Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Auffrischungsimpfung

Corona-Impfung: Dritte Spritze für bestimmte Menschen empfohlen

Forschende empfehlen eine dritte Corona-Impfung für Ältere und Menschen mit Immunschwäche.

Berlin – Ein halbes Jahr nach dem offiziellen Start der bundesweiten Impfkampagne gegen das Coronavirus raten Wissenschaftler:innen zu einer dritten Corona-Impfung für Senioren und Menschen mit Immunschwächen in diesem Herbst. „Wir müssen die nächste Phase beim Impfen jetzt schon andenken“, sagte Leif Erik Sander, Infektionsimmunologe an der Berliner Charité, der Deutschen Presse-Agentur. „Ich gehe davon aus, dass wir bei älteren Menschen, die zu Beginn dieses Jahres ihre Erst- und Zweitimpfung erhalten haben, eine nachlassende Immunantwort sehen werden.“

Sander vermutet, dass es ohne Auffrischungsimpfung im Winterhalbjahr zum Beispiel in Alten- und Pflegeheimen zu zusätzlichen Infektionen kommen könnte, „einem gewissen JoJo-Effekt“. Eine solche Auffrischung beziehungsweise „Booster“ sollte dann nicht nur Senior:innen, sondern auch Menschen mit einem geschwächten Immunsystem angeboten werden, etwa zum Zeitpunkt der Grippeschutzimpfung im Oktober.

Dritte Corona-Impfung: Noch unsichere Daten zur Immunantwort laut Stiko-Vorsitzendem Mertens

Vom Prinzip her teilt Thomas Mertens als Vorsitzender der Ständigen Impfkommission die Ansicht zu den dritten Corona-Impfungen. Er formuliert es jedoch vorsichtiger: „Die Daten dazu, wer wann erneut geimpft werden sollte, sind noch etwas unsicher“, sagt er. „Wir erwarten mehr Anhaltspunkte zur Dauer der Immunantwort nach einer Impfung bis zum August.“

Bei einem nachgewiesenen Mangel an Immunschutz bei bestimmten Bevölkerungsgruppen sei relativ kurzfristig eine Nachimpfung ratsam, sagt auch Mertens. „Dafür müssen wir aber erst ganz genau die immunsupprimierten Gruppen mit dem höchsten Risiko definieren.“ Es wäre ein Prinzip wie bei den Priorisierungen zum Impfstart im vergangenen Dezember.

Dritte Corona-Impfung – „Guter Auffrischungseffekt“ mit in Deutschland zugelassenen Impfstoffen

Sander geht davon aus, dass eine dritte Impfung mit bekannten und hier zugelassenen Impfstoffen einen sehr guten Auffrischungseffekt haben werde. „Es kann sein, dass bestimmte Kombinationen dann noch einmal einen Vorteil bringen.“ Vermutlich werde man die Vektorimpfstoffe wie den von Astrazeneca nach zweimaliger Impfung nicht noch ein drittes Mal geben. „Denn es baut sich auch eine sogenannte Vektor-Immunität auf, die die Impfwirkung abschwächt. Ich glaube, dass wir hier dann mit einem mRNA-Impfstoff wie Biontech/Pfizer oder Moderna kommen sollten.“

Die besten Kombinationen müssten aber noch in Studien gezeigt werden. Booster-Impfungen kämen häufig auch mit rund der Hälfte der Dosis aus.

Leif Erik Sander, Infektionsimmunologe an der Berliner Charité, vermutet, dass es ohne Auffrischungsimpfung im Winterhalbjahr zum Beispiel in Alten- und Pflegeheimen zu zusätzlichen Infektionen kommen könnte. (Symbolbild)

Wieler sieht Dritte Corona-Impfung für alle Menschen in Deutschland als „ethisch problematisch“

Für jüngere und gesunde Menschen spielten Auffrischungsimpfungen dagegen jetzt noch keine Rolle, so Sander. „Ich glaube nicht, dass wir uns alle zum Winter hin ein drittes Mal impfen lassen müssen“, betont er. Die Impfstoffe seien sehr gut wirksam. Sie bauten auch ein Immungedächtnis auf, das zumindest beim Großteil der Bevölkerung nicht so schnell nachlassen werde. „Ich fände es unter diesen Voraussetzungen auch ethisch problematisch, wenn wir in Deutschland für alle an eine dritte Impfung denken würden - und ein Großteil der Welt ist noch nicht einmal das erste Mal geimpft.“

Eine Masernimpfung halte ein Leben lang, der Tetanus-Schutz nur in etwa 10 Jahre, berichtet Charité-Forscher Sander. „Für Corona wissen wir das schlichtweg noch nicht, wo da jetzt die Grenze liegt.“ Langfristige Daten fehlten noch, sagt auch er. Doch bereits im kurzfristigeren Verlauf sehe man, dass älteren Menschen mit einem dementsprechend älteren Immunsystem und auch jüngere Menschen mit einem geschwächten Immunsystem auf die Erstimpfung gar nicht ausreichend reagierten. Auch die Immunantwort nach der zweiten Impfung bleibe niedriger als bei jüngeren und gesunden Menschen. „Auch wenn wir bei den Älteren dann immer von einem relativ hohen Niveau reden.“

Kampf gegen Delta-Variante mit Corona-Impfung: Auffrischung parallel zu Erst- und Zweitimpfungen

„Ich denke, es wird über die Erst- und Zweitimpfungen hinaus im Herbst Impfstoff-Reserven geben“, ergänzt Charité-Forscher Sander. „Die Auffrischung würde dann parallel zum Lückenschließen bei den Erst- und Zweitimpfungen laufen.“ Bis Ende Juli sollen alle impfwilligen Erwachsenen in Deutschland ein Angebot für eine erste Impfung erhalten haben, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag (25.06.2021) in einer Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage in Berlin. Jugendliche und Kinder zwischen 12 und 18 Jahren sollen bis Ende August ein Angebot erhalten. Gegen die Delta-Variante schützt jedoch nur eine vollständige Impfung.

Bundesweit war die Corona-Impfkampagne am 27. Dezember 2020 in Alten- und Pflegeheimen gestartet. In Sachsen-Anhalt gab es die erste Impfung schon einen Tag früher. (acg mit dpa)

Rubriklistenbild: © Daniel Karmann/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare