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Das Warten hat ein Ende: In zwei weiteren hessischen Kreisen darf die Gastronomie nun auch wieder den Innenbereich öffnen – Stufe zwei des Corona-Lockerungsplans sei Dank. (Symbolbild)
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Das Warten hat ein Ende: In zwei weiteren hessischen Kreisen darf die Gastronomie nun auch wieder den Innenbereich öffnen – Stufe zwei des Corona-Lockerungsplans sei Dank. (Symbolbild)

Warn-App, Luca-App, Gästeliste

Corona-Kontaktverfolgung: Was die Apps können – und was nicht

  • Thomas Kaspar
    VonThomas Kaspar
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Apps sollen die Corona-Kontaktverfolgung erleichtern. Erfüllen sie ihren Zweck? Sind die Daten sicher?

Frankfurt - Im Kampf gegen die Corona-Pandemie gilt eine funktionierende Kontaktnachverfolgung als probates Mittel. Dadurch sollen Begegnungen nachvollziehbar gemacht werden. Wenn Infektionen gemeldet werden, kann dadurch vermieden werden, dass Kontaktpersonen einer erkrankten Person für weitere Infektionen sorgen. FR-Chefredakteur Thomas Kaspar bewertet die Varianten der Kontaktnachverfolgung:

Corona-Warn-App

Die Corona-Warn-App der Bundesregierung arbeitet komplett ohne personenbezogene Daten. Über das Einscannen von QR-Codes erstellt die Anwendung ein anonymes lokales Tagebuch. Trägt eine Nutzerin oder ein Nutzer ein positives Testergebnis ein, kann 14 Tage zurückverfolgt werden, wann und wo ein positiver Kontakt bestand.

Vorteile: Von TÜV bis Chaos Computer Club attestieren Experten, dass die App größtmögliche Anonymität ermöglicht. Zudem ist die staatlich finanzierte Software öffentlich transparent kontrollierbar. Die Anwendung ist bereits auf mehr als 25 Millionen Mobiltelefonen installiert. Die Nutzerschaft wird weiter wachsen, wenn neue Funktionen wie der mobile Impfpass integriert werden.

Nachteile: Durch Fehlentscheidungen und die schlechte Kommunikation von Gesundheitsminister Jens Spahn hängt der App seit Beginn zu Unrecht ein schlechter Ruf nach. Die Software läuft nicht auf älteren Geräten und verlangt, dass das stromfressende Bluetooth eingeschaltet ist. Hauptkritikpunkt: Die Meldung positiver Testergebnisse ist freiwillig und fehleranfällig, weshalb nur etwa die Hälfte der positiven Laborergebnisse erfasst wird.

Luca-App

Bei der ersten Installation der privatwirtschaftlich finanzierten Luca-App werden persönliche Kontaktdaten und der volle Name abgespeichert. Durch das Scannen von QR-Codes vor Ort wird für jedes Profil ein digitales Tagebuch erstellt. Auf diese Daten können Gesundheitsämter zugreifen und über mögliche Kontakte mit Corona-Infizierten informieren.

Vorteile: Dank der Bewerbung durch Sänger Smudo hat die leicht nutzbare Luca-App ein freundliches Image, das Anmeldeschranken senkt. Ob ein positives Testergebnis in der App erfasst wird, ist weniger wichtig als bei der Corona-Warn-App. Denn angebundene Gesundheitsämter sehen, wer sich zeitgleich am selben Ort mit einem Infizierten aufgehalten hat und könnten die Kontakte nachverfolgen.

Nachteile: Experten haben mehrfach Sicherheitslücken im Programm nachgewiesen, dessen Code die Hersteller nur zögerlich veröffentlicht haben. Kritisiert wird besonders, dass sich durch das Finanzierungsmodell Politiker ohne Not in Abhängigkeit brächten. So zahlen etwa zahlreiche Bundesländer nicht erst bei der Nutzung, sondern vorab die Gesamtsumme für die Lizenzen – dadurch wird eine glaubwürdige Konkurrenz der verschiedenen Techniken unterlaufen. Landespolitiker werben für den Einsatz der teuer bezahlten App, obwohl über Steuergelder bereits die Corona-Warn-App finanziert wurde.

Gästeliste

In Gästelisten oder auf Papierformularen tragen Gäste Namen und Erreichbarkeit sowie den Zeitpunkt des Besuchs per Hand ein. Am Veranstaltungsort werden die Daten aufbewahrt, damit das Gesundheitsamt bei Infektionen darauf zurückgreifen kann.

Vorteile: Bei geringen Kosten und ohne technische Voraussetzungen ist kein System einfacher umsetzbar.

Nachteile: Je nach Bundesland gelten unterschiedliche Vorgaben, in welcher Form und wie lange die Daten aufbewahrt werden müssen. Die sichere Lagerung und die fristgerechte Löschung der ausgefüllten Formulare lässt sich nur stichprobenartig kontrollieren. Die Listen sind zudem oftmals einfach für das Personal einsehbar, wodurch in der Vergangenheit etwa schon Kundinnen sexuell belästigt wurden. Zudem hat in mehreren Bundesländern die Polizei höchst umstritten auf Gästelisten zugegriffen, um Delikte unabhängig von Corona aufzuklären. Durch die vielfältigen Missbrauchsmöglichkeiten geben manche Gäste falsche Angaben an – die notwendige Kontrolle der Personalien ist umständlich und rechtlich nicht eindeutig geklärt. (Thomas Kaspar)

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