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Forschung

Long Covid: Wenn nach der Corona-Infektion die Kopfschmerzen bleiben

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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An Long Covid wird derzeit intensiv geforscht. Eine langfristige Begleiterscheinung können Kopfschmerzen sein.

Frankfurt – Kopf- und Gliederschmerzen sind unangenehme Begleiterscheinungen vieler Infektionskrankheiten. Bereits ein Schnupfen geht oft mit einem „dicken Schädel“ einher. So verwundert es nicht, dass Kopfschmerzen und Myalgien (Muskelschmerzen) auch bei Covid-19 zu den häufigsten Beschwerden gehören – die sich bereits zu einem frühen Zeitpunkt bemerkbar machen. Je nach Studie sollen zwischen 6,5 und 71 Prozent der Infizierten von derartigen Corona-Symptomen betroffen sein, das Mittel liegt zwischen 20 und 30 Prozent, wie Schmerzspezialist Andreas Straube, Oberarzt an der Neurologischen Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München, beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim sagte.

Anders als bei gewöhnlichen grippalen Infekten bleiben die bei Covid-19 auftretenden Kopfschmerzen nicht selten auch noch Wochen und Monate nach dem Abklingen der akuten Infektion bestehen. Je nach Studie hält das bis zu drei Monate an. Betroffen sind laut Straube knapp 38 Prozent der Patientinnen und Patienten. Allerdings kann auch eine Influenza mit monatelangen Nachwehen inklusive Kopfschmerzen verbunden sein, wie jüngst eine Studie der Oxford Universität ergab. Ebenso können Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus zu hartnäckigem Kopfweh führen, wenngleich vermutlich nicht so häufig wie bei Covid.

Corona: Kopschmerzen auch als Folge der Covid-Behandlung

Bei sehr schweren Verläufen von Covid-19 können die Kopfschmerzen zudem nicht nur als Folge der Krankheit selbst, sondern auch durch die instensivmedizinische Behandlung verursacht werden. Dieses in der Medizin lange bekannte Phänomen wird als „Critical illness neuropathy/myopathy“ (CINM) bezeichnet und geht auf die Schädigung oder Fehlfunktion einzelner Nerven zurück.

Anders als bei gewöhnlichen grippalen Infekten bleiben die bei Covid auftretenden Kopfschmerzen nicht selten auch noch Wochen und Monate nach dem Abklingen der akuten Infektion bestehen.

Ein großes Problem bei anhaltenden Schmerzen aller Art ist die Gefahr der Chronifizierung: Es bildet sich ein Schmerzgedächtnis aus, man empfindet Schmerz, auch wenn die eigentliche Ursache nicht mehr existiert. Wie man mittlerweile weiß, kann dieser Prozess der Chronifizierung bereits nach drei Monaten einsetzen.

Wie es zur Chronifizierung von Schmerzen nach Covid-19 kommt, war eine zentrale Frage beim Schmerzkongress. Dass es neben den akuten Schmerzen als direkte Krankheitsfolge von Covid-19 bei einem Teil der Patientinnen und Patienten auch zu langanhaltenden Beschwerden kommen kann, sei als Phänomen inzwischen „gut beschrieben“, sagt Straube. „Die Mechanismen, auf denen sie beruhen, sind jedoch noch weitgehend unklar.“

Corona-Infektion: Nach Covid-19 „anhaltender Kopfschmerz“

Der Kopfschmerzexperte verweist außerdem auf Studien, die zeigen, dass Menschen, die schon vorher an einem primären Kopfschmerz erkrankt waren, nach einer Corona-Infektion häufig über eine Verstärkung dieser Kopfschmerzen klagen. Besonders betroffen davon seien Patientinnen und Patienten mit Migräne. Einige Menschen wiederum entwickelten nach Covid-19 „einen neuen, bisher nicht bekannten, anhaltenden Kopfschmerz“.

Schmerzexpertinnen und -experten vermuten, dass für die akuten Schmerzen bei Covid-19 sowohl neuropathische – auf einer Schädigung oder Fehlfunktion von Nerven beruhende – als auch entzündliche Mechanismen verantwortlich sein könnten. Bekannt ist, dass Covid-19 sich auch auf das Nervensystem auswirken und die Erkrankung überdies zu massiven Entzündungreaktionen führen kann. Für die chronischen Formen von Kopfschmerzen nach Covid-19 werde in neueren Forschungsarbeiten eine Beteiligung des sogenannten Inflammasoms diskutiert, sagt Straube: „Dabei handelt es sich um einen Eiweißkomplex, der sich innerhalb von Zellen befindet und als Reaktion auf Krankheitserreger oder zellulären Stress aktiviert wird.“

Erforschung von Covid-bedingten Kopfschmerzen könnte neue Behandlungsansätze liefern

Das Inflammasom ist Teil des angeborenen Immunsystems, das (anders als das erworbene Immunsystem) als erstes und unspezifisch auf Eindringlinge reagiert. Dort veranlasst das Inflammason die Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen. Dieser Mechanismus spiele möglicherweise nicht nur beim Entstehen langanhaltender Kopfschmerzen nach Covid eine Rolle, sondern auch bei der Chronifizierung von primären – ohne erkennbare Ursache auftretenden – Kopfschmerzen.

„Es spricht einiges dafür, dass diese Kopfschmerzformen auf dieselben Mechanismen zurückzuführen sind“, sagte Straube. Der Mediziner hofft, dass sich mit der Erforschung von Covid-bedingten Kopfschmerzen neue Behandlungsansätze ergeben, die dann auch Menschen helfen, die ohne den Einfluss der Viruserkrankung an schlecht therapierbaren primären Kopfschmerzen leiden. (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © Robijn Page/imago

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