Coronavirus Sars-CoV-2

Studien machen Hoffnung: Remdesivir zeigt Wirkung bei Covid-19-Patienten

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Zu möglichen Medikamenten gegen eine Infektion mit dem Coronavirus liegen erste Erkenntnisse vor – ein Malariamittel hat jedoch tödliche Nebenwirkungen.

  • Fieberhaft wird nach einem wirksamen Medikament gegen Covid-19* gesucht.
  • Zwei Wirkstoffe stehen aktuell im Fokus.
  • Beim Wirkstoff Remdesivir sind nun erste Erfolge zu verzeichnen.

Solange es keinen Impfstoff gegen Covid-19 gibt, richten sich alle Hoffnungen darauf, ein wirksames Medikament zu finden. Da die Zeit drängt, testet man derzeit vor allem bereits vorhandene Arzneimittel, die zur Behandlung anderer Krankheiten entwickelt wurden. Zwei mögliche Therapien stehen besonders im Fokus des öffentlichen Interesses: das Virostatikum Remdesivir, das als Wirkstoff gegen Hepatitis C und Ebola gedacht war, aber jeweils nicht den erwünschten Erfolg zeigte, sowie die Malariamittel Chloroquin und Hydroxychloroquin.

Corona-Pandemie: Covid-19-Patienten wurden mit Remdesivir behandelt

Zu beiden Ansätzen liegen mittlerweile Erfahrungen vor, wenngleich erst auf Basis weniger Daten. Sie fallen unterschiedlich aus. So führte die Behandlung von Covid-19-Patienten mit Remdesivir in den USA in den meisten Fällen zu einer deutlichen Besserung. Das antivirale Mittel, das die Vermehrung der Viren hemmen soll, besitzt nach Einschätzung vieler Experten mit das größte Potenzial, die Infektion günstig zu beeinflussen. Der Hersteller, der kalifornische Pharmakonzern Gilead Sciences, hat es seit dem 25. Januar für Heilversuche zur Verfügung gestellt. Bisher sollen weltweit knapp 2000 Menschen damit behandelt worden sein.

Zwei Kliniken aus den USA berichten jetzt von Erfolgen bei Heilversuchen mit Remdesivir. Am Cesars-Sinai Medical Center in Los Angeles hatten 53 schwer Erkrankte das Mittel bekommen. Laut einer Veröffentlichung im New England Journal of Medicine besserte sich bei 68 Prozent der Patienten der Zustand im Durchschnitt 18 Tage nach der ersten Gabe von Remedesivir (es wird injiziert). Allerdings kam es bei acht Patienten zu einer Verschlechterung, sieben von ihnen starben.

Corona-Pandemie: Zulassung von Remdesivir zur Therapie von Covid-19 möglich

An der University of Chicago wurden laut einem Bericht in der „New York Times“ 113 ebenfalls schwer erkrankte Covid-19-Patienten mit Remdesivir behandelt, fast alle sollen nach nicht einmal einer Woche wieder entlassen worden sein, lediglich zwei starben. Sollte sich das Virostatikum in weiteren Studien als sicher und wirksam bewähren, könnte es als erstes Medikament eine Zulassung zur Therapie von Covid-19 erhalten. Diana Brainard, Studienleiterin der University of Chicago, bleibt trotz des Erfolgs abwartend: „Niemand trinkt jetzt Champagner“, sagte sie der New York Times. Und auch wenn Remdesivir die Zulassung erhalten sollte, dürfte es noch Monate dauern, bis es einer großen Zahl von Patienten zugute kommen kann. Denn seine Produktion erfordert laut New York Times komplexe Techniken.

Weniger Positives gibt es von Studien mit dem alten Malariamittel Chloroquin zu berichten. Vor allem US-Präsident Donald Trump* hatte es zunächst als möglichen Durchbruch gepriesen, ist dann aber auf Hydroxychloroquin umgeschwenkt und hat Millionen Dosen davon geordert. Auch in anderen Ländern werden Chloroquin und sein Derivat Hydroxchloroquin als Therapeutika bei Covid-19 getestet. Die alten Mittel zur Prophylaxe und Behandlung von Malaria schienen deshalb vielversprechend, weil sie lange auf dem Markt eingeführt sind und insbesondere Hydroxychloroquin als sicher gilt.

Corona-Pandemie: In Brasilien mussten Studien abgebrochen werden

Früh hatte bereits eine erste Studie aus Frankreich auf einen positiven Effekt bei Covid-19 hingedeutet. In belgischen und südkoreanischen vorläufigen Behandlungsrichtlinien wird der Einsatz beider Substanzen bei Covid-19-Patienten im Krankenhaus empfohlen, auch die US-amerikanische Behörde Food and Drug Association (FDA) erlaubte im Eilverfahren die Anwendung (was jedoch von ehemaligen Mitarbeitern scharf kritisiert wurde). Neue Untersuchungen sorgen allerdings für einen Dämpfer. So musste in Brasilien eine klinische Studie abgebrochen werden, weil es bei mehreren Patienten zu tödlichen Herzrhythmusstörungen oder Herzmuskelschaden gekommen war. Die Mediziner hatten in ihrer Studie Chloroquin in Kombination mit dem Antibiotikum Azithromycin verwendet.

Fritz Sörgel, Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg, vermutet, dass die schweren Nebenwirkungen in Brasilien etwas mit der verwendeten hohen Dosis zu tun haben und mit der Tatsache, dass Chloroquin und nicht das besser verträgliche Hydroxychloroquin eingesetzt wurde. Das Nürnberger Institut begleitet in Deutschland Heilversuche und Studien zu Remedesivir, Chloroquin und Hydroxychloroquin sowie anderen potenziellen Mitteln gegen Covid-19 mit Wirkstoff-Messungen. In einer so hohen Dosis wie jetzt bei Covid-19 sei Choroquin bislang nicht angewendet worden, sagt Sörgel. „Deshalb ist das Monitoring so wichtig.“ Zudem seien Menschen, die es zur Prophylaxe und Therapie von Malaria einnehmen, oft jünger und gesünder als Covid-19-Patienten, bei denen jetzt immer mehr Organschäden bekannt werden, die nicht auf die Lunge beschränkt sind. Auch geht Sörgel davon aus, dass die Malariamittel in Brasilien in einem zu späten Krankheitsstadium gegeben wurden. In Deutschland werde Hydroxychloroquin an weniger kranken Patienten in Heilversuchen und Studien eingesetzt.

Corona-Pandemie: Vorsicht im Umgang mit Malariamittel

Gleichwohl mahnt Sörgel zur Vorsicht im Umgang mit den Malariamitteln. „Gerade beim Heilversuch kann man nicht ohne Kenntnis der Konzentration im Blut – also im Blindflug – arbeiten.“ Für die Zukunft werde es wichtig sein, Virostatika zu entwickeln, „die ähnlich wie ein Breitbandantibiotikum mehrere Viren erwischen können.“ Dann wäre man nicht mehr so unvorbereitet wie bei Sars-CoV-2 – denn mit dem Auftreten weiterer neuer Viren ist zu rechnen.

Von Pamela Dörhöfer

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Rubriklistenbild: © picture alliance/AP Photo

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