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Pandemie

Corona-Mutation: Das ist über die gefährliche Delta-Variante bekannt

  • Anna Charlotte Groos
    VonAnna Charlotte Groos
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In Großbritannien lässt die Corona-Variante Delta die Infektionszahlen wieder steigen. Doch wie sieht es in Deutschland aus und wie gut wirken die Impfungen? Ein Überblick.

Frankfurt/London – Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland gehen immer mehr zurück. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Freitag (11.06.2021) eine bundesweite Inzidenz von 18,6 – Ein neuer Tiefstwert. Doch wie lange bleibt das so, besonders im Hinblick auf die Verbreitung der Corona-Varianten?

Seit Beginn der Zirkulation von SARS-CoV-2 im Menschen erlangen die Coronaviren eine zunehmende Anzahl von Variationen innerhalb ihres Genoms, die in Varianten unterteilt werden. Eine dieser Corona-Varianten ist die Delta-Variante, B.1.617.2, die zuerst im indischen Bundesstaat Maharashtra gefunden wurde und sich dort schnell verbreitete. Auch in Europa ist diese Variante angekommen, wenn auch sehr unterschiedlich stark verteilt.

Corona-Pandemie: Ausbreitung der Delta-Variante in Großbritannien

Besonders in Großbritannien hat sich die Delta-Variante stark verbreitet. In Deutschland ist sie derzeit noch relativ selten. Am 7. Mai klassifizierte Public Health England sie als variant of concern (VOC), also als besorgniserregende Variante.

Die Corona-Inzidenz in Großbritannien lag nach einer schweren dritten Infektionswelle im Winter mit vielen Toten seit April 2021 um die 20. In der Wahrnehmung vieler hatte Großbritannien die Krise überwunden: Die Menschen gingen auf die Straße, feierten, jubelten. Seit Anfang Juni liegt die Zahl der täglichen Neuinfektionen bei den Briten jedoch plötzlich wieder bei meist über 5000 Neuinfektionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt damit wieder bei etwa 50 Neuinfektionen pro 100.000 Personen.

Grund ist wahrscheinlich die Corona-Mutante Delta. Sie hat sich in Großbritannien ausgebreitet und macht dort inzwischen den größten Teil der Neuinfektionen aus. Nach vorläufigen Zahlen soll die Delta-Variante mittlerweile für rund 73 Prozent der registrierten Infektionen verantwortlich sein, wie die Neue Züricher Zeitung berichtet. Und das, obwohl fast 80 Prozent der Menschen in Großbritannien einfach und fast 50 Prozent doppelt gegen das Coronavirus geimpft sind. Zum Vergleich: Knapp 23 Prozent der Menschen sind in Deutschland vollständig geimpft, also um die Hälfte weniger als in Großbritannien. Der Anteil von Delta-Varianten in untersuchten Laborproben betrug laut Robert-Koch-Institut (RKI) aber nur 2,5 Prozent.

Das Coronavirus und seine Varianten: Was genau ist die Delta-Variante?

Die Delta-Variante zeichnet laut RKI durch Mutationen aus, die mit einer reduzierten Wirksamkeit der Immunantwort in Verbindung gebracht werden. Außerdem durch Mutationen, die die Übertragbarkeit des Virus erhöhen könnten. Erste Laborexperimente und Daten von Beobachtungsstudien aus Großbritannien deuten darauf hin, dass derzeitige Impfungen etwas besser vor einer Infektion mit der Alpha-Variante als einer mit der Delta-Variante schützen. Die-Alpha Variante, B.1.1.7, dominierte zuvor in Großbritannien.

  • Die Corona-Varianten und ihre Namen
  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt ab sofort auf neutrale Bezeichnungen für die Varianten des Coronavirus. Zum einen soll dies die Kommunikation erleichtern. Zum anderen soll vermieden werden, Virusvarianten nach dem Land des ersten Nachweises zu benennen, um Stigmatisierung und Diskriminierung zu verhindern.
  • Alpha heißt die zuerst in Großbritannien aufgetauchte Variante B.1.1.7.
  • Beta lautet der Name für die in Südafrika entdeckte Variante B.1.351.
  • Gamma steht für die in Brasilien nachgewiesene Variante P.1.
  • Delta bezeichnet die zunächst in Indien gefundene Variante B.1.617.2.

Coronavirus: Wieso breitet sich die Delta-Variante trotz Impfungen aus?

Die schnelle Ausbreitung der Corona-Variante Delta in Großbritannien führt eine Risikoanalyse des britischen Gesundheitsministeriums hauptsächlich auf zwei Ursachen zurück. Erstens scheint die Übertragbarkeit von Delta größer zu sein als beim „Wildtyp“ der ersten Welle, also beim „ursprünglichen“ Coronavirus.

Auch scheint sich die Alpha-Variante, die in Großbritannien entdeckt wurde, langsamer zu verbreiten als die in Indien entdeckte Delta-Variante. Mit der Delta-Variante infizierte Menschen stecken offenbar mehr Menschen an. Delta-Fälle nehmen demnach zu, während sich die Alpha-Fälle reduzieren. Laborversuche lassen außerdem vermuten, dass sich die Viren der Delta-Variante stärker im Körper vermehren. Zweitens schützen die Corona-Impfungen offenbar nicht ganz so gut vor dieser Mutante.

Corona-Pandemie: Wie gut wirken Impfungen gegen die Delta-Variante?

Vor allem nach der ersten Impfung ist der Impfschutz bei einer Infektion mit der Delta-Variante wohl deutlich geringer vorhanden. Laut einer noch nicht gegengeprüften britischen Studie soll der Schutz dann nur noch bei knapp 34 statt bei rund 51 Prozent liegen, wie die Tagesschau berichtet.

Der Unterschied sei nach der zweiten Dosis nicht mehr so groß, aber immer noch vorhanden: Anstatt zu rund 93 Prozent schützt das Mittel von Biontech/Pfizer noch zu etwa 88 Prozent. Der Impfstoff Astrazeneca schützt demnach noch zu rund 60 anstatt 66 Prozent. Der Impfschutz ist also nach einer vollständigen Impfung noch recht gut. Die meisten Personen, die sich in Großbritannien mit der Delta-Variante infizieren, sollen überwiegend gar nicht oder nur einmal geimpft worden sein.

Es gibt bisher keine Daten dazu, ob neben dem Schutz vor einer Erkrankung auch die Wirksamkeit vor einer Übertragung oder vor schweren Verläufen durch eine vollständige Impfung reduziert ist.

Eine elektronische Tafel rät den Menschen in Bolton, England, sich zu isolieren und testen zu lassen, wenn sie Symptome des Coronavirus haben. In Großbritannien verbreitet sich besonders die gefährliche Delta-Variante rasant. (Symbolbild)

Corona-Pandemie: Welche Auswirkungen wird die Delta-Variante in Deutschland haben?

Eine realistische Einschätzung des zukünftigen Geschehens falle derzeit noch schwer, so der Virologe Christian Drosten in seinem NDR-Podcast Coronavirus-Update. Noch liegt die Inzidenz in den meisten Regionen Großbritanniens bei rund 50, teilweise auch unter 10. Angesichts der niedrigen Infektionszahlen in Großbritannien handele sich aktuell um „eine relativ beeinflusste, künstlich runtergebremste Situation“, so Drosten. Das mache aussagekräftige Voraussagen schwerer, anders als im Winter, als sich Alpha viel ausgedehnter in der Bevölkerung verbreiten konnte.

In Deutschland sinken die Infektionszahlen weiterhin und die Delta-Variante kommt hier kaum vor. Ändern könnte sich dies, wenn es mehr Ansteckungen mit der Delta-Variante gibt oder wenn die Variante von außen eingetragen wird. Laut Bundeskanzlerin Angela Merkel lasse sich die Ausbreitung der Delta-Variante in Deutschland wohl nicht verhindern, aber „entscheidend ist wann und unter welchen Bedingungen“, so Merkel, wie die Nachrichtenagentur Agence France-Presse berichtet. Auch die Frage, wie schnell Deutschland mit dem Impfen vorankommt, spielt eine bedeutende Rolle: „Wir sind im Grund in einem Wettlauf mit dem Impfen“, sagte die Bundeskanzlerin. Auch kündigte sie bereits Nachimpfungen für Herbst an.

Corona-Variante Delta: Kann die Ausbreitung verhindert werden?

Eine weitere Ausbreitung der Delta-Variante in Deutschland können möglicherweise auch durch derzeitige Reisebeschränkungen verhindert werden. Da die Delta-Variante andererseits aber auch als ansteckender gilt, wäre es naheliegend, dass sie sich auf lange Sicht trotzdem gegen die Alpha-Variante durchsetzen kann. Auch ohne neue Viruseintragung von außen.

Hans Kluge, der WHO-Regionaldirektor für Europa, geht davon aus, dass sich die Delta-Variante in Europa stark verbreiten wird, wie die Tagesschau berichtet. Ob die Delta-Variante aber auch zu schwereren Verläufen und mehr Erkrankungen führen wird, ist noch unklar. (Anna Charlotte Groos)

Rubriklistenbild: © Han Yan/imago-images

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