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Lüften allein gegen das Coronavirus, reicht nicht aus: Forschende aus Mainz haben ein neues Lüftungssystem entwickelt, mit dem Schulen für den Start nach den Sommerferien gerüstet sind. (Symbolfoto)
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Lüften allein gegen das Coronavirus, reicht nicht aus: Forschende aus Mainz haben ein neues Lüftungssystem entwickelt, mit dem Schulen für den Start nach den Sommerferien gerüstet sind. (Symbolfoto)

Corona-Pandemie

Corona an Schulen: Lüftungsanlage zum Selber bauen aus Mainz

  • Ute Fiedler
    VonUte Fiedler
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Sind die Schulen im Hinblick auf die Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus gerüstet? Forschende aus Mainz haben nun eine einfache Lösung für frische Luft im Klassenzimmer entwickelt.

Mainz - Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus spielt auch das Thema Lüften eine große Rolle. Gerade an Schulen wird der Einsatz von Luftfilteranlagen und mobilen Raumluftreinigern heiß diskutiert. Diese sollen virenhaltige Aerosole aus der Luft im Klassenzimmer filtern. Forschende aus Mainz haben bereits im vergangenen Jahr eine kostengünstige Alternative zu den oftmals teuren Luftfiltern entwickelt.

Ersten Studienergebnissen zufolge ist diese sehr wirksam – und kann selbst nachgebaut werden, teilten die Forschenden vom Max-Planck-Institut für Chemie nun mit. Die Vergleichsstudie war am Dienstag (06.07.2021) in deutscher Sprache veröffentlicht worden und soll nun wissenschaftlich begutachtet werden.

Coronavirus: Forschende aus Mainz setzen auf einfaches Lüftungssystem in Schulen

Bei ihrer Alternativen setzen die Wissenschaftler:innen aus Mainz auf Fensterlüften, das durch einfache technische Hilfsmittel wie Ventilatoren und Abzugshauben ergänzt wird. Diese Kombination eigne sich „sehr gut zum Schutz vor Sars-CoV-2-Infektionen durch Aerosolübertragung“, heißt es in einer Pressenotiz des Instituts.

Das Prinzip ist einfach erklärt: Frischluft gelangt beispielsweise über ein gekipptes Fenster in den Klassenraum. Die warme Atemluft der Schüler:innen steigt nach oben und wird zum Fenster transportiert. Ein Ventilator im oder vor dem Fenster befördert dann die Luft nach außen.

So funktioniert das Klassenzimmer-Lüftungssystem der Forschenden aus Mainz.

Gegenüber dem Spiegel erläuterten die Wissenschaftler:innen aus Mainz, dass die Anlage auch ausgefeilter konstruiert werden könne: Kunststoffschläuche und Hauben werden über den Pulten angebracht, die die aufsteigende Atemluft aufnehmen. Diese werde über Rohrleitungen nach draußen befördert. Nach Schätzungen der Forschenden kostet eine solche Anlage etwa 1000 Euro – etwa ein Zehntel weniger als übliche Filteranlagen.

Corona in Schulen: Mainzer Lüftungssystem sehr wirksam

Wie wirksam dieses System ist, haben die Forschenden aus Mainz nun im Vergleich mit weiteren Alternativen getestet. Mit eindeutigem Ergebnis: „Insgesamt zeigt der Vergleich, dass Fensterlüftungssysteme mit Abluftventilatoren nicht nur kostengünstig und leicht realisierbar sind. Sie sorgen auch sehr effektiv für die Reinhaltung der Luft und wirken gegen die Aerosolübertragung von Infektionskrankheiten wie Covid-19 oder Influenza“, sagt Frank Helleis, Leiter der Instrumentenentwicklung am Max-Planck-Institut für Chemie.

Allein der Einsatz eines Ventilators senkt den Forschenden im Vergleich zum Stoßlüften in den Pausen die Aerosolkonzentration im Klassenzimmer erheblich. Das Risiko einer Virusinfektion sinke etwa um den Faktor vier. Beim Haubensystem sei die Wirksamkeit um den Faktor neun besser als einfaches Stoßlüften, berichteten die Mainzer gegenüber dem Spiegel.

Corona-Pandemie: Lüftungssysteme der Mainzer Forschenden bereits in 450 Klassenzimmern installiert

In der Stadt Mainz sind solche Systeme bereits in mehr als 450 Klassenräumen installiert, verweist Helleis. Das bestätige die praktische Machbarkeit des Ansatzes auch ohne Abzugshauben. Die Materialien seien im Fachhandel und Internet erhältlich und könnten beispielsweise vom Hausmeister oder der Hausmeisterin der Schule, von Lüftungs- und Haustechniker:innen und anderen Dienstleister:innen installiert werden, sagt Thomas Klimach, Mitentwickler der Mainzer Fensterlüftungssysteme.

Sinnvoll ist den Mainzer Forschenden zufolge der Einbau von Abluftventilatoren in allen Klassenräumen – nicht nur zur Eindämmung der Corona-Pandemie, sondern auch zur Verbesserung der Luftqualität allgemein in Klassenzimmern.  

Mit ihrer Studie befeuern die Forschenden aus Mainz nun die hitzige Diskussion darüber, ob die Schulen mit Blick auf die Delta-Variante des Coronavirus für den Start nach den Sommerferien gerüstet sind. Erst kürzlich hatte die Lehrergewerkschaft GEW Kritik geübt: „Schulen müssen endlich krisenfest gemacht werden“, hatte die Vorsitzende Maike Finnern gefordert und auf Investitionen in Gebäude, Infrastruktur, mehr Personal und Luftfiltergeräte in Klassenräumen gedrängt.

Corona: Markus Söder fordert Schulen zum Handeln auf

Und auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte kürzlich Schulen und Kommunen zum Handeln aufgefordert. „Über die Sommerpause sollten wir an jeder Schule die Lüftungsproblematik in den Griff bekommen“, sagte Söder in einem Interview mit dem Merkur in München. „Wenn das freiwillig nicht funktioniert, müssen wir uns eine Verpflichtung überlegen, in jedem Klassenzimmer einen Luftfilter zu haben.“ In Bayern habe man fast 100.000 Klassenzimmer und Übungsräume, „aber die Kommunen haben nur 14.000 Filteranlagen angeschafft oder bestellt. Das reicht nicht“, kritisierte der CSU-Politiker.

Verantwortlich für den Einbau von Filteranlagen in Klassenzimmer sind Schulen und Kommunen. Dieser ist oftmals teuer, sodass viele diesen Schritt scheuen. Auch wenn die Bundesregierung die finanziellen Mittel bereitstellt, waren nach Informationen des Spiegel bis zum 1. Juli lediglich 176 Anträge eingegangen, von denen 84 mit Kosten im Gesamtwert von 21 Millionen Euro genehmigt worden seien. (uf)

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