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Corona-positiv, trotzdem nicht ansteckend: Wie geht das zusammen?

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Von: Luisa Ebbrecht

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Coronavirus: Ein Kind putzt sich mit einem Papiertaschentuch die Nase.
Der Ct-Wert gibt Auskunft darüber, wie viele SARS-CoV-2-Viren noch im Körper des Infizierten vorhanden sind. (Symbolfoto) © Nicolas Armer/dpa

Ein Corona-Test gibt Aufschluss über eine Infektion mit dem gefährlichen Virus. Aber warum werden Infizierte noch Wochen nach der Infektion positiv getestet?

Frankfurt - Wer positiv auf Corona getestet wurde, muss sich in Quarantäne begeben. Je nach Symptomen kann der Krankheitsverlauf schwach oder stark sein. Die Mehrheit der Infizierten wird nach einer Ansteckung wieder vollkommen gesund. Jedoch gibt es laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) ebenso Covid-19-Patient:innen, die Wochen nach Ausbruch der Erkrankung erneut positiv getestet werden. Das US-amerikanische Center for Disease Control berichtet sogar, dass Infizierte noch drei Monate nach ihrer Genesung ein „niedriges Virenlevel“ haben können. Wie kann das sein?

Positiv auf Covid-19 getestet: Ct-Wert bestimmt Virenlast

Nachgewiesen werden die Sars-CoV-2-Viren durch sogenannte Polymerase-Kettenreaktions-Tests, kurz PCR-Test. Dieser Test weist die Menge der vorhandenen Viren im Körper nach. Ob jemand nun trotz eines positiven PCR-Tests nicht mehr ansteckend ist, kann der sogenannte Ct-Wert bestimmen. Dieser Wert gibt an, wie viele Zyklen ein PCR-Test durchlaufen musste, um ein positives Ergebnis zu zeigen.

Je höher der Wert, desto weniger Viren sind vorhanden. Bei Proben mit viel Virusmaterial schlägt der Test meist schon nach 15 Ct-Runden an. Ab etwa 30 Runden findet sich in der Regel kein vermehrungsfähiger Virus mehr im Körper. Das RKI bekräftigt diese Erkenntnis: „Dass diese positiven PCR-Ergebnisse bei genesenen Patient:innen nicht mit Ansteckungsfähigkeit gleichzusetzen ist, wurde in mehreren Analysen gezeigt“. Laut dem Medizinjournal „Lancet“, fand bislang keine Studie eine relevante Virenausscheidung später als neun Tage nach Symptom-Beginn. Besonders viele Viren werden demnach in den ersten fünf Symptom-Tagen ausgeschieden.

Covid-19: Ct-Wert oft nicht an Gesundheitsamt übermittelt

Der Ct-Wert zeigt an, ob positiv getestete Patient:innen ansteckend sind oder nicht. Aber wie wird dieser Wert in der alltäglichen Arbeit der Gesundheitsämter berücksichtigt? Eine gemeinsame Untersuchung von NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung ging genau dieser Frage auf den Grund. Demnach bekamen 73 Prozent der 137 befragten Gesundheitsämter den Ct-Wert von den medizinischen Laboren „selten“ oder „nie“ mitgeteilt. Lediglich elf Prozent erhielten den Ct-Wert „meistens“ oder „immer“. Die Ergebnisse unterschieden sich von Bundesland zu Bundesland.

Virologe Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie an der Universitätsklinik Essen, betont allerdings, dass man nicht allein auf den Ct-Wert vertrauen könne. PCR-Tests verschiedener Hersteller könnten abweichen, ebenfalls könnte während des Testvorgangs zu wenig Virusmaterial gesammelt worden sein.

Ein zweiter Corona-Test könne in diesem Fall Klarheit schaffen, so der Virologe im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Sei der Ct-Wert danach gleich oder höher, sei es sehr wahrscheinlich, dass sich nur noch sehr geringe Virusmengen im Körper finden. (Luisa Ebbrecht)

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