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Kampf gegen Corona: Diese Impfstoffe sollen gegen das Coronavirus helfen

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Von: Tanja Banner

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Im Kampf gegen das Coronavirus sind mehrere Impfstoffe im Einsatz oder in der Entwicklung. Ein Blick auf mRNA-Impfstoffe und Vektor-Impfstoffe von Biontech, Moderna, Novavax und Co.

Seit Anfang 2020 hält das Coronavirus Sars-CoV-2 die Welt in Atem. Doch knapp ein Jahr nach der Entdeckung des Virus, das die Krankheit Covid-19 auslöst, wurden in vielen Ländern der Welt nach und nach Impfstoffe gegen Corona zugelassen. Impfungen sollen dabei helfen, einzelne Personen vor dem Coronavirus und der Krankheit Covid-19 zu schützen - sie sollen aber auch dazu beitragen, die Corona-Pandemie einzudämmen. Das Robert Koch-Institut (RKI) geht davon aus, dass Impfungen auch dafür sorgen werden, dass Kontaktbeschränkungen mittelfristig gelockert werden können. „Zunächst muss jedoch ein Großteil der Bevölkerung eine Immunität gegen das Virus entwickelt haben“, heißt es auf der Website des RKI.

Im Kampf gegen das Coronavirus sind mehrere potenzielle Impfstoffe in der Entwicklung, teilweise wurden sie bereits in einigen Ländern zugelassen und werden bereits verimpft. Ein Überblick.

Impfung gegen Corona: mRNA-Impfstoffe sind eine neuartige Technologie

Der erste Impfstoff gegen Corona, der in Europa zugelassen wurde, wurde von dem Mainzer Unternehmen Biontech in Zusammenarbeit mit dem Pharmariesen Pfizer entwickelt. Es handelt sich um einen sogenannten mRNA-Impfstoff, eine neuartige Technologie, die erstmals zum Einsatz kommt. Geimpft wird nur die Bauanleitung für ein Fragment des Coronavirus – bestehend aus Boten-Ribonukleinsäure, oder auf englisch Messenger-RNA (mRNA). Aus diesen Informationen sollen die Zellen rund um die Impf-Einstichstelle das Virusprotein herstellen – das das Immunsystem als fremd erkennen und vernichten soll. Expert:innen halten es für ausgeschlossen, dass die mRNA ins menschliche Erbgut integriert wird und dieses verändern kann.

mRNA-Impfstoffe können schneller produziert werden als konventionelle Impfstoffe – doch sie haben einen großen Nachteil: Sie müssen bei sehr niedrigen Temperaturen gelagert werden, was die Auslieferung des Impfstoffs sehr aufwändig macht. Auch andere Unternehmen (beispielsweise die US-Firma Moderna) arbeiten an mRNA-Impfstoffen gegen das Coronavirus.

Corona-Impfung: Vektor-Impfstoffe nutzen harmlose Viren als Transporter

Andere Impfstoffe - beispielsweise das Mittel von Astrazeneca und Sputnik V aus Russland - nutzen harmlose Viren, die die Erreger-RNA transportieren. Astrazeneca nutzt ein abgeschwächtes Erkältungsvirus, das Schimpansen befällt, als sogenannten „viralen Vektor“, der die RNA des Coronavirus in den menschlichen Körper bringt. Zuvor wurde das Erkältungsvirus genetisch so verändert, dass es sich beim Menschen nicht vermehren kann. Ist die Corona-RNA im Körper angelangt, baut der Körper einen Teil des Virus nach – und das Immunsystem zerstört ihn anschließend. Der menschliche Körper ist darauf vorbereitet, das Coronavirus anzugreifen, sollte er damit konfrontiert werden.

Auch traditionelle Totimpfstoffe auf Basis von inaktivierten Viren oder Virusproteinen werden unter anderem von Sanofi, Novavax und Glaxo Smith Kline entwickelt. In China werden solche Impfstoffe bereits verabreicht.

Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer: Erster von der WHO gelisteter Covid-19-Impfstoff

Der Biontech-Impfstoff gegen Corona trägt den Namen Comirnaty (BNT162b2) und ist in der EU seit 21.12.2020 zugelassen. Seit dem 31. Dezember 2020 ist das von Biontech und Pfizer entwickelte Mittel der erste von der WHO gelistete Impfstoff gegen Covid-19.

Ausgewählte Zulassungen des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer:

Datum der ZulassungLand/Region
02.12.2020Zulassung in Großbritannien
09.12.2020Zulassung in Kanada
11.12.2020Notfallzulassung in den USA
19.12.2020Marktzulassung in der Schweiz
21.12.2020Zulassung in der EU (für Personen ab 16 Jahren)

Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer ist sehr temperaturempfindlich

Der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer ist sehr empfindlich, was Temperaturen angeht: Er kann bei Temperaturen von -80 bis -60 Grad Celsius bis zu sechs Monate lang gelagert werden. Biontech fand bei weiteren Tests heraus, dass der Impfstoff Comirnaty auch bei Temperaturen zwischen -25°C und -15°C über zwei Wochen stabil bleibt. Diese Temperaturen werden von gängigen pharmazeutischen Gefrier- und Kühlschränken erreicht. Nach dem Auftauen kann das unverdünnte Konzentrat noch für bis zu fünf Tage bei 2 bis 8 Grad Celsius im Kühlschrank aufbewahrt werden. Bis zu zwei Stunden kann das Konzentrat unterhalb von 30 Grad Celsius sein, bevor es unbrauchbar ist. Der Impfstoff muss nach der Verdünnung innerhalb von sechs Stunden verimpft werden – danach sind die Reste ebenfalls nicht mehr zu gebrauchen. Weltweit gibt es momentan zu wenig Corona-Impfstoff – es stellt sich die Frage, wann die Bevölkerung durchgeimpft ist.

Der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer gilt als gut verträglich und sicher. Innerhalb von drei bis sechs Wochen werden zwei Dosen des Impfstoffs injiziert – wobei es auch Diskussionen gibt, ob man die zweite Impfstoff-Dosis nicht nach hinten schieben könnte, um mehr Impfstoff zur Verfügung zu haben. Einigen Personengruppen wurde von der Impfung zuerst abgeraten – darunter Schwangeren und Stillenden. Seit Herbst 2021 empfiehlt die Stiko aber auch dieser Personengruppe die Impfung mit Biontech (ab dem zweiten Trimester). Als Nebenwirkungen des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer sind bisher vor allem die üblichen Impfnebenwirkungen beschrieben worden:

Corona-Impfstoff von Moderna: Weiterer mRNA-Impfstoff gegen Covid-19

Ein weiterer Corona-Impfstoff, auf dem die Hoffnungen im Kampf gegen die Pandemie liegen, stammt vom US-Biotechnologieunternehmen Moderna. Es handelt sich hierbei ebenfalls um einen mRNA-Impfstoff, der bereits am 18. Dezember 2020 eine Notfallzulassung in den USA erhalten hat. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat am 6. Dezember über eine Zulassung des Impfstoffs gegen Corona in der EU entschieden.

Ausgewählte Zulassungen des Corona-Impfstoffs von Moderna:

Datum der ZulassungLand/Region
18.12.2020USA
23.12.2020Kanada
06.01.2021Europäische Union

Ähnlich wie der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer ist auch der mRNA-Impfstoff von Moderna temperaturempfindlich. Der Wirkstoff wird bei -70 Grad Celsius transportiert, nach Unternehmensangaben kann der daraus gewonnene Impfstoff ein halbes Jahr bei -20 Grad Celsius gelagert werden. Bei 2 bis 8 Grad Celsius bleibt der Corona-Impfstoff von Moderna 30 Tage lang brauchbar.

Corona-Impfstoff von Astrazeneca: Vektor-Impfstoff gegen Covid-19

Die Universität Oxford und Astrazeneca entwickeln einen Vektor-Impfstoff gegen Corona, der bereits am 30. Dezember 2020 eine Notfallzulassung in Großbritannien erhalten hat. Auch der russische Corona-Impfstoff „Sputnik V“ nutzt diese Methode, weshalb Astrazeneca im Dezember 2020 bekannt gab, eine Studie gemeinsam mit den Entwicklern des russischen Impfstoffs durchführen zu wollen.

Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca wurde von der EMA in einem so genannten „Rolling Review“-Verfahren, bei dem immer wieder neue Datenpakete aus den Studien mit dem Impfstoff bei der EMA eintrafen, geprüft. Am 29. Januar 2021 gab es von der EMA grünes Licht und der Impfstoff, der mittlerweile den Handelsnamen Vaxzevria trägt, wurde zugelassen. Wegen mehreren Fällen von schweren, seltenen Thrombosen kam es zuerst zu einem vorübergehenden Impfstopp in der EU. Nach einer Prüfung ließ die EMA das Medikament wieder zu. Mittlerweile wird der Corona-Impfstoff Vaxzevria von Astrazeneca in Deutschland nur noch für Personen ab 60 Jahre empfohlen.

Datum der ZulassungLand/Region
30.12.2020Großbritannien
30.12.2020Argentinien
03.01.2020Indien
29.01.2021Europäische Union

Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson

Am 11. März 2021 wurde in der EU der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson zugelassen. Er stammt vom Unternehmen Janssen-Cilag International NV (Janssen Pharmaceutica), das zum Gesundheitskonzern Johnson & Johnson gehört. Bei dem Corona-Impfstoff handelt es sich ebenfalls um einen Vektor-Impfstoff, der allerdings im Gegensatz zu anderen Vakzinen mit einer einzigen Impfdosis auskommt. Allerdings gelten seit Januar 2022 neue Regulierungen. So gelten als mit Johnson & Johnson geimpfte Personen nur als vollständig geimpft, wenn auf die Erstimpfung eine Zweitimpfung erfolgt. Die Zweitimpfung soll möglichst mit einem mRNA-Imfpstoff wie dem von Biontech/Pfizer vier Wochen nach der Erstimpfung erfolgen, teilte das Gesundheitsministerium in Deutschland mit.

Der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson kann bei Temperaturen zwischen -25°C und -15°C bis zu zwei Jahre lang gelagert werden. Im Kühlschrank ist er bei 2°C bis 8°C drei Monate haltbar. Ist ein Fläschchen angebrochen, kann es noch maximal sechs Stunden im Kühlschrank oder bis zu drei Stunden bei maximal 25°C aufbewahrt werden, sollte aber möglichst schnell verbraucht werden. Auch der Impfstoff von Johnson & Johnson wird von der Stiko in Deutschland nur noch Personen ab 60 Jahren empfohlen.

Corona-Impfstoff von Novavax

Seit Februar 2022 empfiehlt die ständige Impfkommission auch eine Impfung mit dem Corona-Vakzin von Novavax. Die Empfehlung kann zwar noch angepasst werden, aber zum jetzigen Stand (Februar 2022) wird der Impfstoff von Novavax für Personen ab 18 Jahren empfohlen. Zwei Dosen sollen im Abstand von mindestens drei Wochen verimpft werden.

Datum der ZulassungLand/Region
01. November 2021Indonesien
17. November 2021Philippinen
20. Dezember 2021Europäische Union
28. Dezember 2021Indien
12. Januar 2022Südkorea
20. Januar 2022Australien
03. Februar 2022Vereinigtes Königreich
03. Februar 2022Neuseeland

Der Novavax-Impfstoff basiert dabei auf Proteinen. Dabei wird das sogenannte Spike-Protein der Krankheit Sars-Cov-2 verwendet und massenhaft in Zellkulturen reproduziert. Das menschliche Immunsystem bildet nach der Impfung Antikörper gegen das Protein, eine Corona-Infektion kann so abgewehrt werden. Das Vakzin von Novavax soll ab dem 21. Februar 2022 in Deutschland verfügbar sein.

Impfungen gegen Corona: Können Geimpfte das Coronavirus weitergeben?

Die zugelassenen Impfstoffe schützen gegen das Coronavirus – doch können Geimpfte das Coronavirus trotzdem noch weitergeben? Diese Frage ist bisher nicht geklärt. Dr. Sebastian Hoehl vom Institut für Medizinische Virologie des Universitätsklinikums Frankfurt erklärt dazu gegenüber der „Pharmazeutischen Zeitung“: „Im Fall der Kandidaten für eine SARS-CoV-2-Impfung wissen wir heute noch nicht, ob sowohl die Erkrankung als auch ein Ausscheiden des Erregers verhindert werden.“ Und auch die Frage, wie lange Geimpfte gegen das Coronavirus immun sind, ist noch nicht abschließend beantwortet. Doch Studien laufen weiter, die Arbeit der Wissenschaft steht noch ganz am Anfang. Jeder Monat wird weitere Erkenntnisse bringen – sowohl über das Coronavirus als auch über seine Bekämpfung. (Tanja Banner)

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