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Covid-19 für Männer tödlicher als für Frauen – das ist der Grund

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Von: Nico Scheck

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Männer erkranken häufiger schwer an Covid-19 als Frauen – doch woran liegt das? Die Unterschiede der Schwere einer Corona-Infektion haben mehrere Gründe.

Frankfurt - Der eine landet auf der Intensivstation und muss künstlich beatmet werden, der andere merkt das Virus nicht einmal. Eine Corona-Infektion kann unterschiedliche Auswirkungen haben. Während einige Menschen gar keine Symptome entwickeln, kann eine Covid-19-Erkrankung bei manchen Personen zum Tod führen.

Neben dem Alter und diversen Vorerkrankungen spielt auch das Geschlecht eine Rolle. Es gibt also einen Unterschied beim Corona-Verlauf zwischen Männern und Frauen. Männer sterben - wie Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) nahelegen - häufiger an oder mit einer Corona-Infektion als Frauen. Doch warum ist das so? Forschende haben nun neue Details dazu veröffentlicht.

Corona-Infektion: Covid-19 für Männer tödlicher als für Frauen

Wie der Spiegel auf Basis der RKI-Zahlen zeigt, liegt die Zahl der Todesfälle an oder mit Corona bei Männern in der Altersgruppe 35 bis 59 Jahren deutlich höher als bei Frauen. Besonders grotesk daran: Bei Frauen sind deutlich mehr Infektionsfälle gemeldet worden. Trotzdem sterben mehr Männer an oder mit Covid-19. Das sind die RKI-Zahlen:

Heftigere Corona-Verläufe bei Männern: Ein Grund ist das Immunsystem

Klar ist: Das Immunsystem einer Frau funktioniert anders als bei einem Mann. „Es war schon vor der Corona-Pandemie bekannt, dass Frauen eine schnellere Immunantwort gegen RNA-Viren aufbauen, zu denen Sars-CoV-2 gehört“, betont etwa Marcus Altfeld beim Spiegel. Er ist Experte für Immunologie am Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie in Hamburg.

So verweisen Forschende auf Schwangerschaften bei Frauen. Da brauche es den Vorteil der besseren Immunantwort. Schließlich muss die Frau auch das ungeborene Kind schützen - auch vor Infektionen. Zudem profitiert ein Baby in den ersten Monaten von den Antikörpern der Muttermilch. Evolutionär macht das also nur Sinn.

Corona-Infektion: Der Unterschied zwischen Mann und Frau

Infiziert sich eine Person mit Sars-CoV-2, kommen die T-Zellen im Immunsystem ins Spiel. Diese erkennen das Virus und bekämpfen es umgehend. Bei Frauen geschieht dieser Vorgang jedoch deutlich schneller als bei Männern. Anno 2020 wurde im Magazin Nature eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass Frauen bei einer Covid-19-Erkrankung eine robustere T-Zellen-Antwort entwickeln als Männer.

In besagter Studie werden auch die Gründe erklärt. Die schnellere Immunantwort bei Frauen liegt unter anderem an den sogenannten Typ1-Interferonen. Diese hemmen unter anderem die Viren-Vermehrung im Körper. Hinzu kommt laut Altfeld, dass Antikörper bei einer Infektion mit RNA-Viren bei Frauen tendenziell länger bestehen bleiben.

Infektion mit Corona: Enzym als Risikofaktor bei Männern

Schon früh in der Pandemie haben Forschende zudem herausgefunden, dass das Risiko einer Herzmuskelentzündung bei Männern deutlich höher ist. Das gilt sowohl für die Nachwehen einer Corona-Impfung als auch eine Infektion selbst.

Abstrichproben aus Corona-Testzentren für die Untersuchung im PCR-Labor
Laut Daten des RKI sterben nach einer Corona-Infektion mehr Männer als Frauen. (Symbolbild) © Jens Büttner/dpa

Bei Männern und Frauen mit Herzinsuffizienz führen Forschende die unterschiedlichen Fallzahlen auch auf das Schlüsselenzym namens ACE2 (Angiotensin Converting Enzyme 2) zurück. Dieses tritt im Blut von Männern deutlich häufiger auf als bei Frauen. Problematisch an dem Enzym: Das Coronavirus nutzt ACE2 als Rezeptor, um sich erst eine Wirtszelle habhaft zu machen und sich dann zu vervielfältigen.

Covid-19: Mehr Männer als Frauen sterben - X-Chromosom macht den Unterschied

Ein weiterer Faktor, warum mehr Männer an Corona sterben, sind die Gene. So gibt es wichtige Gene, die nur auf dem X-Chromosom zu finden sind. Wer in Biologie aufgepasst hat, weiß: Frauen verfügen über zwei X-Chromosome, Männer über eines. Nun liegen aber auf dem X-Chromosom unter anderem für das Immunsystem relevante Gene. Übersetzt heißt das: Zwei X-Chromosome sind in dem Fall besser als eines.

Dies führt zu weniger Fehlern (Fehler im Erbgut können eher ausgeglichen werden), zu einem breiteren Spektrum an Immunantworten und auch zu einer schnelleren Antwort der Zellen. Das bringt für Frauen allerdings auch Nachteile mit sich. Frauen erkranken dadurch häufiger an Autotimmunerkrankungen wie etwa Multipler Sklerose. (Nico Scheck)

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