Wie wirkt sich das Coronavirus auf das Gehirn von Infizierten aus? Möglicherweise beeinträchtigt Covid-19 die geistige Leistungsfähigkeit.
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Wie wirkt sich das Coronavirus auf das Gehirn von Infizierten aus? Möglicherweise beeinträchtigt Covid-19 die geistige Leistungsfähigkeit.

Studie

Corona-Langzeitfolgen: Covid-19 schadet Gehirn und IQ von Infizierten

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Eine Studie zu Corona mit 84 000 Testpersonen legt nahe, dass eine Infektion mit Covid-19 längerfristig die geistige Leistungsfähigkeit mindert.

  • Immer mehr Menschen infizieren sich mit dem Coronavirus Sars-CoV-2.
  • Noch sind nicht alle Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung bekannt.
  • Forschende aus Großbritannien vermuten nun, dass Covid-19 die geistige Leistungsfähigkeit negativ beeinflusst.

Der vielfach genannte „milde Verlauf“ der meisten Corona-Infektionen kann trügerisch sein: Auch wer nicht schwer erkrankt und sich zu Hause auskurieren kann, kann danach längere Zeit mit gesundheitlichen Problemen zu tun haben. Wie lange, lässt sich noch nicht einschätzen – man kennt das Virus ja erst seit einem Jahr.

Langzeitfolgen von Covid-19: Krankheit kann sich auf geistige Leistungsfähigkeit auswirken

Nach aktuellen Erkenntnissen aus Großbritannien soll Sars-CoV-2 sich nicht nur auf das körperliche Befinden, sondern auch auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirken können. Wie das „Ärzteblatt“ berichtet, erzielten Patientinnen und Patienten, die eine Corona-Infektion hinter sich hatten, beim „Great British Intelligence Test“ im Internet schlechtere Ergebnisse als der Rest. Der Rückstand entspreche „etwa 8,5 IQ-Punkten in einem Standard-Intelligenztest oder einer frühzeitigen Alterung um zehn Jahre“. Die Auswertung übernahm ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Imperial College London. Die Ergebnisse über diese Langzeitfolge wurden auf dem Preprint-Server „medRxiv“ und noch nicht in einem Fachmagazin veröffentlicht.

Covid-19 und Langzeitfolgen für das Gehirn: Corona-Patienten erzielen schlechtere Ergebnisse

Insgesamt haben an dem im Dezember 2019 gestarteten Test mehr als 84.000 Menschen teilgenommen, von denen knapp 3500 angaben, kürzlich an einem Atemwegsinfekt gelitten zu haben. Die meisten hatten nur leichte Beschwerden, 176 waren ambulant und 147 in einer Klinik behandelt worden. Weitere 60 mussten beatmet werden. Bei 361 dieser Menschen war eine Sars-CoV-2-Infektion (Corona) nachgewiesen worden. Laut Ärzteblatt nahm das Ausmaß der kognitiven Einbußen mit dem Grad der Behandlung zu, am größten waren sie bei jenen, die ins Krankenhaus mussten. Besonders schwerwiegend fielen die Defizite aus, wenn jemand auch noch mechanisch beatmet werden musste.

Coronavirus: Schneiden Covid-19-Patienten schlechter im IQ-Test ab?

Dass Menschen nach einer mechanischen Beatmung längere Zeit benötigen, bis sie geistig wieder so fit sind wie vorher, verhält sich allerdings häufig so und nicht nur bei Covid-19. Auch ist nicht nachgewiesen, dass die kognitiven Defizite tatsächlich auf das Coronavirus zurückzuführen sind. Allerdings ist inzwischen bekannt, dass Sars-CoV-2 das Gehirn erreichen und zentralnervöse Probleme verursachen kann. Jüngste Studien weisen außerdem auf weitere Langzeitfolgen hin, die mit Prozessen im Gehirn zu tun haben. Dazu gehören Ängstlichkeit und Depressionen.

Als gesichert gilt mittlerweile, dass Covid-19 unabhängig von der Schwere häufig eine langanhaltende Erschöpfung auslöst, mehr als die Hälfte aller ehemals Infizierten sollen darunter leiden. Viele klagen zudem noch monatelang über Husten und darüber, schnell außer Atem zu kommen.

Zu den Langzeitfolgen schwerer Corona-Verläufe zählen vor allem Schädigungen der Lunge, die aber durch eine gute Rehabilitation vielfach wieder rückgängig zu machen sind. (Pamela Dörhöfer)

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