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Vertreter:innen der niedergelassenen Ärzt:innen kritisieren eine Benachteiligung gegenüber der Corona-Impfzentren. Gefordert wird eine komplette Verlegung der Impfungen in die Arztpraxen. (Symbolfoto)
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Vertreter:innen der niedergelassenen Ärzt:innen kritisieren eine Benachteiligung gegenüber der Corona-Impfzentren. Gefordert wird eine komplette Verlegung der Impfungen in die Arztpraxen. (Symbolfoto)

Corona-Impfstoffe

Kritik an Impfstoff-Verteilung - Schließung der Impfzentren gefordert

  • Ute Fiedler
    vonUte Fiedler
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Im Zuge der Bekämpfung der Corona-Pandemie sehen sich niedergelassene Ärzt:innen bei den Impfungen benachteiligt. Sie kämpfen um eine stärkere Einbindung.

Berlin - Seitdem Hausärzt:innen bundesweit gegen das Coronavirus impfen, hat das Tempo bei den Impfungen deutlich angezogen. Die niedergelassenen Ärzt:innen in Deutschland schlagen deshalb im Hinblick auf Lieferkürzungen des Corona-Impfstoffs Biontech Alarm und warnen vor einem Stocken der Corona-Impfkampagne. „Den Praxen werden in den kommenden Wochen viel weniger Biontech-Dosen zugewiesen als versprochen, weil der Corona-Impfstoff offensichtlich vorrangig an die Impfzentren geht“, kritisierte Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ).

Erste Auswirkungen der Lieferengpässe zeigen sich bereits in Brandenburg. Laut einem Bericht des ZDF können in der kommenden Woche keine Termine mehr für Erstimpfungen mit Biontech und Moderna herausgegeben werden. Mit dieser Maßnahme wolle man „soweit es irgend geht - mit den vorhandenen Biontech- und Moderna-Dosen die Kompensation der Zweitimpfungen zu Astrazeneca durchhalten“, sagte Innenminister Michael Stübgen (CDU) am Mittwoch (14.04.2021) in einer Sitzung von Gesundheits- und Innenausschuss des Landtags. „Das wird so eng werden, dass wir nach Stand jetzt nicht unbedingt in der Lage sind, das zu erreichen.“

Auch für die Praxen der niedergelassenen Ärzt:innen rechnen Experten mit Folgen. Gassen zufolge erhalten Arztpraxen zwar als Ausgleich mehr Dosen des Corona-Vakzin von Astrazeneca. Diese Rechnung gehe jedoch im Kampf gegen das Coronavirus nicht auf. „Wenn die Impfzentren komplett den vergleichsweise unproblematischen Impfstoff erhalten, die Praxen aber den umstrittenen, der zumal den unter 60-Jährigen nicht gespritzt werden darf, wird die Impfkampagne massiv ins Stocken geraten. Das darf nicht passieren“, warnte der KBV-Vorstandsvorsitzende.

Coronavirus: Herdenimmunität-Versprechen kann derzeit nicht gehalten werden

Wenn Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) seine Zuteilungsstrategie nicht ändere, rücke die Herdenimmunität in weite Ferne. Das Impfversprechen, wonach im Sommer alle Impf-Willigen gegen das Coronavirus immunisiert sein könnten, sei nach derzeitigem Stand nicht zu halten, sagte Gassen mit Blick auf die Lieferreduzierungen.

Dabei haben laut Gassen Arztpraxen – rund 75.000 stünden bereit – enorme Kapazitäten und könnten bis zu fünf Millionen Menschen pro Woche impfen. „Erhalten die Praxen genug Corona-Impfstoffe, könnten wir schon im Juni die Herdenimmunität erreicht haben.“

Dass die Impfungen nicht schneller an Fahrt aufnehmen, liege unter anderem auch an der Ständigen Impfkommission (Stiko), kritisierte Gassen. Hausärzt:innen hätten nicht ausreichend Zeit, um die Vorbehalte gegen Astrazeneca auszuräumen. Gassen forderte von der Stiko eine klare Ansage, „für wen Astrazeneca gut geeignet ist“. Auch müsse für das Vakzin die Priorisierung sofort aufgehoben werden. „Dann finden sich schnell sehr viele Menschen, die sich damit impfen lassen werden.“ Er selbst habe sich bereits mit Astrazeneca immunisieren lassen, sagte der KBV-Chef gegenüber der „NOZ“.

Coronavirus

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Eine stärkere Einbindung der Arztpraxen bei den Corona-Impfungen fordern laut tagesschau.de auch die Kassenärztlichen Vereinigungen. Sie weisen daraufhin, dass sich in den Impfzentren mehr als 3,5 Millionen unverimpfte Dosen sammelten. Auch wenn diese für Zweitimpfungen vorgehalten werden, so bremse das den Impffortschritt, sagte der Vorsitzende des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI), Dominik von Stillfried.

Vertreter niedergelassener Ärzt:innen fordern stärkere Einbindungen bei Corona-Impfungen

Er forderte, nur noch Arztpraxen mit Impfstoffen zu versorgen. Impfzentren sollten erst dann Dosen erhalten, wenn die Lagerbestände aufgebraucht seien. Derzeit erhalten die Impfzentren in der Regel pro Woche 2,25 Millionen Impfdosen vom Bund zugeteilt. Wenn sie nicht in der Lage seien, alle 2,25 Millionen Dosen pro Woche verimpfen, sollten die Impfzentren aufgelöst werden, forderte von Stillfried.

Eine Online-Petition zur Verlagerung der Impfungen in die Arztpraxen, hatte die KV in Baden-Württemberg vor Kurzem gestartet. Sie fordert, bis auf „wenige notwendige“ Einrichtungen alle zentralen Impfzentren zu schließen. „Für die niedergelassenen Haus- und Fachärzt:innen sind Impfungen Alltag. Jedes Jahr werden Millionen an Impfungen in den Praxen verabreicht – geräuschlos, effizient und kostengünstig. Genau diese Struktur muss nun genutzt werden. Zu Beginn der Impfkampagne war es richtig, die Covid-Impfungen auf Impfzentren zu konzentrieren, jetzt ist das nicht mehr vermittelbar“, heißt es in der Begründung.

Am Dienstag (14.04.2021) wurden 530.537 Menschen gegen das Coronavirus geimpft

Der Vorstoß stößt laut tagesschau.de jedoch in vielen Bundesländern auf Gegenwind. Impfzentren seien in Umfang und Geschwindigkeiten den Hausärzt:innen nicht unterlegen, teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit in Bremen unter anderem mit. Das Gesundheitsministerium Baden-Württemberg lehnte eine baldige Schließung der Impfzentren ab, stellte jedoch eine Anpassung in Aussicht. „Mittelfristig sollen die Impfungen tatsächlich komplett in den niedergelassenen Praxen durchgeführt werden, denn da gehören sie sinnvollerweise hin“, zitiert tagesschau.de eine Sprecherin.

Am Dienstagmorgen (14.04.2021) meldeten Bundesgesundheitsministerium und Robert-Koch-Institut, dass insgesamt 19.244.464 Millionen Impfdosen verabreicht worden seien. Am Dienstag haben insgesamt 530.537 Menschen eine Impfung erhalten.

(uf mit dpa)

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