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Ein Arzt schaut sich die Lungentomografie einer an Covid-19-erkrankten Person an.
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Ein Arzt schaut sich die Lungentomografie einer an Covid-19-erkrankten Person an.

Schwere Verläufe

Corona und die Langzeitschäden: Wie Fresszellen bei Covid-19 die Lunge schädigen

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Die Reaktionen des Immunsystems bei schweren Verläufen führen zur Vernarbung des Gewebes.

Berlin - Bei schweren Verläufen von Covid-19 kommt es häufig zu Vernarbungen in der Lunge, ausgelöst durch Fresszellen des Immunsystems. Einige der Prozesse, die sich dabei abspielen, sollen denen einer idiopathischen Lungenfibrose ähneln, einer unheilbaren Form der Lungenvernarbung. Zu diesen Erkenntnissen ist ein Forschungsteam der Charité-Universitätsmedizin Berlin, des Helmholtz-Zentrums für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI), des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin, der Uniklinik RWTH Aachen und des Robert Koch-Instituts nach der Analyse der Lungen verstorbener Covid-Patientinnen und -Patienten gekommen. Die Studie wurde im Fachmagazin „Cell“ veröffentlicht.

Bei Menschen, die schwer an Corona erkranken, kann die Lunge so stark geschädigt werden, dass der Körper nicht mehr in der Lage ist, genügend Sauerstoff aus der Luft aufzunehmen. „Nur mit der Gabe von Sauerstoff, einer unterstützenden Beatmung oder sogar dem Einsatz einer künstlichen Lunge haben Betroffene eine Chance, ein solches akutes Lungenversagen zu überleben“, heißt es in einer Mitteilung der Charité.

Schwere Verläufe von Corona: Überschießende Reaktion des Immunsystems

Bereits seit längerem geht man davon aus, dass solche schweren Verläufe nicht mehr durch die Aktivität der Viren selbst, sondern durch eine überschießende Reaktion des Immunsystems verursacht wird, bei der sich die Abwehr gegen eigenes Gewebe richtet. Diese Annahme wird durch die Studie bestätigt und konkretisiert. Demnach könnte eine „fehlgeleitete Reaktion“ von Makrophagen – Fresszellen – für die mit schweren Verläufen häufig einhergehende ausgeprägte Vernarbung des Lungengewebes mitverantwortlich sein, sagt Antoine-Emmanuel Saliba vom HIRI, einer der Studienleiter.

Zu dieser Vermutung passt auch die Tatsache, dass sich ein Lungenversagen typischerweise erst in der zweiten oder dritten Woche nach Beginn der Symptome entwickelt – also zu einem Zeitpunkt, „wenn die Viruslast eigentlich schon wieder sinkt“, so Infektiologe Leif Erik Sanders von der Charité, ebenfalls einer der Leiter der Studie. „Das weist darauf hin, dass nicht die unkontrollierte Virusvermehrung zum Versagen der Lunge führt, sondern nachgeschaltete Reaktionen, beispielsweise des Immunsystems, eine Rolle spielen.“

Vernarbung bei Corona zumindest „potenziell reparabel“

Mit Hilfe moderner Methoden wie der Einzelzellanalyse stellten die Forschenden fest, dass sich in den Lungen Makrophagen in großen Mengen ansammeln. Aufgabe dieser Fresszellen ist es normalerweise, Erreger oder Zellabfall zu beseitigen, sie sind aber auch an der Wundheilung und Reparatur von Gewebe beteiligt. „Die Makrophagen treten bei schwerem Covid-19 mit bestimmten Zellen des Bindegewebes in Kontakt, die für die Bildung von Narbengewebe verantwortlich sind“, erläutert Saliba. Diese Zellen vermehren sich stark und produzieren große Menge Kollagen – so kommt es zur Vernarbung, ähnlich wie bei Lungenfibrose.

Die Daten zeigten „eindeutig“ Parallelen zwischen beiden Krankheitsbildern, sagt Saliba. „Das erklärt vielleicht, warum einige Risikofaktoren für Covid-19 auch Risikofaktoren für die ideopathische Lungenfibrose sind – zum Beispiel Grunderkrankungen, Rauchen, männliches Geschlecht und ein Alter über 60 Jahre.“ Einen wesentlichen Unterschied gebe es aber: So sei die Vernarbung bei Covid-19 zumindest „potenziell reparabel“. (Pamela Dörhöfer)

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