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Corona: Der beste und der schlimmste Fall

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Von: Pamela Dörhöfer

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Fotomontage: Pfeil, der nach oben führt, Impfausweis, Maske, Corona-Test, Omikron Subtyp BA.2 steht im Vordergrund geschrieben. (Symbolbild)
Die WHO stellt verschiedene Szenarien vor, in welche Richtung sich die Pandemie entwickeln könnte. (Symbolbild) © Imago/Christian Ohde

Die WHO skizziert Best- und Worst-Case der Corona-Pandemie für die Zukunft. Von hoch infektiösen Varianten bis zu milden Wellen im Winter scheint noch alles möglich.

Frankfurt – Die gute Nachricht zuerst: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht es als wahrscheinlich an, dass das Corona-Virus für die meisten Menschen harmloser wird. Die Gesundheitsbehörde der Vereinten Nationen hat am Mittwoch (30.03.2022) einen Plan zur Beendigung der pandemischen Notlage vorgestellt und dabei mögliche Szenarien aufgezeigt, wie sich die Pandemie 2022 weiter entwickeln könnte. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus äußerte zugleich die Hoffnung, dass dies der dritte und letzte Notfallplan für Covid-19 sein wird.

Auf Basis des heutigen Wissensstandes spricht nach Ansicht der WHO demnach vieles dafür, dass die Schwere der durch Sars-CoV-2 verursachten Krankheit im Laufe der Zeit weiter abnimmt, weil immer mehr Menschen durch Impfung und überstandene Infektionen eine Immunität aufgebaut haben. „Im besten Fall können wir weniger schwere Varianten sehen, und Booster oder neue Formulierungen werden nicht notwendig sein“, skizzierte Tedros Adhanom Ghebreyesus das Best-Case-Szenario.

Es könne aber auch weiterhin noch periodisch zu einem Ansteigen von Infektionen und Todesfällen kommen, die dann „gelegentliche Auffrischungsimpfungen“ für Risikogruppen erforderlich machen würden. Auch saisonal wiederkehrende Corona-Wellen in den gemäßigten Klimazonen hält die WHO für möglich. Bekannt sind solche Wellen auch bei sämtliche Erkältungskrankheiten, die im Herbst und Winter in unseren Breiten häufiger auftreten als in den wärmeren Jahreszeiten (wo sie allerdings auch nie gänzlich verschwinden). Die meisten Fachleute sind sich allerdings darin einig, dass sich das Coronavirus nicht so radikal saisonal verhält wie die Grippeviren, die alljährlich um den Globus reisen und in den verschiedenen Klimazonen jeweils nur während bestimmter Monate auftreten.

Corona-Pandemie – Wie können sich verschiedene Mutationen auswirken?

Verschiedene Virolog:innen haben schon in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass im Laufe der Zeit Erreger von Atemwegsinfekten wie Sars-CoV-2 zwar häufig ansteckender, gleichzeitig aber auch weniger krankmachend werden – weil das ihnen einen Vorteil bringt und sie sich auf diese Weise besser verbreiten können. Eine Vermutung, die sich durch das Auftauchen der hoch infektiösen, aber weniger pathogenen Omikron-Variante bereits bestätigt zu haben scheint.

Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass der Weg doch zu einer Variante führt, die ähnlich schwere Verläufe verursacht wie die Delta-Variante (oder noch schwerere)– und dann schlimmstenfalls genauso ansteckend ist wie die Coronaviren der Omikron-Variante, die in dieser Hinsicht mittlerweile sogar das Masernvirus überholen. Das wäre das Worst-Case-Szenario, sagt Tedros Adhanom Ghebreyesus: „Im schlimmsten Fall entsteht eine virulentere und hochgradig übertragbare Variante. Gegen diese neue Bedrohung wird der Schutz der Menschen vor schwerer Krankheit und Tod, sei es durch vorherige Impfung oder Infektion, rapide abnehmen.“

Trete dieses (Horror)-Szenario ein, würde es eine „signifikante Änderung der derzeit verfügbaren Impfstoffe erfordern“, erklärt der WHO-Chef. Sämtliche derzeit verfügbaren Corona-Impfstoffe basieren noch auf dem ursprünglichen Wuhan-Typ des Coronavirus, die mRNA-basierten (Biontech/Pfizer, Moderna) und die bislang zugelassenen proteinbasierten Vakzine (in der EU Novavax) zudem nur auf dem Spike-Protein des Erregers, das sich als besonders anfällig für Mutationen gezeigt hat.

Corona-Pandemie – Das Virus hat „noch viel Energie übrig“

Ein Anpassen der Impfstoffe scheint allerdings auch bei der mRNA-Technologie nicht ganz so einfach zu sein wie anfangs gedacht. Immer noch testen die Hersteller Impfstoffe, die an die Omikron-Variante angepasst sind, zugelassen ist bislang keiner. Forschende arbeiten zudem an universellen Impfstoffen, die gegen verschiedene Varianten wirken und damit weniger anfällig für Mutationen des Virus sein sollen.

Sollten dann irgendwann solche neuen Impfstoffe zur Verfügung stehen, so Tedros Adhanom Ghebreyesus weiter, müsse zudem sichergestellt werden, dass jene Menschen sie bekommen, die am stärksten gefährdet sind, bei einer Infektion schwer zu erkranken. Nach heutigem Wissensstand sind das vor allem Ältere und Menschen mit starkem Übergewicht oder bestimmten Vorerkrankungen.

Weltweit ging die Zahl der Neuinfektionen laut WHO in der Vorwoche um 14 Prozent auf etwa zehn Millionen neue Fälle zurück. Allerdings weist die Organisation auch darauf hin, dass die Dunkelziffer hoch sein dürfte, da nicht mehr so häufig getestet wird. Weltweit wurden in der Vorwoche auch immer noch 45.000 Todesfälle gemeldet. Seit Beginn der Pandemie sind mehr als sechs Millionen Menschen an Covid-19 gestorben, auch hier könnte die tatsächliche Zahl weit höher liegen. Das Virus, sagte Maria Van Kerkhove, technische Leiterin der WHO, habe „noch viel Energie übrig“, wenn es jetzt ins dritte Jahr der Pandemie gehe. (Pamela Dörhöfer)

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