Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Eine Covid-19-Erkrankung kann bei jedem Patienten und jeder Patientin anders verlaufen. Forschende haben nun anhand der Reaktion des Immunsystems fünf „molekulare Phänotypen“ identifiziert.
+
Eine Covid-19-Erkrankung kann bei jedem Patienten und jeder Patientin anders verlaufen. Forschende haben nun anhand der Reaktion des Immunsystems fünf „molekulare Phänotypen“ identifiziert.

Corona

Die vielen Gesichter von Corona – „Covid-19 hat offenbar eine einzigartige Biologie“

  • Tanja Banner
    vonTanja Banner
    schließen

Erkrankungen an Covid-19 können sehr unterschiedlich verlaufen. Anhand der Reaktion des Immunsystems können Forschende Corona-Patient:innen in fünf Gruppen einteilen – so sollen Therapien passgenauer werden.

  • Das Coronavirus Sars-CoV-2 verursacht verschiedenste Symptome, die Krankheit Covid-19 hat sehr unterschiedliche Verläufe.
  • Forschende aus Deutschland, Griechenland und den Niederlanden haben sich die Reaktion des Immunsystems auf Corona angeschaut.
  • Das Forschungsteam hat fünf „molekulare Phänotypen“ identifiziert – das soll bei der passenden Corona-Therapie helfen.

Die vom Coronavirus Sars-CoV-2 verursachte Krankheit Covid-19 kann sehr unterschiedliche Verläufe haben. Es gibt Infizierte, die die Infektion gar nicht bemerken, während andere Menschen, die sich mit Corona infiziert haben, grippeänliche Symptome beklagen oder unter neurologischen Störungen wie dem Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinns leiden. Wieder andere Patient:innen haben schwere Verläufe – bis hin zu lebensbedrohlichen Lungenentzündungen.

Landläufig werden die unterschiedlichen Ausprägungen von Covid-19 in „milde“ und „schwere“ Verläufe eingeteilt, doch das „greift zu kurz“, findet Anna Aschenbrenner, die an der Universität Bonn und am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) forscht. „Die Erkrankung ist wesentlich vielfältiger und für jeden Betroffenen wünscht man sich natürlich eine Therapie, die passgenau zugeschnitten ist. Was dem einen hilft, ist bei einem anderem möglicherweise wirkungslos“, so Aschenbrenner.

Corona: Forschende analysieren Reaktion des Immunsystems und untersuchen „Expressionsmuster“

Gemeinsam mit Forschenden aus Deutschland, Griechenland und den Niederlanden hat die Wissenschaftlerin sich dem Coronavirus aus einer anderen Perspektive genähert. „Viele Studien weisen mittlerweile darauf hin, dass die Reaktion des Immunsystems auf die Infektion mit Sars-CoV-2 eine entscheidende Rolle für den Krankheitsverlauf von Covid-19 spielt“, erklärt Aschenbrenner.

Husten, grippale Symptome – und sonst nichts. Auch so kann eine Corona-Infektion aussehen.

Aus diesem Grund analysierte ihr Team das Blut von insgesamt 95 Personen – ein Teil von ihnen war an Covid-19 erkrankt, ein Teil nicht. Für jede Patientin und jeden Patienten wurde ein molekularer Fingerabdruck erstellt, der es den Forschenden ermöglichte, zu erkennen, welche Gene der Immunzellen ein- beziehungsweise ausgeschaltet waren. Diese so genannten „Expressionsmuster“ zeigten dem Forschungsteam, wie der Zustand der Zellen ist.

Corona-Infektion: Forschende identifizieren fünf „molekulare Phänotypen“

„Zunächst muss man festhalten, dass sich die Expressionsmuster der Immunzellen bei Menschen mit Covid-19 von denen gesunder Personen grundsätzlich unterscheiden“, erklärt Dr. Thomas Ulas, der am DZNE Experte für Bioinformatik ist. „Die Genaktivität, die wir im Blut auslesen können, ist stark verändert“, betont Ulas, aber auch unter den Covid-19-Patient:innen gebe es markante Unterschiede. Insgesamt haben die Forschenden fünf unterschiedliche Gruppen identifiziert, die sie „molekulare Phänotypen“ nennen. Zwei davon stünden für schwere Krankheitsverläufe, während die anderen drei moderatere Symptome aufwiesen, erläutert der Bioinformatiker in einer Mitteilung des DZNE.

Ihre Erkenntnisse zu Covid-19 haben die Forschenden mit anderen Erkrankungen – beispielsweise Influenza, HIV, Tuberkulose oder rheumatoide Arthritis – verglichen und festgestellt, dass sich alle fünf Corona-Phänotypen von den anderen Krankheiten unterscheiden, die untersucht wurden. „Covid-19 hat offenbar eine einzigartige Biologie, die sich in der Genaktivität von Immunzellen im Blut widerspiegelt“, so Ulas. Daraus schließen die Forschenden: Man könnte die Expressionsanalyse zur Diagnose von Covid-19 verwenden, als Alternative oder Ergänzung gängiger Verfahren.

Suche nach Medikamenten gegen Covid-19

In einem weiteren Schritt suchten die Forschenden auf Grundlage ihrer Erkenntnisse nach möglichen Medikamenten gegen Covid-19. „Wir haben berechnet, welche Pharmaka den veränderten Genaktivitätsprofilen der einzelnen Covid-19-Phänotypen entgegenwirken könnten“, erklärt Anna Aschenbrenner die Vorgehensweise ihres Teams, das so Wirkstoff-Kandidaten für die Therapie identifizieren konnte. Ihr Team habe so beispielsweise eine potentielle Wirksamkeit für die Wirkstoffe Dexamethason und Baricitinib bei Patientengruppen mit schwerem Verlauf errechnet, erklärt Aschenbrenner.

„Diese Art von Analysen sind, so muss man deutlich sagen, keine Behandlungsempfehlungen“, betont die Forscherin. „Sie bieten jedoch sehr wohl Ansatzpunkte für die Therapieentwicklung, die dann in entsprechenden Studien überprüft werden müssen.“ Im Fall der beiden Wirkstoffe hätten sich die Vorhersagen als richtig herausgestellt, erklärt Aschenbrenner. Das sei ein „Indiz für die Stärke unseres Ansatzes“. Die Studie von Anna Aschenbrenner und Team wurde im Fachjournal „Genome Medicine“ veröffentlicht (DOI 10.1186/s13073-020-00823-5). (Tanja Banner)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare