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AfD-Anhänger protestieren mit einem Plakat gegen die Corona-Maßnahmen. Darauf steht „Nie wieder Lockdown“.
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Impfgegenr:innen wählen eher AfD und vertreten eher rechte Positionen, stellen Forschende fest. (Archivfoto)

Wer ist Impfgegner?

Hohe Corona-Infektionszahlen: Welche Menschen sich nicht impfen lassen

  • VonMax Schäfer
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Die Corona-Infektionszahlen sind hoch, die Impfbereitschaft jedoch vergleichsweise niedrig. Was sind die Ursachen und wie lässt sich das Problem lösen?

Frankfurt – Die Corona-Fallzahlen und die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland erreichen derzeit fast täglich neue Höchstwerte. In den ostdeutschen Bundesländern Sachsen und Thüringen und im Süden sind die Infektionszahlen besonders hoch. Mit Blick auf die Impfquoten in den Regionen zeigt sich ein Zusammenhang. Sie liegen unter dem Bundesdurchschnitt.

Hohe Corona-Zahlen: Impfgegner:innen im rechten Spektrum

Frankfurt - Was sind die Ursachen für die niedrigere Impfquote in den Bundesländern? Heike Klüver vom Institut für Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität in Berlin war an einer Studie beteiligt, bei der im März 2021 insgesamt 201.500 repräsentativ ausgewählte Menschen in Deutschland zu ihrer Impfbereitschaft befragt worden sind. 67 Prozent der Befragten waren bereits geimpft oder dazu bereit, 17 Prozent waren unentschlossen. Demgegenüber standen 16 Prozent, welche die Impfung gegen das Coronavirus komplett ablehnten.

„Die Leute, die die Impfung ablehnen, sind eher Wähler der Partei ‚Alternative für Deutschland‘ (AfD) und haben eher rechte Positionen vertreten“, erklärte Heike Klüver gegenüber der Deutschen Welle. „Darüber hinaus sind das Menschen, die geringes Vertrauen in die Politik, die Regierung, die Medien und das Gesundheitssystem insgesamt haben“, so die Politikwissenschaftlerin. Außerdem sei ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Bildung und der Ablehnung der Impfung zu erkennen.

Corona-Impfungen: Forschende sehen direkten Zusammenhang von rechten Parolen und Impfverweigerungen

Die Gruppe ist während der Corona-Pandemie jedoch nicht neu entstanden. Sie habe sich schon vor Corona verfestigt und wurde durch die Pandemie in ihren Überzeugungen gestärkt. „Wir sehen eine relativ klare Skepsis, was die Migration angeht. Auch konnten wir schon im März sehen, dass diese Gruppe sich überhaupt nicht an die Corona-Regeln gehalten hat, weder an das Maske-Tragen noch an die Abstandsregeln“, sagte Klüver der Deutschen Welle.

Einen direkten Zusammenhang zwischen staatsablehnenden, rechten Parolen und der Impfverweigerungen sieht laut Deutscher Welle auch Josef Holnburger vom Center für Monitoring, Analyse und Strategie, das zu rechtsradikalen Positionen und Verschwörungserzählungen forscht. Die Ablehnung der Corona-Maßnahmen sei zurzeit das beherrschende Thema, könne aber in Zukunft durch andere Themen verdrängt werden. „Es gibt Leute, die haben ein geschlossenes ideologisches Weltbild, die leben in einer anderen Realität und lassen sich von Argumenten nicht überzeugen. Wir werden das auch noch bei anderen Themen erleben, bei Maßnahmen etwa gegen den Klimawandel“, sagte Holnburger der Deutschen Welle.

Corona: Wo die AfD gewählt wird, steigen die Infektionszahlen besonders schnell

In den Hochburgen der AfD führte das zu einem Anstieg der Infektionszahlen. Diese Verbindung zeigt sich auch in einer Studie des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft und des Epidemiologen Matthias Wjst vom Helmholtz Zentrum München. In Regionen mit hohem Zuspruch für die AfD stiegen die Infektionszahlen in beiden Wellen stärker an, als in Regionen mit schlechteren Wahlergebnissen der rechtsradikalen Partei. Der Zusammenhang sei in Ost- und Westdeutschland zu beobachten und bleibe auch signifikant, wenn Kontrollvariablen wie die Altersstruktur, Mobilität und wirtschaftliche Situation einbezogen werden. Bei anderen Parteien konnten die Forscher keinen derartigen Zusammenhang beobachten.

Rechte Einstellungen könnten auch in der aktuellen vierten Welle und bei der mangelnden Impfbereitschaft als Verstärker wirken, erklärte Matthias Quent vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft in einer Pressemitteilung. „Besonders in den Regionen, in denen die demokratische Partizipationsbereitschaft niedrig und der Zuspruch zu Parteien der radikalen Rechten hoch ist, müssen bestehende zivilgesellschaftliche Strukturen noch stärker gefördert, ausgebaut und langfristig abgesichert und verstärkt für Vertrauen und für Impfungen geworben werden“, beschreibt Co-Autor Axel Salheiser einen möglichen Lösungsansatz.

Hohe Corona-Infektionszahlen: Wie lässt sich die Impfbereitschaft steigern?

Durch Maßnahmen wie das Impfen durch Hausärzt:innen, Privilegien für Geimpfte und durch mögliche Geldzahlungen an Impfzögernde könnten 13 Prozent mehr Menschen für eine Impfung gegen das Coronavirus gewonnen werden, heißt es dagegen in der Studie von Heike Klüver. Es wird jedoch schon lange in Praxen von Hausärzt:innen geimpft. 2G-Regeln sind ebenso weit verbreitet. Trotzdem liegt die Impfbereitschaft bei etwa 68 Prozent. (Max Schäfer)

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