1. Startseite
  2. Wissen

Omikron-Variante „BA.2“: So leicht überträgt sich Subtyp

Erstellt:

Von: Pamela Dörhöfer

Kommentare

Das Coronavirus ist mutationsfreudig und wartet mit ständig neuen Varianten auf. Die meisten setzen sich jedoch nicht durch. Getty
Das Coronavirus ist mutationsfreudig und wartet mit ständig neuen Varianten auf. Die meisten setzen sich jedoch nicht durch. © Getty Images

Der Subtyp der Omikron-Variante ist mittlerweile in 57 Ländern angekommen. In Dänemark, Indien und einigen weiteren Ländern dominiert BA.2 das Infektionsgeschehen.

Frankfurt – Ob Alpha, Beta, Gamma oder Delta: Rund um den Globus hat Omikron andere Varianten von Sars-CoV-2 verdrängt. Weltweit entfallen derzeit auf Omikron – auch BA.1 genannt – knapp 99 Prozent aller sequenzierten Proben, die der Wissenschaftsplattform Gisead gemeldet wurden. Nun beginnt sich allerdings eine genetisch enge Verwandte von Omikron in einigen Ländern stark auszubreiten: BA.2 ist ein Subtyp der Corona-Variante Omikron und mit dieser vermutlich etwa zur gleichen Zeit entstanden. Daneben gibt es mit BA.3 noch eine weitere Omikron-„Schwester“, die sich bislang aber nicht durchsetzen konnte.

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ist BA.2 mittlerweile in 57 Ländern angekommen. In Dänemark, Indien, Nepal, Katar und auf den Philippinen soll sie laut der Nachrichtenagentur Reuters bereits vorherrschend sein. In Europa hat Dänemark eine exponierte Stellung, was BA.2 angeht. Dort sollen 82 Prozent der sequenzierten coronapositiven Proben auf ihr Konto gehen. In Großbritannien wurde BA.2 in neun Prozent der sequenzierten Proben nachgewiesen. In Deutschland ist der Anteil laut Robert Koch-Institut derzeit noch sehr gering, in der zweiten Januarwoche lag er demnach bei 2,3 Prozent (in der ersten bei 1,4 Prozent).

Corona: BA.2 ist noch einmal leichter übertragbar als Omikron

Wie ist BA.2 einzuordnen? Die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen und Beobachtungen deuten darauf hin, dass BA.2 noch einmal leichter übertragbar ist als die Omikron-Variante, die bereits wesentlich ansteckender war als die Vorgängerinnen. Es sieht aber nicht danach aus, dass BA.2 krankmachender ist als die Omikron-Variante, die im Schnitt zu milderen Verläufen als die zuvor dominierende Delta-Variante führt. Auch gibt es keine Hinweise, dass die Wirksamkeit der Impfstoffe bei BA.2 schlechter ist als bei Omikron, die allerdings bereits selbst als Variante mit der Fähigkeit zur Immunflucht gilt.

Noch unklar ist, wie gut die bei einer früheren Infektion mit Omikron gebildeten Antikörper und T-Zellen BA.2 abwehren. Gegenüber Reuters weist der Infektiologe Egon Ozer von der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago darauf hin, dass es in Dänemark in einigen Orten mit hohen Omikron-Fallzahlen auch zu einem Anstieg der BA.2-Infektionen kam.

Studie aus Dänemark liefert Daten zur höheren Übertragbarkeit von BA.2

Aus Dänemark kommen auch die bisher umfassendsten Daten zur höheren Übertragbarkeit von BA.2. So fanden Forschende der Universität Kopenhagen, des Gesundheitsministeriums und des Statens Serum Instituts heraus, dass ungeimpfte, mit BA.2 Infizierte sämtliche Mitglieder eines Haushalts leichter als bei einer Omikron-Infektion ansteckten – unabhängig davon, ob diese ungeimpft, doppelt geimpft oder geboostert waren. Allerdings gaben Geimpfte und Geboosterte ihrerseits die Infektion (gleich ob mit Omikron oder BA.2) sehr viel seltener weiter. Die noch nicht unabhängig begutachtete, auf medRxiv veröffentlichte Studie basiert auf den Daten von 8541 Infektionen, die sich in Haushalten ereignet haben. Das Resümee lautet, dass BA.2 von Natur aus „wesentlich übertragbarer“ ist als Omikron und ebenfalls „Immunflucht-Eigenschaften besitzt, die die schützende Wirkung der Impfung gegen Infektionen weiter reduzieren, aber die Übertragbarkeit durch geimpfte Personen mit Durchbruchsinfektionen nicht erhöhen“.

Auch Christian Drosten, Chefvirologe der Berliner Charité, deutet die vorliegenden Daten so, dass BA.2 einen „Fitnessvorteil“ besitzen und übertragbarer sein könnte, wie er in seinem Podcast sagt: „Der Motor von BA.2 hat schon ein paar PS mehr.“

Beim US-amerikanischen Medizinmagazin „Stat“ stellt man sich indes die Frage, warum dann zunächst Omikron und nicht BA.2 den Zug rund um den Globus antrat – wo doch vermutet wird, dass beide zur gleichen Zeit entstanden sind. Ein „paar Superspreading-Ereignisse“ könnten Omikron einen Vorsprung verschafft und den Transport in andere Länder wahrscheinlicher gemacht haben, lautet eine Spekulation. Vielleicht sei es aber auch einfach „Zufall“ gewesen. Insgesamt wird der Wettbewerbsvorteil von BA.2 gegenüber Omikron aber als nicht so „dramatisch“ eingeschätzt wie der von Omikron gegenüber Delta. (pam)

Auch interessant

Kommentare