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06.05.2021 , DU Duisburg , Intensivstation - Reportage im Johanniter Krankenhaus am Kreuzacker 1-7 in Rheinhausen. Blick
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Eine Corona-Studie geht der Frage nach, warum manche Menschen, die im Krankenhaus ein hohes Corona-Risiko hatten, sich nicht infiziert haben. (Symbolbild)

Forschung in Großbritannien

Corona-Studie untersucht, warum manche Menschen sich nie infizieren – trotz hohen Risikos

  • Tanja Banner
    VonTanja Banner
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Während der ersten Corona-Welle in Großbritannien haben sich einige Menschen trotz hohen Ansteckungsrisikos nicht mit Corona infiziert. Forschende gehen der Spur nach.

London/Frankfurt – Seit Anfang 2020 hält das Coronavirus Sars-Cov-2 die Welt auf Trab. Mehr als 260 Millionen Menschen weltweit infizierten sich mit dem Virus, mehr als 5,1 Millionen Menschen starben bisher im Zusammenhang mit Covid-19 (Quelle: JHU, Stand: 27.11.2021). Doch Forschenden in Großbritannien fiel auf, dass einige Menschen sich nicht mit Corona infizierten – obwohl sie an vorderster Front im Krankenhaus arbeiteten und dort einem großen Infektionsrisiko ausgesetzt waren. In einer Studie, die vom Fachjournal Nature zur Veröffentlichung angenommen und vorab online veröffentlicht wurde, schildern Forschende nun, warum dies so ist.

Forschende um Leo Swadling vom University College London beschäftigten sich mit 58 Menschen, die in Krankenhäusern in London arbeiteten und sich nicht mit Corona infizierten, obwohl sie während der ersten Pandemie-Welle einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt waren. Über einen Zeitraum von vier Monaten war bei diesen 58 Menschen kein PCR-Test positiv, Antikörper wurden ebenfalls keine gefunden, während sich im gleichen Zeitraum eine Reihe von Kollegen und Kolleginnen mit Corona infizierte.

Corona-Studie: Haben T-Zellen eine Infektion abgebrochen? „Ich habe so etwas noch nie gesehen“

Bei 20 der Studienteilnehmer:innen fanden die Forschenden erhöhte T-Zellen-Werte, bei 19 außerdem das Immunprotein IFI 27, das die Forschenden in ihrer Studie als eine „typische frühe Signatur von Sars-CoV-2“ bezeichnen. Das Immunprotein lasse auf eine abgebrochene Infektion schließen, so die Forschenden weiter. Offenbar war das Coronavirus in den Körper eingedrungen, wurde jedoch abgewehrt, bevor es Schaden anrichten konnte. Nature zitiert den nicht an der Studie beteiligten Immunologen Shane Crotty (La Jolla Institute for Immunology) mit den Worten: „Ich habe so etwas noch nie gesehen. Es ist sehr überraschend, dass T-Zellen in der Lage sein könnten, eine Infektion so schnell zu kontrollieren.“

Die Theorie der Autoren und Autorinnen: T-Zellen in den Körpern der Probanden und Probandinnen haben ein Protein-Cluster des Virus ausgeschaltet, das für die Reproduktion zuständig ist. Im Blut der Studienteilnehmer:innen fanden sie Beweise dafür: Von den 58 Teilnehmenden, hatten mehr Personen T-Zellen im Blut, die das Cluster erkannten, als von einer Vergleichsgruppe, die eine Corona-Infektion durchgemacht hatte. Außerdem stellten die Forschenden fest, dass in Blutproben, die aus der Zeit vor Corona stammten, T-Zellen Sars-CoV-2 – und vor allem das Protein-Cluster – erkannten. Diese T-Zellen könnten durch Infektionen mit anderen Coronaviren entstanden sein – eine sogenannte Kreuzinfektion – vermuten die Forschenden.

Corona-Studie: Welche Rolle spielen die T-Zellen bei einer Infektion?

Doch es gibt auch kritische Stimmen: Die Studie habe keine eindeutigen Belege dafür, dass die Probanden und Probandinnen tatsächlich Sars-CoV-2-Partikel in ihren Körpern hatten. Das mache es schwierig, auf die Rolle der T-Zellen zu schließen, zitiert Nature die Immunologin Donna Farber. Mala Maini, eine Co-Autorin der Studie, bestätigt gegenüber Nature, dass ihr Team keine direkte Bestätigung von abgebrochenen Corona-Infektionen habe. Jedoch sei das Timing des Virus in Großbritannien gut dokumentiert und es sei wahrscheinlich kein Zufall, dass man zu einer Zeit, in der zahlreiche Patienten und Patientinnen mit Covid-19 in britische Krankenhäuser gekommen seien, die vermehrten T-Zellen im Blut der Teilnehmenden gefunden hätte. „Das Timing ist so klar“, betont Maini.

Hintergrund: Was sind T-Zellen?

T-Zellen sind Blutzellen, die im Knochenmark entstehen. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von gefährlichen Substanzen im menschlichen Körper. Sie sind fokussiert auf bestimmte Krankheitserreger und zerstören Zellen, die von diesen Krankheitserregern befallen sind.

Corona-Studie: Können T-Zellen eine Corona-Infektion abbrechen?

Sollten die Theorien der Forschenden stimmen, heiße das nicht, dass sie auch für die Delta-Variante gelte, betont der Immunologe Marcus Buggert gegenüber Nature. Es sei auch möglich, dass nur Personen wie Krankenhauspersonal, die regelmäßig mit Atemwegsviren konfrontiert seien, eine Infektion unterbrechen könnten. Die Forschenden selbst warnen vor dem Schluss, dass eine frühere Erkältung vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 schützen könnte. Ob die T-Zellen auch bei der Delta-Variante gleichermaßen funktionieren, ist ebenfalls unklar, da die Studie durchgeführt wurde, bevor es diese Variante gab.

Doch trotz aller Bedenken kann die Studie beim Kampf gegen Corona helfen. Gegenüber dem Science Media Center erklärt der Biomediziner Alexander Edwards (University of Reading), wie die Studie beim Design eines völlig neuen Impstoff-Typs helfen könnte. „Ein Impfstoff, der die T-Zell-Immunität gegen verschiedene virale Protein-Ziele stärkt, die von vielen verschiedenen Coronaviren gemeinsam genutzt werden, würde unsere Impfstoffe ergänzen, die neutralisierende Antikörper induzieren.“ Derzeit arbeiten bereits mehrere Unternehmen an T-Zellen-Impfstoffen gegen Corona. Ein britisches Unternehmen will im Januar 2022 mit ersten klinischen Tests beginnen. (tab)

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