auf Babys

Von den Ergebnissen zeigte sich das Forschungsteam jedoch überrascht: „Es gab keine Anzeichen, dass eine Covid-Erkrankung während der Schwangerschaft die neuronale Entwicklung beeinflusst“, betont Dani Dumitriu, Ärztin für Kinderheilkunde und Psychiatrie am medizinischen Columbia University Vagelos College, die die Studie leitete. Stattdessen hätten sich im Vergleich zu Babys, die vor der Pandemie geboren wurden, aber minimal schlechtere Ergebnisse bei Tests der motorischen und sozialen Fähigkeiten gezeigt.

In den Bereichen Kommunikation oder Problemlösung hätte es hingegen keine Auffälligkeiten gegeben. „Die Ergebnisse führen uns zu dem Schluss, dass das erhöhte Stresslevel der Schwangeren während dieser beispiellosen Zeit womöglich eine Rolle gespielt haben könnten“, so Dumitriu.

Schwanger während Corona: Auswirkungen der Pandemie auf Entwicklung von Babys

In den ersten Monaten nachdem das Coronavirus die USA erreicht hatte, war vor allem die Situation in der Millionenstadt New York dramatisch. Das Virus breitete sich unaufhaltsam in der Stadt aus und sorgte zeitweise für eine Überlastung des Gesundheitssystems. Die meisten Todesfälle an einem Tag zählte die Stadt laut Angaben des Statistikportals Statista am 7. April 2020, als fast 600 Menschen ihr Leben verloren.

Bei den festgestellten Abweichungen bei der Entwicklung der Babys handle es sich nicht um große Entwicklungsdefizite, betonte Dumitriu, sondern lediglich um eine kleine Verschiebung: „Doch diese kleinen Verschiebungen sollten uns dennoch aufmerksam machen“, mahnte die Forscherin, denn: „Mit potenziell Millionen Kindern, die weltweit in der Gebärmutter Covid ausgesetzt waren und Müttern, die während der Schwangerschaft den Stress der Pandemie durchlebt haben, ist es eine wichtige Aufgabe zu verstehen, wie die Effekte in der Neuroentwicklung während der Pandemie sich auf zukünftige Generationen auswirken“.

Studie zu Corona-Babys: Aus ersten Ergebnissen soll Langzeitstudie werden

Dumitriu stellte fest, dass sich vergleichbare Situationen bereits weltweit auf Gesundheitssysteme ausgewirkt hätten, etwa im Fall anderer Pandemien oder nach Naturkatastrophen. Dennoch betonte sie, dass die Studienergebnisse nicht zwingend bedeuten müssten, dass die Generation der Pandemie-Babys in ihrem späteren Leben von den Folgen der Pandemie betroffen sei. Bei dem Zeitpunkt der Untersuchung handle es sich um ein sehr frühes Entwicklungsstadium, das etliche Möglichkeiten biete, Entwicklungsverzögerungen aufzuholen.

Auch frühere Studien hätten bereits ausgemacht, dass sich heftiger Stress zu Beginn ihrer Schwangerschaft eher auf die sozioemotionale Entwicklung von Säuglingen auswirkt als am Ende. Analog dazu hätten auch die Foschungsergebnisse der Columbia University leichte Abweichungen je nach Zeitpunkt der Geburt ergeben.

Stress der Mütter muss aber nicht der einzige Grund für die leicht verzögerte Entwicklung bestimmter Fähigkeiten sein, betonen die Autor:innen der Studie. Auch der fehlende Kontakt zu Gleichaltrigen sowie Interaktionen mit ihren Eltern in Stressmomenten könnten Auswirkungen auf die Babys gehabt haben. Die weitere Entwicklung der Kinder werde nun in einer Langzeitstudie untersucht. (ska)

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