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Indien

Corona in Indien: Pilzbefall wird neben Coronavirus zum weiteren Problem

  • Alexander Seipp
    vonAlexander Seipp
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Das Coronavirus breitet sich in Indien weiter aus, die Todeszahlen schießen in die Höhe. Neben Covid-19 kommt jetzt ein weiteres Problem dazu.

Neu-Delhi – Hohe Zahlen von gefüllten Leichensäcken, doch die offiziellen Todeszahlen scheinen dazu nicht zu passen: Die Coronavirus-Pandemie hält den indischen Subkontinent noch immer stark im Würgegriff und es könnte sogar noch schlimmer sein, als bisher angenommen. Dies berichtet der Spiegel.

Nach einer Recherche von unabhängigen Journalist:innen passen die aus indischen Städten gemeldeten Todeszahlen nicht zu den Bildern vor Ort und dem, was Mitarbeiter:innen von Bestattungsinstituten, Krankenhäusern und Rettungsdiensten berichten. Denn gemessen an der gigantischen Bevölkerungszahl Indiens sind Corona-Zahlen des Landes noch niedrig: 4000 Menschen sterben derzeit offiziell täglich an dem Virus. Indiens Gesundheitsminister Harsh Vardhan brüstete sich laut Spiegel sogar mit den vermeintlich niedrigen Werten und erklärte noch im März, dass Indien kurz vor dem Sieg über das Virus stehe.

Personen tragen einen Toten, der im Zusammenhang einer Corona-Infektion verstorben ist, auf einer Trage zur Einäscherung.

Indien: Corona-Zahlen passen nicht zu den Beobachtungen

Tatsächlich dürften die Zahlen aufgrund der indischen Corona-Mutante deutlich höher liegen. Dies zeigen einige Beispiele der Recherche: In der Stadt Jamnagar werden in einem Krankenhaus 58 Leichen abtransportiert. Dies allein sind sechsmal so viele, wie die Behörden an diesem Tag für die gesamte Stadt melden. Sechs Seiten einer Lokalzeitung sind gefüllt mit Todesanzeigen.

Gleiches konnten die Journalist:innen laut Spiegel in Ahmedabad beobachten. Dort wurden allein in einem Krankenhaus 63 Leichensäcke gezählt. Die offiziellen Zahlen geben die mit dem Coronavirus zusammenhängenden Tode mit 20 an – für die gesamte Stadt, die mit 5,6 Millionen Einwohnern die fünftgrößte des Landes ist.

Corona in Indien: Üben die Behörden Druck aus um die Zahlen unten zu halten?

Klar scheint, dass hier etwas nicht zusammen passt. Einer der bei der Recherche beteiligten Journalisten berichtet, wie es zu den Zahlen kommt: Auf dem Todesschein der Corona-Opfer wird in vielen „Herzinfarkt“, „Lungenentzündung“ oder einfach nur „Krankheit“ angegeben. Der Verweis auf das grassierende Virus fehlt komplett. Und trotzdem werden diese Toten mit aller Sorgfalt so verbrannt, wie es eigentlich nur bei den Opfern des Virus vorgesehen ist. Dies habe eine Recherche bei Bestattern ergeben.

Ein Corona-Patient wird in Indien auf einem Wagen ins Krankenhaus gebracht.

Als Ursache könnte laut Spiegel Druck der Behörden in Indien infrage kommen. In der Vergangenheit hatten Krankenhäuser, die ihre Probleme mit der Bekämpfung des Coronavirus offen thematisiert hatten, immer wieder Probleme mit der Polizei bekommen. Auch die Familien wollen häufig die Todesursache vertuschen, etwa um die strengen Regeln bei der Bestattung zu umgehen. In manchen Gegenden seien die Krankenhäuser aber manchmal auch so überlastet, dass kaum die Zeit bleibe, einen richtigen Todesschein auszustellen. Obwohl die Zahlen in den Metropolen langsam zurückgehen, grassiert das Virus gerade auf dem Land noch extrem. Dort gebe es noch immer kaum Testmöglichkeiten. Was dort vor sich gehe, so die Journalist:innen, sei unmöglich nachzuvollziehen. Dort ist die Lage teilweise so schlimm, dass Leichen in Flüsse geworfen werden.

Mittlerweile gehen viele Expert:innen davon aus, dass die indischen Todeszahlen um mindestens das doppelte höher liegen, als von den Behörden angegeben. Manche sprechen sogar von dem fünffachen der offiziellen Zahlen. Damit liegt Indien übrigens nicht allein: Laut einer Studie des „British Medical Journal“ könnte die Zahl der am Coronavirus verstorbenen Personen weltweit doppelt so hoch liegen als offiziell bekannt, bei fast sieben Millionen Todesopfern.

Indien: Corona-Überlebende sind anfällig für Pilzbefall

Im Fahrwasser des Coronavirus breitet sich in Indien bereits eine neue Bedrohung aus. Die Zahlen von Mukomykose sind in den vergangenen Monaten stark angestiegen. Dabei handelt es sich um einen normalerweise sehr seltenen Pilzbefall, welcher laut BBC durch Kontakt mit Erde, Dünger und vergorbenen Obst und Gemüse ausgelöst wird.

Bei gesunden Menschen ist dieser „Schwarze Pilz“ harmlos. Doch in der Vergangenheit wurde bereits ein hohes Risiko bei Krebs- oder Aidspatient:innen festgestellt. Wie Al Jazeera berichtet, steigert auch eine vorhergegangene Corona-Erkrankung das Risiko sich mit dem Pilz zu infizieren. Die Folge: Der Pilz infiziert die Nase, die Ohren und in seltenen Fällen das Gehirn. Die Überlebenschancen liegen nach Angaben der BBC bei etwa 50 Prozent. Selbst wenn die betroffene Person überlebt, sind die Folgen ein Leben lang spürbar: Oft müssen die betroffenen Regionen entfernt werden, darunter etwa die Augen oder der Gaumen.

Indien nach Corona: Fälle von Pilzbefall steigen rasant an

Vor der Corona-Pandemie, so berichtet Milind Navalakhe, ein Hals-, Nasen-, Ohrenchirurg aus Mumbai, Al Jazeera, habe er etwa einen Fall pro Woche gehabt. Derzeit seien es etwa 25 Fälle pro Woche. Im gesamten Bundesstaat wurden bereits 2000 Fälle des Pilzbefalles und acht Todesfälle, die darauf zurückzuführen sind, verzeichnet.

Der Pilz, der sich in verrottetem Material bildet, hat mit der derzeit in Indien grassierenden Corona-Welle mehr neue Wirte gefunden als je zuvor. Und das Medikament Amphotericin-B, essenziell bei der Bekämpfung des Befalls, ist kaum verfügbar und sehr teuer, so Al Jazeera. Umgerechnet zwischen 55.000 und 68.000 US-Dollar kostet die gesamte Behandlung. Für die arme Landbevölkerung und die vielen Bewohner der Slums um die indischen Großstädte ist das nicht bezahlbar. Sie könnten also eine Krankheit überleben, um dann Opfer der nächsten zu werden. (als)

Rubriklistenbild: © Prabhat Kumar Verma/dpa

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