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Langzeitfolgen

Corona-Impfung: Sollte man Kinder aus Sorge vor Long Covid impfen?

  • Tim Vincent Dicke
    VonTim Vincent Dicke
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Zwar ist die Corona-Impfung für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen, doch das Angebot ist umstritten. Im Hinblick auf Long Covid stellen sich Eltern viele Fragen.

Frankfurt – In Deutschland schreiten die Corona-Impfungen bei Kindern und Jugendlichen mit schnellem Tempo voran. Viele Eltern sind sich allerdings unsicher, ob sie ihr Kind impfen lassen sollen. Zwar verläuft eine Covid-19-Erkrankung bei jungen Menschen meist mild, aber nach einer Infektion können Langzeitfolgen – sogenanntes Long Covid – auftreten.

Ende Mai hatte die EU-Arzneimittelbehörde grünes Licht für die Zulassung des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer für Kinder ab zwölf Jahren gegeben. „Wir haben Daten, die zeigen, dass die Anwendung bei Kindern sicher ist“, begründete die EMA die Entscheidung. Rund zwei Monate später sprach sich die Agentur für die Zulassung des zweiten Impfstoffs für Kinder aus, diesmal für das Vakzin des Biotechnologieunternehmens Moderna.

Corona-Impfung bei Kindern: Mehr als eine Million Unter-18-Jährige geimpft

Das Bundesgesundheitsministerium in Berlin begrüßte die Entscheidung nach der Bekanntmachung der EMA. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter nannte das Ministerium sie eine gute Nachricht. „Die Länder können Kindern und Jugendlichen, die geimpft werden wollen, so noch schneller ein Impfangebot machen.“

Mehr als eine Million Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren sind in Deutschland mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft.

Tatsächlich geht es bei den Kinder-Impfungen gegen das Coronavirus fix: Mittlerweile haben mehr als eine Million die Erstimpfung bekommen, teilte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Dienstag (10.08.2021) auf Twitter mit. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) entspricht das 22,5 Prozent der Altersgruppe von zwölf bis 17 Jahren. Spahn betonte: „Wir haben genug Impfstoff für alle Altersgruppen.“

Zwar sind Corona-Impfstoffe für Kinder und Jugendliche zugelassen, viele Impfungen wurden an zwölf- bis 17-Jährige verabreicht und es gibt große Mengen an Vakzinen. Einigkeit in der Debatte, ob junge Menschen sofort geimpft werden sollen, besteht in Deutschland allerdings nicht. So hat die Ständige Impfkommission noch keine generelle Impfempfehlung ausgesprochen. Die Stiko empfiehlt Impfungen bei Kindern vorerst nur bei höherem Risiko für schwere Corona-Verläufe etwa wegen Krankheiten. Mit ärztlicher Aufklärung und als individuelle Entscheidung von Kindern und Eltern können die Impfstoffe jedoch verabreicht werden.

Long Covid: Stiko wirft Politik in Debatte um Corona-Impfung bei Kindern Aktionismus vor

Thomas Mertens, Chef der Stiko, warf der Politik Aktionismus in der Debatte um Impfungen bei Kindern vor. „Der Aktionismus in der Politik trägt sicher nicht zur Beruhigung der Menschen bei“, sagte Mertens der Augsburger Allgemeinen und fügte hinzu: „Ich weiß gar nicht genau, warum das so gemacht wird. Für die Wahrnehmung in der Bevölkerung wäre es besser, wenn die Dinge etwas ruhiger und überlegter angegangen würden.“ Viel wichtiger sei es, die Impfbereitschaft in der Gruppe der 18- bis 59-Jährigen zu erhöhen. Die Impfquote in dieser Gruppe entscheide, wie die nächste Corona-Welle verlaufen werde.

Die Diskussion um die Impfungen ab zwölf trägt dazu bei, dass viele Eltern unsicher sind, ob sie ihr Kind impfen lassen sollen oder nicht. Schließlich sind die Krankheitsverläufe bei jungen Menschen weniger schwer als bei Erwachsenen. Das Bundesgesundheitsministerium teilt dazu mit: „Die Mehrzahl der Kinder zeigt nach bisherigen Studien keine Symptome oder einen milden Krankheitsverlauf, wenn sie sich mit dem Coronavirus anstecken. Wenn Symptome auftreten, haben Kinder – ebenso wie erkrankte Erwachsene – als häufigste Symptome Fieber und Husten.“

Nach Angaben des RKI muss rund ein Prozent der zwölf- bis 17-Jährigen nach einer Infektion mit dem Coronavirus ins Krankenhaus, etwa 0,001 Prozent der Infizierten sterben an Covid-19 – nur in äußerst seltenen Fällen kommt es also zum Tod. Im wöchentlichen Corona-Lagebericht des RKI vom 05.08.2021 heißt es: „Bislang sind dem RKI 23 validierte COVID-19-Todesfälle bei unter 20-Jährigen übermittelt worden. Diese Kinder und Jugendlichen waren zwischen 0 und 19 Jahre alt. Bei allen 16 Fällen mit Angaben hierzu sind Vorerkrankungen bekannt.“

Corona-Impfung: Die Studienlage zu Long Covid bei Kindern

Nach einer überstandenen Krankheit können bei Kindern Langzeitfolgen auftreten. Schilderungen von Ärzten zufolge sind eher Jugendliche als kleine Kinder von Long Covid betroffen. Solche länger anhaltenden Einschränkungen kennen Mediziner auch von anderen Virusinfektionen wie dem Pfeifferschem Drüsenfieber. Laut einer Studie des King’s College in London, bei der 1730 coronapositive Kinder untersucht wurden, erkranken Kinder seltener an Long Covid als Erwachsene.

Nur 1,8 Prozent hatten nach 56 Tagen Symptome. Nach Einschätzung der studienleitenden Forscherin Emma Duncan dürfte Long Covid bei Jüngeren daher eher eine Ausnahme sein. In einer Vergleichsstudie stellten die Wissenschaftler:innen fest, dass 4,5 Prozent der Erwachsenen nach acht Wochen noch über Symptome klagen. Eine kanadische Studie kam dagegen zum Ergebnis, dass noch drei Monate nach einer Infektion mit dem Coronavirus sechs Prozent der Kinder über lang anhaltende Beschwerden klagen. Generell ist über Long Covid wenig bekannt, die Studienlage ist dünn und viele Menschen klagen über unterschiedlichste Symptome.

Corona-Langzeitfolgen: Soll ich mein Kind zum Schutz vor Long Covid impfen?

Soll ich mein Kind zum Schutz vor Long Covid impfen? Die Frage steht weiterhin im Raum. „Aus Elternperspektive wäre mein Kind geimpft. Klarer Fall. Dieses Risiko möchte ich nicht“, sagte der Charité-Virologe Christian Drosten dem Schweizer Online-Magazin „Republik“. Er argumentiert mit Langzeitfolgen wie Geruchs- und Geschmacksverlust und Müdigkeit bei einem kleinen Teil der Betroffenen und dem Risiko des sogenannten Pädiatrischen Multisystem-Inflammationssyndroms. Dies ist eine schwere Erkrankung Wochen nach der Infektion, die bisher aber als selten und gut behandelbar gilt.

Spricht sich für die Impfung von Kindern und Jugendlichen aus: Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité. (Archivbild)

Auch Karl Lauterbach (SPD) spricht sich für die Impfung ab zwölf Jahren aus. Es sei unklar, wie viele Kinder nach einer Erkrankung mit Long Covid oder gar einem schwächeren Immunsystem zu kämpfen hätten. „Auch die Impfung von über zwölfjährigen Jugendlichen kann aus meiner Sicht sehr dabei helfen, die Pandemie zu überwinden“, sagte Lauterbach der Rheinischen Post. In Hinblick auf die Delta-Variante ist Lauterbach besorgt. „Obwohl wir dort keine oder nur sehr wenige Todesfälle erwarten müssen, wird es viele auch schwere Verläufe geben, deren Endergebnis Long Covid auch für Kinder sein kann“, warnte er in den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Keine Einigkeit bei Corona-Impfungen zum Schutz vor Long Covid bei Kindern

Jakob Maske, Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, sieht das anders. Der Kinderarzt sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Kinder sind eine relativ sichere Gruppe. Sie erkranken meistens nicht, wenn sie sich mit Corona infizieren. Das gilt auch für die neuen Virusvarianten.“ Über das Ausmaß von Long Covid, wisse man zwar noch nicht genug. „Wir sehen jedoch bisher bei Kindern und Jugendlichen weitaus mehr negative Folgen von Isolation und Pandemiemaßnahmen als von Corona und Long Covid“, so Maske.

Nach harten Einschnitten im alltäglichen Leben müsse die Gesellschaft mit jungen Menschen solidarisch umgehen. „Erwachsene müssen sich zum Schutz der Kinder gegen Covid-19 impfen lassen, nicht umgekehrt“, betonte Maske. Die Entscheidung der Stiko, die Corona-Impfung bislang nur vorerkrankten Kindern zu empfehlen, findet er gut: „Es ist unglaublich, dass manche Politiker jetzt Kinder-Impfungen empfehlen.“ (tvd mit Material von dpa)

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte

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