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Coronavirus

Omikron-Variante: Fragen und Antworten zu B.1.1.529

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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Die vierte Corona-Welle in Deutschland flacht zwar etwas ab, doch die Omikron-Variante gibt Anlass zur Sorge. Was bisher über B.1.1.529 bekannt ist.

Frankfurt – Die Variante Omikron des Coronavirus verbreitet sich rasant auf der ganzen Welt. Seit dem 29. November 2021 stuft die Weltgesundheitsorganisation das Risiko durch B.1.1.529 als „sehr hoch“ ein. Die Variante an sich bezeichnet die WHO als „besorgniserregend“ – ein Signal, dass sie ansteckender sein oder zu schwereren Krankheitsverläufen führen könnte. Bekannt ist, dass selbst Genesene und Geimpfte keinen optimalen Schutz vor Omikron haben. Der für das Virus empfängliche Teil der Bevölkerung dürfte sich damit im Vergleich zur Lage mit der Delta-Variante erheblich vergrößern, schätzen Expert:innen.

Vieles ist zur Corona-Variante Omikron noch unbekannt – zumindest deutlich mehr als bislang bekannt ist. Fast täglich erscheinen neue Erkenntnisse. Hier sind die wichtigsten Informationen in Form von Fragen und Antworten aufgelistet.

Was macht die Corona-Variante Omikron besonders?

Die Omikron-Variante weist mehr als 50 Mutationen auf, davon betreffen allein 32 das sogenannte Spike-Protein, mit dem das Virus an menschlichen Zellen andockt. Das Problem ist, dass die bisherigen Corona-Impfstoffe auf das Spike-Protein des Virus vom Pandemiebeginn ausgerichtet sind. Verändert sich ein Virus so, dass Antikörper von Genesenen und Geimpften weniger gut ansprechen, nennen Fachleute dies Immunflucht.

Des Weiteren gebe es Hinweise, unter anderem aus genetischen Analysen, dass die Omikron-Variante per se ansteckender sei als Delta, sagt Modellierer Dirk Brockmann von der Humboldt-Universität Berlin. Allein die Immunflucht könne die Wachstumsraten nicht erklären.

Welchen Schutz haben Geimpfte noch vor Omikron?

Der Schutz vor einer schweren Erkrankung dürfte auch bei Omikron erhalten bleiben, mutmaßen viele Expert:innen. „Daten, die das sicher belegen, fehlen aber noch“, sagt Jana Schroeder. Bisherige Labortests deuten darauf hin, dass mit der Variante Infektionen bei Geimpften drohen. Omikron dürfte eher die erste Abwehrlinie – die Antikörper – überwinden können. Das Immunsystem Geimpfter hat aber noch weitere Mittel, sich zur Wehr zu setzen.

Der Schutz vor einer Weitergabe des Coronavirus durch Geimpfte dürfte bei Omikron erheblich beeinträchtigt sein, erwartet Schroeder. Gerade Menschen, die erst zweifach geimpft sind, dürften sich nicht in zu großer Sicherheit wiegen und auf regelmäßiges Testen verzichten. „Am besten wäre es, wenn sich die Menschen so vorsichtig verhalten würden wie zu Pandemiebeginn, als es noch keinen Impfstoff gab.“

Corona-Impfstoffe: Wie sehen die Ergebnisse zur Omikron-Variante konkret aus?

Die Impfstoff-Hersteller Biontech/Pfizer werteten zwei Dosen als nicht ausreichenden Schutz vor einer Infektion. Eine Bevölkerungsstudie aus Großbritannien ergab, dass die Wirksamkeit gegen eine symptomatische Infektion mit Omikron 15 Wochen nach der zweiten Dosis Biontech auf 34 Prozent sinkt. Menschen, die mit zwei Dosen des Vakzins von Astrazeneca geimpft worden waren, hatten keinen Schutz mehr vor einer symptomatischen Infektion. Zwei Wochen nach einer Booster-Impfung stieg die Wirksamkeit bei beiden Mitteln gegen Omikron auf über 70 Prozent.

Was bringt die Booster-Impfung gegen Omikron?

Mit der Auffrischungsimpfung können Antikörperspiegel zum Schutz vor einer Ansteckung zwar wieder angehoben werden, perfekt ist er nach bisherigen Erkenntnissen aber nicht. Es sind bereits Omikron-Fälle bei dreifach Geimpften bekannt. Die Virologin Sandra Ciesek von der Uniklinik Frankfurt warnt daher, dass eine Konzentration auf die Booster-Kampagne nicht reichen werde, auch weil der Schutz wieder nachlasse.

Corona-Pandemie: Wie sehr ist die Omikron-Variante schon verbreitet?

„Omikron breitet sich mit einer Geschwindigkeit aus, die wir bei keiner vorherigen Variante gesehen haben“, sagt Tedros Adhanom Ghebreyesus, Chef der WHO, am Dienstag (14.12.2021) in Genf. Laut WHO haben 77 Länder Nachweise der Corona-Variante gemeldet. Vermutlich sei Omikron jedoch bereits in den meisten Ländern, nur noch unerkannt. Zum Beispiel in Südafrika und Großbritannien werden deutliche Anstiege der Fallzahlen auf Omikron zurückgeführt.

Die Omikron-Variante des Coronavirus war zuerst in Südafrika nachgewiesen worden. (Symbolbild)

In Deutschland scheint die Verbreitung der Omikron-Variante nach den aktuellsten verfügbaren Daten noch sehr gering zu sein, aber es werden auch längst nicht alle positiven Proben auf Varianten untersucht. Außerdem gibt es einen Zeitverzug bei der Auswertung. Laut Robert-Koch-Institut hat die Delta-Variante noch deutlich die Oberhand. Insgesamt waren bis zum 07. Dezember 2021 knapp 30 Nachweise durch vollständige Erbgutanalysen verzeichnet. 36 Verdachtsfälle kamen hinzu. Der Anteil der Fälle, für die eine Gesamtgenomsequenzierung gemacht wurde, ist laut RKI jedoch zuletzt kontinuierlich gesunken. Er lag jüngst mit zwei Prozent klar unter den angestrebten fünf Prozent.

Omikron-Variante: Welche Entwicklung wird angenommen?

In Großbritannien nehmen Experten eine Verdopplung der Fallzahlen alle zwei bis drei Tage an, womöglich sogar noch schneller. Die EU-Behörde ECDC geht davon aus, dass Omikron im Januar oder Februar in Europa dominieren könnte. Und laut deutschen Expert:innen wie Sandra Ciesek oder Dirk Brockmann ist die Verbreitung der Corona-Variante Omikron nicht mehr aufzuhalten, sondern nur noch zu verlangsamen.

Beim geboosterten Teil der Bevölkerung sei die Übertragungswahrscheinlichkeit zwar verringert, jedoch nicht auf Dauer. Bei allen anderen Menschen könne der Erreger übertragen werden, auch „weil die erste und zweite Impfung praktisch nicht wirksam sind, was die Ausbreitungsdynamik angeht“, sagt Brockmann.

Omikron-Variante: Was muss man für Deutschland noch bedenken?

Was Deutschland von beispielsweise Großbritannien und anderen Ländern unterscheide, seien die geltenden Corona-Maßnahmen, sagt Jana Schroeder. „Wir lassen dem Virus im Moment nicht freien Lauf.“ Die Vorzeichen hält sie derzeit dennoch für problematisch: Die Gesundheitsämter seien bei der Kontaktnachverfolgung in der laufenden Delta-Welle bereits am Limit, auch Laborergebnisse ließen teils länger auf sich warten. „Wenn in dieser Situation noch eine neue, ansteckendere Variante wie Omikron hinzukommt, kann man diese nicht so effektiv eindämmen wie in einer Zeit mit niedriger Inzidenz.“

Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz kritisiert den Wegfall der Corona-Testpflicht für Dreifach-Geimpfte bei Zugangsregeln. Damit werde gewissermaßen der „Infektionsradar“ abgeschaltet. „Dabei wissen wir, dass Infektionen den Krankenhausaufnahmen vorausgehen.“ Dieser Schritt vor den Weihnachtstagen mit mehr Kontakten sei brandgefährlich. Hinzu komme, dass die Corona-Daten über die Feiertage wegen Meldeverzugs und geschlossener Arztpraxen wie im Vorjahr eine Zeit lang wenig aussagekräftig sein dürften.

Corona: Wie schwer verlaufen Infektionen mit Omikron?

Wie schwer der Krankheitsverlauf infolge einer Infektion mit der Omikron-Variante ist, lässt sich für Deutschland noch nicht beantworten. In Südafrika gibt es erste Beobachten über relativ milde Verläufe. Expert:innen gehen jedoch nicht davon aus, dass es sich dabei um eine Eigenschaft des Virus handelt. Die Angaben stützen sich auf relativ geringe Fallzahlen bei eher jüngeren Betroffenen. Hinzu kommt, dass die meisten Menschen in Südafrika bereits als von Corona genesen gelten. „Wenn sich das klinische Profil der Patienten ändert, kann sich die Wirkung von Omikron ändern“, hält die WHO fest.

Für eine relativ alte Gesellschaft mit vielen Ungeimpften, wie beispielsweise in Deutschland, kann das Bild somit anders ausfallen als in Südafrika. Britische Expert:innen betonten zudem, dass viele Infektionen erst vor recht kurzer Zeit geschahen, aber es brauche ja einige Zeit bis zur Krankenhauseinweisung oder dem Tod. Selbst falls Omikron weniger schwer krank machen sollte, so könnte die schiere Zahl der Fälle unvorbereitete Gesundheitssysteme überfordern, mahnte die WHO.

Ist Omikron ansteckender als bisherige Corona-Varianten?

Die ersten Daten aus Südafrika und Großbritannien gehen bei der Übertragung der Omikron-Variante von einer Zuwachsrate von 25 Prozent aus. Das würde etwa einer Verdopplung alle vier Tage entsprechen. Laut Anthony Fauci, dem führenden US-Experten für Infektionskrankheiten, deuteten erste Studien darauf hin, dass die Omikron-Variante wahrscheinlich einen höheren Grad der Übertragbarkeit aufweise, jedoch weniger schwerwiegend sei.

Erkennen Corona-Tests die Omikron-Variante?

Laut Erkenntnissen der Ständigen Impfkommission können die herkömmlichen Corona-Tests die Omikron-Variante nachweisen. Der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens sprach Anfang Dezember von einer sehr guten Nachricht. Jetzt müsse man herausfinden, wie die Krankheit zum Beispiel bei älteren und vorerkrankten Menschen verläuft, so Mertens. Es werde dauern, bis es hier Klarheit gebe.

Omikron ist mit einem Corona-Test relativ leicht von der derzeit vorherrschenden Delta-Variante zu unterscheiden. Im Gegensatz zur Delta-Variante hat das neue Virus eine Veränderung, die als „S-Gen-Ausfall“ bekannt ist.

Wie steht es um Kinder, wenn sie sich mit Omikron infizieren?

Auch zu Infektionen bei Kindern lässt sich noch nichts Gesichertes sagen. Erste Berichte über schwere Verläufe bei kleinen Kindern sind deutschen Fachleuten zufolge noch als vorläufig zu betrachten. Auch bei früheren Corona-Varianten habe es anfangs ähnliche Berichte gegeben, die sich dann nicht bewahrheiteten. Der Virologe Christian Drosten sagt, er erwarte nicht, dass Omikron für Menschen, deren Immunsystem weder durch Impfung noch durch Infektion auf Sars-CoV-2 vorbereitet ist, harmlos sei.

Wie ist die Situation in Südafrika, wo die Omikron-Variante entdeckt wurde?

Die vierte Welle an Corona-Infektionen hat Südafrika im Griff. Die Regierung hat nun Booster-Impfungen erlaubt. Epizentrum des Infektionsgeschehens ist die Provinz Gauteng: der Großraum um die Millionenmetropole Johannesburg sowie die Hauptstadt Pretoria. Mit den Sommerferien, die viele Bewohner der ökonomisch und politisch wichtigsten Region aktuell an den Stränden des Landes verbringen, steigen die Fallzahlen auch dort deutlich. Betroffen sind insbesondere die Provinz KwaZulu-Natal um die Hafenstadt Durban sowie das Westkap um Kapstadt.

Was raten Fachleute gegen die Omikron-Variante?

Wissenschaftler:innen sowie die WHO geben das Ziel an, die Welle flach zu halten. Auf die Kombination von Corona-Maßnahmen komme es an: „Macht alles. Macht es konsequent. Macht es gut“, sagt WHO-Chef Ghebreyesus in etwa. Das Impfen allein werde kein Land aus dieser Krise bringen. Es brauche zusätzlich etwa Maßnahmen wie Masken, Abstand, Lüften, Handhygiene. Mehrere Fachleute halten an Omikron angepasste Impfstoffe für nötig. Deutsche Expert:innen wie Sandra Ciesek riefen am Mittwoch (15.12.2021) zu schnellem, vorsorglichem Handeln auf. Man müsse auf alle möglichen Szenarien vorbereitet sein. Auch auf den Worst Case, zum Beispiel eine steigende Auslastung der Krankenhäuser. (lrg/dpa)

Rubriklistenbild: © Denis Farrell/dpa

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