Massenschlachtung

Corona in Dänemark: Tötung aller Nerze gesetzeswidrig ‒ Schwächung von Impfstoff durch Mutation zweifelhaft

  • Marvin Ziegele
    vonMarvin Ziegele
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In Dänemark ist eine Coronavirus-Mutation aufgetreten. Eine angeordnete Keulung aller Nerze verstößt gegen das Gesetz. In der Region werden Maßnahmen wieder gelockert.

  • In Dänemark breitet sich eine mutierte Form des Coronavirus aus.
  • Der Ursprung: dänische Nerzfarmen, die für den Pelzhandel genutzt werden.
  • Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC warnt vor Folgen für künftige Impfstoffe.

+++ 19.26 Uhr: Die Corona-Maßnahmen in der dänischen Nerzregion Nordjütland werden teils wieder gelockert. Ab Montag (16.11.2020) dürfen die rund 280.000 Einwohner der sieben betroffenen Kommunen wieder über die kommunalen Grenzen fahren, nicht aber in andere Landesteile reisen. Der öffentliche Nahverkehr zwischen den Kommunen wird wiederaufgenommen, wie Gesundheitsminister Magnus Heunicke am Freitagabend (13.11.2020) auf einer Pressekonferenz in Kopenhagen bekanntgab.

Die Zahl der Coronavirus-Infektionen in den sieben Kommunen sei ebenso gefallen wie diejenige der von Nerzen stammenden Infektionen in der Region, sagte Heunicke. Von der als besorgniserregend eingestuften Cluster-5-Variante sei in den letzten beiden Wochen des Oktobers kein neuer Fall gefunden worden. Darüber hinaus werde damit gerechnet, dass der letzte Nerz in den Kommunen bereits kommenden Montag gekeult werde. Eigentlich hätten diese wie andere Beschränkungen bis zum 3. Dezember gelten sollen. Sie waren vor gut einer Woche eingeführt worden.

In Dänemark werden Millionen Nerze getötet, weil das Coronavirus bei ihnen mutierte und wiederum auf den Menschen übersprang. (Symbolbild)

Grund für die Beschränkungen war eine Virus-Mutation bei Nerzen - besagte Cluster-5-Variante. Sie ist bislang bei zwölf Menschen in Nordjütland nachgewiesen worden und könnte nach Angaben des dänischen Gesundheitsinstituts SSI Auswirkungen auf mögliche künftige Corona-Impfstoffe haben. Aus diesem Grund hat die Regierung die Tötung des gesamten Nerzbestandes im Land angeordnet - es geht um Millionen Tiere. Mehrere Experten zweifeln allerdings an, ob die Mutation wirklich kommende Impfmittel schwächen könnte. In Dänemark wird nun intensiv über die Massenkeulung der Pelztiere und das politische Vorgehen diskutiert.

Corona-Mutation in Dänemark: Massentötung aller Nerze gesetzeswidrig

Update vom Freitag, 13.11.2020, 15.15 Uhr: Im Kampf gegen die Ausbreitung einer mutierten Form des Coronavirus hat die dänische Regierung widerrechtlich die Massentötung aller Nerze im Land angeordnet. „Wir haben einen Fehler begangen“, räumte Landwirtschaftsminister Mogens Jensen inzwischen ein. Es gebe keine rechtliche Grundlage, Nerzzüchter außerhalb der Risikogebiete aufzufordern, ihre Tiere zu keulen.

Gleichzeitig rief Jensen die Züchter auf, die Notschlachtungen trotzdem wie geplant fortzusetzen. Ihre Kooperation sei die beste Hilfe, um die Gesundheit der Menschen zu schützen.

In Dänemark haben sich Menschen mit einer ursprünglich bei Nerzen aufgetretenen Variante des Coronavirus infiziert.

Auch Regierungschefin Mette Frederiksen entschuldigte sich am Dienstag für das Vorgehen. Auch in größter Eile müsse Klarheit darüber herrschen, wenn es für Maßnahmen ein neues Gesetz brauche, „und das war nicht der Fall“, sagte sie.

Einige Züchter in Dänemark weigern sich, ihre völlig gesunden Tiere zu keulen. Ein neues Gesetz zur Notschlachtung auch gesunder Tiere sollte eigentlich am Dienstag im Schnellverfahren durch das Parlament gebracht werden. Angesichts der Vorbehalte bei einer Mehrheit der Abgeordneten wird der Entwurf der sozialdemokratischen Minderheitsregierung nun aber wie gewöhnlich in drei Lesungen behandelt.

Virus-Mutation „Cluster 5“ beim Menschen bereits wieder verschwunden?

Die Virus-Mutation „Cluster 5“ wurde außer bei Nerzen auch bei insgesamt zwölf Menschen im Norden Jütlands gefunden. Seit Donnerstag dürfen deshalb die Einwohner der am schwersten betroffenen Gemeinden ihre Region nicht mehr verlassen. In den vergangenen Tagen wurden jetzt keine neuen Ansteckungen bei Menschen mehr entdeckt. Deshalb besteht die Hoffnung, dass der Virus-Stamm beim Menschen bereits wieder verschwunden ist.

Corona-Mutation bei Nerzen könnte Impfstoffe unwirksam machen

Erstmeldung: Kopenhagen – Mehr als 200 Menschen haben sich nachweislich mit der in Dänemark entdeckten Variante des Coronavirus infiziert. Bei einer davon, der sogenannten „Cluster 5“-Variante, befürchtet das dänische Gesundheitsinstitut SSI, dass diese Auswirkungen auf die Wirkung künftiger Corona-Impfstoffe haben könnte. Sie ist bislang bei zwölf Menschen in der Region Nordjütland nachgewiesen worden, weshalb die Regierung für weite Teile der Region strenge Corona-Maßnahmen erlassen hat. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC warnt angesichts der besorgniserregenden Lage der Nerze in Dänemark vor der Verbreitung von Coronavirus-Varianten bei den Pelztieren.

Corona-Mutation in Dänemark: Virus könnte Impfstoff-Wirkung gefährden

Falls das Virus in weitere Nerzfarmen eingeschleppt werde, könnte es sich schnell ausbreiten und zu zahlreichen Infektionen unter den Tieren führen. Da Nerze grundlegend andere biologische Strukturen besitzen als Menschen, könne das Virus in ihren Körpern schneller mutieren und dann wieder zurückübertragen werden, wie die Gesundheitsbehörde befürchtet. „Derzeit besteht eine hohe Unsicherheit und es sind weitere Untersuchungen hinsichtlich der Natur dieser Mutationen und ihren Auswirkungen auf Faktoren wie die Wirksamkeit von Impfstoffen, Neuansteckungen und die Ausbreitung/Schwere des Virus nötig“, erklärte die EU-Behörde.

Darüber hinaus könnte sich das „Cluster 5“-Virus auf die Wirksamkeit künftiger Impfstoffe auswirken. Falls die neuen Varianten eines Coronavirus sich weit in der Bevölkerung verbreiten, könnten die bisherigen Forschungen an Impfstoffen quasi obsolet sein. Die Bildung eines Virusreservoirs unter Nerzen könnte in der Zukunft zu problematischen Varianten führen. Um das Gesundheitsrisiko zu minimieren, sollten die nationalen Behörden in Europa erwägen, rund um die Nerzzucht Maßnahmen zu ergreifen, etwa Tests bei Menschen und Tieren, Infektionsprävention und Kontrollmaßnahmen.

Corona-Mutation „Cluster 5“: Dänemark lässt alle Nerze töten

Die dänische Regierung hatte Mitte vergangener Woche angekündigt, alle Nerze im Land schnellstmöglich töten zu wollen, weil das Coronavirus bei den Tieren mutiert sei und sich auf den Menschen übertragen habe. Es handelt sich um mehrere Millionen Tiere, deren Felle unter anderem für Pelzmäntel verwendet werden. Im Zuge der Massenkeulung der Nerze muss das weltweit größte Auktionshaus für Pelze, Kopenhagen Fur, schließen. 2021 sollen trotzdem Corona-freie Nerzfelle durch das Auktionshaus angeboten werden. Kopenhagen Fur ist im Besitz der dänischen Nerzzüchter. (Marvin Ziegele mit Agenturen)

Rubriklistenbild: © Diego AzubelZ/dpa

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