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Erwartungen gedämpft

Auch nach der Corona-Impfung gilt: Maske tragen und Abstand halten

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Die Corona-Impfung ist kein Allheilmittel, denn man weiß nicht, ob das Virus nicht doch weitergegeben wird. Daher gilt auch nach der Impfung: Maske tragen und Abstand halten.

  • In Deutschland beginnen ab 2021 Massenimpfungen gegen das Coronavirus Sars-CoV-2.
  • Wisschenschaflter:innen können jedoch nicht alle Unsicherheiten klären.
  • Unklar ist beispielsweise, wie lange der Impfschutz vor Corona besteht.

Frankfurt – Wer in diesen Tagen seine Hausärztin oder seinen Hausarzt nach der Corona-Impfung fragt, wird häufig zu hören bekommen, dass sich dazu noch nichts sagen lasse. Den niedergelassenen Medizinerinnen und Medizinern fehlen schlicht die nötigen Informationen.

Coronavirus – „Wir brauchen mehrere Impfstoffe“

Eine Onlineveranstaltung der Plattform „Zusammen gegen Corona“ für Ärztinnen und Ärzte belegte am Samstag diese Unsicherheit, verbunden mit Klagen über mangelndes Eingebundensein – und offenbarte zudem, wie viel zum Thema Impfung tatsächlich noch nicht geklärt ist. Rund 2000 Fragen hatten die 3000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorher eingereicht, sie wurden en bloc beantwortet von Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), des Bundesinstituts für Impfungen und biomedizinische Arzneimittel, sowie von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Im Fokus standen die in der EU kurz vor der Zulassung stehenden mRNA-Impfstoffe, wie sie von den Firmen Biontech/Pfizer und Moderna entwickelt wurden. Daneben sind noch etliche andere Impfansätze in der Pipeline, die aber zumindest in Europa und den USA noch nicht ähnlich weit fortgeschritten sind. PEI-Präsident Cichutek betonte gleichwohl: „Wir brauchen mehrere Impfstoffe.“

Auch nach der Corona-Impfung sollte man vorerst weiter auf Abstand und Maske setzen.

Schützt der Corona-Impfstoff vor einer Infektion oder nicht?

Eine Kernfrage besteht darin, ob die Corona-Impfung vor einer Infektion schützt oder lediglich vor der Erkrankung. Nur wenn verhindert wird, dass die Coronaviren sich überhaupt im Körper aufhalten und an andere weitergegeben werden können, lässt sich die Corona-Pandemie stoppen. Hier dämpften die Experten allzu große Erwartungen. Die Impfung verhindere schwere Verläufe, sagte Cichutek. Man gehe allerdings derzeit nicht davon aus, dass sie zu einer sterilen Immunität führe, also das Virus „komplett geblockt“ würde.

Wenn man nicht sicher sein kann, dass die Corona-Impfung vor der Weitergabe des Virus schützt, bedeutet das: „Auch Geimpfte sollten sich tunlichst so verhalten, als könnten sie andere anstecken“, erklärt Lothar Wieler. Trotz Impfung müssten weiter Maske getragen und Abstand gehalten werden. „Irgendwann“, so der RKI-Chef, werde man das einstellen können. „Aber dafür müssen wir weiter wissenschaftlich fundierte Daten erheben.“

Unklar ist, wie lange die Impfung vor Corona schützt

Die gleiche Unsicherheit gilt für die Frage, wie lange der Impfschutz vor Corona besteht. Das ist ebenso wenig bekannt wie die Dauer der natürlichen Immunität nach einer überstandenen Corona-Infektion. „Die Daten werden bis zur Zulassung nicht vorliegen“, sagt Cichutek. Es gebe aber Hinweise, dass die Bildung von Antikörpern „relativ lange“ anhalte, „wir hoffen, ein bisschen länger als zwei, drei Monate“. Ob ein halbes, ein Jahr, zehn Jahre – ungewiss. Der US-Pharmakonzern Moderna teilte am Freitag für sein mRNA-Vakzin mit, dass die Immunität auch nach drei Monaten noch bestehe.

Ein heikles Thema ist es für Hausärztinnen und Hausärzte auch, Auskunft zu Nebenwirkungen zu geben. Wieler und Cichutek betonten, dass keine schwerwiegenden aufgetreten seien, nur die üblichen kurzzeitigen wie Kopf- und Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit und Fieber. Anzeichen, dass die Corona-Impfung zur einer „Infektionsverstärkung“ oder einer „Autoimmunkrankheit“ führen könne, gebe es nicht, sagte Cichutek. Mit Beobachtungen von Geimpften über Jahre hinweg sollen mögliche, sehr seltene Langzeitfolgen aufgespürt werden.

Riskiogruppen bekommen Corona-Impfstoff in Deutschland zuerst

Biontech/Pfizer geben als geeignete Altersgruppe für ihren Corona-Impfstoff „16 bis 85+“ an. Kontraindikationen soll es nicht geben, unklar ist aber noch, ob Schwangere sich impfen lassen sollen. In welcher Reihenfolge wer geimpft werden soll, dazu erarbeitet die Ständige Impfkommission des RKI derzeit einen Leitfaden. Gesundheitsminister Spahn rechnet damit, dass die Empfehlungen in dieser oder der nächsten Woche vorliegen.

Man geht davon aus, dass Medizin- und Pflegepersonal sowie ältere Menschen als Erste und auch Patientinnen und Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen früh an der Reihe sind. Aber wie lassen sich Letztere feststellen, ohne die ärztliche Schweigepflicht zu verletzen? Vermutlich werde hier mit ärztlichen Bescheidungen gearbeitet, deutete Spahn an.

Er rechnet damit, dass in Deutschland Anfang Januar drei Millionen Corona-Impfdosen zur Verfügung stehen werden. Das reicht für eine Million Menschen, da die Corona-Impfung zweimal verabreicht werden muss. Anfangs soll das in großen Impfzentren passieren, dafür wolle man auch Medizinerinnen und Mediziner im Ruhestand um Mithilfe bitten. Wenn genug Corona-Impfstoff vorhanden und es technisch möglich sei, könnten dann auch Arztpraxen eingebunden werden, sagte Spahn.

Impfstoff gegen das Coronavirus: Die Impfbereitschaft bleibt eine große Unbekannte

Eine große Unbekannte bleibt die Impfbereitschaft der Bevölkerung. Ein Klinikdirektor hatte dazu das Ergebnis einer – nicht repräsentativen – Umfrage unter seinem Personal mitgeteilt. Dort wollen sich nur zehn Prozent impfen lassen. Für eine Herdenimmunität müssten zwei Drittel der Bevölkerung immun sein, also geimpft sein oder eine Infektion durchgemacht habe, sagt Wieler. „Es ist nicht die Frage, dass das gelingt, es ist nur die Frage, wie schnell.“ (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert/dpa

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