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Omikron oder Delta: Neuer PCR-Test aus Frankfurt erkennt Infektion und Variante

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Von: Pamela Dörhöfer

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PCR-Tests gelten als Goldstandard, um Infektionen mit dem Coronavirus festzustellen.
PCR-Tests gelten als Goldstandard, um Infektionen mit dem Coronavirus festzustellen. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Ein Unternehmen aus Frankfurt entwickelt ein einstufiges Corona-Testverfahren. Es soll Zeit einsparen und weniger fehleranfällig sein

Frankfurt – Wenn es um die Bestimmung der Variante in einer positiven Probe geht, ist in den meisten Fällen ein aufwendiges Prozedere notwendig. Denn ein positives Ergebnis gibt nicht automatisch Auskunft darüber, mit welcher Variante – aktuell wäre das die Omikron-Variante oder die Delta-Variante – sich jemand infiziert hat.

Dafür muss in einem gesonderten Verfahren das Virusgenom untersucht werden; dass in Deutschland lange Zeit nur eine sehr geringe Anzahl von Proben genetisch sequenziert wurde, war in der Vergangenheit schon häufiger Gegenstand der Kritik von Fachleuten.

Corona: PCR-Test des Frankfurter Unternehmens GenXPro liefert schnelles Ergebnis

Ein Frankfurter Unternehmen hat nun einen PCR-Test auf den Markt gebracht, der beide Schritte in einem erledigt: Er ist so aufgebaut, dass er gleichzeitig feststellen kann, ob Corona-Viren in relevanter Menge in einer Probe enthalten sind – und ob es sich um Omikron oder Delta handelt. Das Ergebnis soll nach einer bis eineinhalb Stunden vorliegen. Seit kurzem kann der Test zudem die BA.2-Variante detektieren, die inzwischen in mehreren Ländern aufgetaucht und insbesondere in Dänemark stark vertreten ist. Bei BA.2 handelt es sich um eine Sublinie von Omikron, über deren Infektiosität und krankmachenden Eigenschaften man bislang noch nicht viel weiß. Laut israelischem Gesundheitsministerium gibt es aber derzeit keine Hinweise, dass sie sich anders als Omikron verhält.

Sollten noch weitere Varianten auf der Bildfläche erscheinen, so lasse sich der Test auch auf diese Viren leicht umstellen, sagt Björn Rotter, wissenschaftlicher Leiter von GenXPpro, von der das neue einstufige PCR-Verfahren stammt. „Ein herkömmlicher PCR-Test leistet nur das Screening, das heißt, er stellt fest, ob Corona-Viren in einer Probe zu finden sind“, erklärt der Molekularbiologe. Für die Variantenbestimmung müssten dann zunächst erst wieder die positiven Proben herausgesucht werden, meist von Hand. „Das ist kostspielig, umständlich, fehleranfällig und dauert oft viele Tage bis hin zu Wochen“, sagt Rotter. Ein „relevanter Vorteil“ des Tests sei, dass er die Kapazitäten „sofort erhöht, da er das umständliche und fehleranfällige Heraussuchen der Proben erspart und die zusätzlichen PCRs, die oft auch nur mit halb beladenen Maschinen laufen, überflüssig macht“.

Eine schnelle Variantenbestimmung sieht der Frankfurter Wissenschaftler zudem aus mehreren Gründen als wichtig an: „So erhält man ein umfassendes Bild, wie eine Variante sich verbreitet, und kann außerdem eine möglicherweise erforderliche Behandlung sofort darauf abstimmen.“ Denn wenn sich jemand mit einem Risiko für einen schweren Verlauf mit Omikron infiziert hat, helfen einige der zur Therapie eingesetzten teuren monoklonalen Antikörper nicht mehr – weil sie auf der Immunantwort gegen das ursprüngliche Corona-Virus basieren, der sich Omikron aufgrund seiner vielen Mutationen größtenteils entziehen kann.

PCR-Test von GenXPro: Keine Reaktion beim RKI

Die GenXPro GmbH ist ein kleines, seit 15 Jahren bestehendes und im Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie angesiedeltes Unternehmen mit 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, das auf hochmoderne genetische Sequenzierungsmethoden und dort vor allem auf RNA-Analysen spezialisiert ist. „Wir machen viel Auftragsforschung im Bereich Präzisionsmedizin, die auf RNA-Analytik basiert“, sagt Rotter, der einer der Mitgründer des Unternehmens ist. Hauptsächlich geht es dabei um Verfahren, die bei zielgerichteten Therapien von Krebs eine wichtige Rolle spielen.

Das Genom von Sars-CoV-2 und dessen Analytik habe man durch eine „kleine Kollaboration“ mit der Arbeitsgruppe von Sandra Ciesek, der mittlerweile bundesweit bekannt gewordenen Virologin an der Frankfurter Uniklinik, zu Beginn der Pandemie „sehr genau kennengelernt“. Der Test von GenXPro wird laut Rotter bereits in verschiedenen Laboren unter anderem in Deutschland, USA, Österreich, Tschechien, Griechenland, Spanien, Kuwait und den Arabischen Emiraten eingesetzt. Die Validierung – der Nachweis, dass ein Produkt so wie vom Hersteller versprochen funktioniert – werde vor Ort in den Laboren selbst erbracht. Auch dem Robert Koch-Institut habe man den Test vorstellen wollen, sagt Rotter, von dort aber bislang keine Rückmeldung erhalten. (pam)

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