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Ulf Dittmer leitet das Institut für Virologie an der Universitätsmedizin Essen
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Ulf Dittmer leitet das Institut für Virologie an der Universitätsmedizin Essen und kooperiert mit der Universität in Wuhan, wo das Coronavirus zuerst auftauchte.

Interview

So gut schützen die Impfungen vor Corona – Virologe klärt auf

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
    schließen

Der Virologe Ulf Dittmer aus Essen klärt über die Immunität nach der Corona-Infektion und über die Impfungen auf. 

Herr Dittmer, Sie sind Virologe der Universitätsmedizin Essen und kooperieren mit der Universität in Wuhan, wo das Virus vor mehr als einem Jahr auftauchte und die ersten Menschen erkrankten. Was weiß man inzwischen darüber, wie lange die Immunität nach einer Infektion anhält?

Wir sehen, dass die Antikörper-Antwort sehr stabil ist, viel stabiler, als man es zunächst angenommen hatte. Bei vielen Menschen, die infiziert waren, ließen sich noch neun Monate später Antikörper nachweisen. Allerdings gibt es große individuelle Unterschiede.

Es scheint so zu sein, dass Menschen, die asymptomatisch geblieben sind und von ihrer Infektion unter Umständen gar nichts gemerkt haben, weniger Antikörper aufweisen als Menschen, die richtig erkrankt waren. Die Untersuchungen aus Wuhan zeigen auch, dass die Immunität bei Menschen, die Symptome hatten, viel länger anhält als nach schwachen oder asymptomatischen Infektionen. Da verschwinden die Antikörper schneller.

Virologe über Corona-Impfung: „Impfstoffe lösen stärkere Antikörper-Antworten aus“

Wie stark und langanhaltend ist dazu im Vergleich die Immunität nach einer Impfung?

Die Impfstoffe lösen häufig stärkere Antikörper-Antworten aus als eine Infektion mit Sars-CoV-2. Wie lange der Schutz allerdings anhält, wissen wir bislang noch nicht.

Improvisierter Schutz in Wuhan, als Corona sich gerade zu verbreiten begann und es noch keine Impfung gab.

Wie lange nach einer durchgemachten Infektion kann oder sollte man sich impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt, sechs Monate zu warten. Das hat den Grund, dass es teilweise sehr heftige Impfreaktionen gab, wenn jemand die Infektion erst vor Kurzem durchgemacht hatte. Diese Menschen waren dann relativ krank nach der Impfung.

Virologe Ulf Dittmer: Vorsicht mit der Corona-Impfung bei schweren Autoimmunerkrankungen

Aber wenn jemand zum Beispiel lediglich Corona-positiv getestet wurde und asymptomatisch infiziert war, kann es sein, dass er schon nach kurzer Zeit nur noch wenige Antikörper aufweist. Deshalb könnte es in solchen Fällen sinnvoll sein, den Antikörper-Gehalt im Blut messen zu lassen.

Gibt es Menschen, die sich lieber nicht impfen lassen sollten?

Die einzige Einschränkung, die ich sehe, sind bestehende schwere Autoimmunerkrankungen wie etwa das Guillain-Barré-Syndrom. In solchen Fällen könnte die Impfung möglicherweise Schübe verursachen. Die Betroffenen sollten deshalb mit ihrem Arzt sprechen, bevor sie sich impfen lassen.

Und gibt es Menschen, die auf die Impfung verzichten können?

Es ist wichtig, dass sich auch die jungen Menschen impfen lassen, wenn sie ein Impfangebot erhalten. Denn auch bei ihnen kann es zu Long-Covid-Verläufen kommen, die mit monatelang anhaltenden Leistungseinbußen, Müdigkeit, Gedächtnisproblemen und Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns verbunden sein können.

Zur Person

Ulf Dittmer leitet das Institut für Virologie an der Universitätsmedizin Essen und erforscht unter anderem chronische Virusinfektionen und Interaktion des Immunsystems mit Viren. Er hat in Göttingen promoviert und am National Institute of Health der USA gearbeitet. Seit 2011 ist er in Essen und seit 2016 Gastprofessor an der Huazhong University in Wuhan.

Vollständig Geimpfte sollen nach Aussage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bald Freiheiten zurück- bekommen. Sie könnten dann „wie jemand behandelt werden, der negativ getestet wurde“ und müssten auch nicht mehr in Quarantäne, sagte Spahn der „Bild am Sonntag“. Der SPD- Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und andere unterstützen Spahn. Das RKI berichtete am Samstag, das Risiko einer Infektion 15 Tage nach kompletter Impfung sei geringer als „bei Vorliegen eines negativen Antigen-Schnelltests bei symptomlosen infizierten Personen“. Das könnte rechtliche Folgen haben. epd/FR

Virologe rät junge Menschen zu Impfung: Long-Covid ist nicht an schweren Corona-Verlauf gekoppelt

Long-Covid ist nicht an einen schweren Verlauf bei der akuten Erkrankung gekoppelt, das kann auch bei milder Symptomatik passieren. Hier an der Universitätsmedizin Essen haben wir einen Sportler wegen Long-Covid behandelt, der gehofft hatte, an Olympia teilnehmen zu können. Er ist jung und hat keinerlei Vorerkrankungen. An diesem Beispiel sieht man, dass Long-Covid jeden treffen kann.

Seit etwas mehr als einem Jahr ist Sars-CoV-2 bekannt – und das ursprüngliche Virus aus Wuhan soll inzwischen kaum noch kursieren. Was denken Sie, wie das Virus sich weiterentwickeln wird?

Es werden weiterhin neue Varianten auftauchen. Wir sehen Evolution in Echtzeit. Alle RNA-Viren, zu denen auch Sars-CoV-2 gehört, versuchen sich anzupassen, der Immunantwort aus dem Weg zu gehen, Medikamenten aus dem Weg zu gehen, wie wir es von Bakterien bei Antibiotika kennen. Es wird ein Wettrennen bleiben zwischen dem Virus und dem Wirt.

Was bedeutet das für die Schutzwirkung der Impfung?

Die Impfstoffe lösen eine breite Immunantwort aus, die neben Antikörpern auch T-Zellen umfasst. Dem werden auch künftige Mutationen nicht komplett entfliehen können. Aber es könnte sein, dass die Impfung nur noch eingeschränkt vor einer Infektion schützt. Der Schutz vor einer schweren Erkrankung wird aber weiter bestehen bleiben.

Wie gut schützen Impfungen vor dem Coronavirus? (Symbolbild)

Ist damit zu rechnen, dass wir Corona nicht mehr loswerden?

Das Virus wird ein stetiger Begleiter bleiben und nicht mehr aus der menschlichen Population verschwinden. Es ist inzwischen in jedem Land der Welt verbreitet. Wir müssten mehr als 95 Prozent der Weltbevölkerung impfen, um es auszulöschen. Das ist völlig unmöglich, schon allein deshalb, weil es Menschen gibt, deren Immunsystem nicht ausreichend funktioniert, die deshalb auch nach einer Impfung keinen Schutz aufbauen.

Virologe über Corona: Sars-CoV-2 wird typische grippale Infekte auslösen

Außerdem gibt es auch außerhalb der menschlichen Population tierische Reservoire für das Virus. Ich gehe aber davon aus, dass es mit der Zeit eher harmloser wird, so wie die anderen Coronaviren. Wie diese Erreger wird auch Sars-CoV-2 dann typische grippale Infekte auslösen, vielleicht mit einigen wenigen schweren Verläufen. Aber dieser Prozess würde Jahre in Anspruch nehmen, das können wir mit dem Impfen beschleunigen. (Interview: Pamela Dörhöfer)

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