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Corona-Impfungen ohne Spritze: So funktioniert die Lebend-Impfung durch die Nase

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Von: Max Schäfer

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Nasenspray statt Spritze? Forschende arbeiten an Lebend-Impfstoffen gegen Corona, die durch die Nase verabreicht werden.
Nasenspray statt Spritze? Forschende arbeiten an Lebend-Impfstoffen gegen Corona, die durch die Nase verabreicht werden. (Symbolfoto) © Christin Klose/dpa

Christian Drosten hofft auf Impfungen durch die Nase als Meilenstein im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Aber was hat es damit auf sich?

Frankfurt – Die Omikron-Variante des Coronavirus beherrscht derzeit das Infektionsgeschehen in Deutschland und treibt die Fallzahlen in die Höhe. Dennoch geben sich Fachleute zuversichtlich, dass die Pandemie im Jahr 2022 bewältigt werden kann. So sieht es unter anderem auch Christian Drosten, der sich in einem neuen Interview optimistisch zeigt.

Als Voraussetzung für eine baldige Rückkehr zur Normalität sieht Drosten eine breite Immunität durch Corona-Impfungen. Als nächsten Meilenstein und eine der wichtigsten Fragen der derzeitigen angewandten Forschung zum Coronavirus bezeichnete der Virologe von der Berliner Charité Lebend-Impfungen.

Corona-Impfung: Was sind Lebend-Impfstoffe?

Lebend-Impfstoffe enthalten geringe Mengen vermehrungsfähiger Krankheitserreger, die so abgeschwächt wurden, dass sie die Erkrankung nicht auslösen. Dadurch werde eine Infektion nachgeahmt und das Immunsystem bilde Antikörper gegen die Viren, erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) das Prinzip. Bei bisherigen Lebend-Impfstoffen hält der Schutz lange an, bei manchen Vakzinen sogar ein Leben lang.

Lebend-Impfstoffe können in seltenen Fällen zu einer sogenannten „Impfkrankheit“ führen – beispielsweise bei „Impfmasern“. Dabei handelt es sich laut BZgA um einen leichten, masernähnlichen Ausschlag, der einige Wochen nach der Impfung auftreten kann und nicht ansteckend ist.

Nasenspray-Impfung gegen Corona: Drosten verspricht sich besseren Übertragungsschutz

Im Kampf gegen das Coronavirus hofft Christian Drosten auf eine Nasenspray-Impfung. Dabei gelangt der Lebend-Impfstoff direkt in die Nase, sodass eine Schleimhaut-Immunität ausgelöst wird. Das wäre ein viel besserer Übertragungsschutz, erklärte Drosten im Interview mit dem Tagesspiegel am Sonntag (16.01.2022).

Die Immunität würde durch eine Nasenspray-Impfung mit einem Lebend-Vakzin dort ausgelöst, wo sie am nötigsten ist und wo auch das Virus als Erstes in den Körper eindringt: In den Atemwegen. Durch die Impfung könnte dann bereits die Aufnahme des Virus blockiert werden, hatte Kai Schulze vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung dem Wissenschaftsmagazin Spektrum bereits im Juli 2021 erklärt. Die sterile Immunität rücke dadurch in Reichweite. Geimpfte würden nicht mehr zu Ansteckungen beitragen.

Die bisher zugelassenen mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna sowie die Vektorimpfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson schützen zwar verlässlich vor schweren Verläufen, man könne das Coronavirus trotzdem aufnehmen und andere anstecken, so Schulze.

Corona: Welche Hürden gibt es bei der Entwicklung von Nasenspray-Impfungen?

Die Entwicklung eines solchen Lebend-Impfstoffs, der durch ein Nasenspray verabreicht werden kann, ist jedoch komplex. Die Schleimhaut bestehe aus einer Schicht aus Zuckermolekülen, Proteinen und anderen Bestandteilen, die eine effektive physikalische Barriere für Fremdkörper darstelle und sie zum Rachen transportiere, wo sie vernichtet würden, berichtete das Wissenschaftsmagazin Spektrum. Wie viel von den Impfstoffen im Immunsystem lande, sei deshalb schwer zu kontrollieren. Bei Nasenspray-Impfungen müsse man daher mit einer hinreichend hohen Dosis arbeiten, damit genug Material bei den Immunzellen lande, sagte Kai Schulze dem Magazin Spektrum.

Forschende, die einen Lebend-Impfstoff gegen Corona entwickeln, müssten außerdem sicherstellen, dass es im Körper nicht wieder zum gefährlichen Original zurückmutiere, berichtete das Magazin Spektrum.

Nasenspray-Impfung gegen Corona: Erste Studien laufen, aber es gibt Hürden

Laut Christian Drosten laufen jedoch derzeit klinische Studien der Phase 1 und 2 zu Lebend-Impfstoffen gegen das Coronavirus, die über die Nase verabreicht werden. Das Problem dabei sei jedoch, dass es nur noch sehr wenige Probanden dafür gebe, da man Menschen brauche, die „einerseits noch ungeimpft sind und noch nicht infiziert waren, andererseits aber Impfungen gegenüber positiv eingestellt sind – und bei so etwas mitmachen“, erklärte der Virologe dem Tagesspiegel. (Max Schäfer)

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