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Helfer gehen durch das zweite neueröffnete Impfzentrum Berlins, im Erika-Hess-Eissatdion.
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Für Organtransplantierte ist die Corona-Impfungen kein Problem.

Corona

Corona-Impfung: Große Sorgen bei Menschen nach Organtransplantationen

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Der Schutz könnte durch Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, geringer sein. Steter Kontakt zum Transplantationszentrum ist wichtig.

Frankfurt am Main - Ein Geschenk, das Leben bedeutet: So sehen viele Menschen, die eine gespendete Niere, Leber, Lunge oder ein „neues“ Herz eingepflanzt bekamen, ihr transplantiertes Organ, sagt die Intensivmedizinerin Ebru Yildiz, Leiterin des Westdeutschen Zentrums für Organtransplantation der Universitätsmedizin Essen, einem der großen Transplantationszentren der Republik. Ein Geschenk, auf das sie meist lange bange gewartet haben.

Die größte Angst dieser Menschen sei es deshalb, das wieder zu verlieren, sagt die Ärztin. Und deshalb seien nun Viele verunsichert, ob sie sich gegen das Coronavirus impfen sollen. „Sie fragen sich nicht wie andere: ,Wie wirkt sich die Impfung auf mich aus?‘ Sondern: ,Wie wirkt sich das auf mich und mein Geschenk aus. Muss ich, wenn etwas passiert, wieder von vorne anfangen?‘“

Die Nephrologin findet solche Sorgen sehr verständlich, doch sie sagt auch, dass sie sich auf jeden Fall impfen lassen sollen. „Ich sehe eigentlich kein Risiko.“ Ihr Kollege Ulf Dittmer, Leiter des Instituts für Virologie in Essen, glaubt ebenfalls, dass Organtransplantierte „sich ohne weiteres impfen lassen können“. Die Fachgesellschaften für Organtransplantation sind sich in ihrer Empfehlung pro Impfung ebenso einig. Vorsicht, sagt Ebru Yildiz, sei allerdings in den ersten sechs Monaten nach der Transplantation geboten. Denn in der Zeit müssten die Medikamente, die ein Abstoßen des fremden Gewebes verhindern sollen, höher dosiert werden als später. Diese Immunsuppressiva unterdrücken Immunreaktionen; der Grund, warum Organtransplantierte dann auch besonders anfällig für Infektionen sind.

Corona-Impfung für Organtransplantierte: Vakzine beruhen auf unterschiedlichen Technologien

Aber gilt die Empfehlung für jeden Impfstoff? Die bisher in der EU zugelassenen Vakzine basieren auf unterschiedlichen Technologien: Bei den mRNA-Impfstoffen (Biontech/Pfizer und Moderna) wird der genetische Bauplan für das Spike-Protein in Lipid-Nanopartikel gehüllt und geimpft. Vektorimpfstoffe (Astrazeneca, Johnson & Johnson) nutzen ein nicht mehr vermehrungsfähiges Trägervirus, um das genetische Material für das Spike-Protein in die menschlichen Zellen zu transportieren. Grundsätzlich könnten sich organtransplantierte Menschen mit jedem der zugelassenen Vakzine impfen lassen; Yildiz wendet nur ein: „Wenn man es sich aussuchen könnte, würde ich mRNA-Impfstoffe empfehlen. Aber wenn man die Wahl nicht hat, ist auch ein Vektorimpfstoff in Ordnung“, sagt Ebru Yildiz.

Zunächst waren Fachleute, etwa von der Deutschen Gesellschaft für Organtransplantation, zurückhaltend, ob sich Vektorimpfstoffe wie der von Astrazeneca, Johnson & Johnson oder auch Sputnik V für Menschen mit einem gespendeten Organ eignen. „Es gab Fragezeichen, ob ein minimales Risiko besteht, dass das Vektorvirus im Körper doch noch lebensfähig sein und sich vermehren können“, so Yildiz.

Die Impfung wird auch Organtransplantierten empfohlen.

Corona-Impfung für Organtransplantierte: mRNA den Vorzug geben

„Der Hintergrund ist, dass man Menschen mit eingeschränktem Immunsystem nicht mit lebenden Viren impfen soll, denn sie können die deutlich schlechter kontrollieren als Menschen, deren Immunsystem normal funktioniert“, erläutert Ulf Dittmer. Da Organtransplantierte lebenslang Immunsuppressiva nehmen müssen, arbeitet ihr Abwehrsystem nicht so gut wie bei völlig Gesunden. „Per definitionem“ zählten Vektorvakzine zu den Lebendimpfstoffen, erklärt der Virologe: „Allerdings wurden sie genetisch so verändert, dass sie sich nur einmal vermehren können. Das ist ein eingebauter Schutz, der dazu führt, dass man ziemlich sicher auch Organtransplantierte damit impfen kann.“

Klassische proteinbasierte Vakzine, die nicht die genetische Information, sondern das Antigen in Form von Virusproteinen impfen, eigneten sich für diese Gruppe weniger gut, sagt Dittmer. Der Grund: „Sie lösen meist eine schwächere Immunreaktion aus.“ Bislang ist in der EU noch kein proteinbasiertes Corona-Vakzin auf dem Markt.

Organtransplantierte gehören zur Prioritätengruppe 2 für eine Corona-Impfung

Organtransplantierte gehören nach einer Hochstufung mittlerweile zur Prioritätengruppe 2 fürs Impfen, sind also zeitgleich mit den über 70-Jährigen an der Reihe. Allerdings rät Ebru Yildiz den Betroffenen, selbst aktiv zu werden und Kontakt mit ihrem Transplantationszentrum aufzunehmen. Sie benötigen eine ärztliche Bescheinigung, denn: „Die Gesundheitsämter wissen nicht, wer ein Organ transplantiert bekommen hat.“

Menschen, die mit einem Spenderorgan leben, gelten als besonders gefährdet durch eine Infektion mit Corona. Praktische Erfahrungen bestätigen das allerdings nicht so eindeutig, betonen Yildiz und Dittmer: „Eigentlich sehen wir im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung keinen Unterschied (...) Das hätten wir alle nicht erwartet, weil sich Organtransplantierte in der Regel leichter mit Krankheitserregern infizieren und dann auch stärkere Beschwerden haben. Das scheint bei Corona etwas anders zu sein.“

Virologe Dittmer spricht von zwei verschiedenen Beobachtungen. „Primär“ seien diese Patientinnen und Patienten gefährdet, weil die Immunsuppressiva, die sie einnehmen, vor allem die T-Zellen unterdrücken, die Virus-infizierte Zellen abtöten. „Das bedeutet, dass sie die Vermehrung der Viren nicht so gut verhindern können.“ Andererseits wisse man aber inzwischen, dass schwere Verläufe bei Covid-19 oft mit einer überschießenden Immunreaktion einhergehen. So seien gerade die genannten T-Zellen daran beteiligt, wenn das eigene Gewebe in der Lunge angegriffen wird. „Teilweise sehen wir organtransplantierte Patienten mit einer hohen Viruslast, die sie nicht kontrollieren können. Sie haben aber gar keine Erkrankung, weil es bei ihnen zu keinem Prozess der Autoimmunität kommt“, berichtet Dittmer.

Coronavirus

Alle Informationen finden Sie auf der Themenseite Corona-News.

Corona-Impfung für Organtransplantierte: Wasserverlust bei Fieber

Wegen ihrer Immunschwäche sei zu vermuten, dass die Impfung bei Organtransplantierten nicht so genauso gut wirkt wie bei anderen: „Aber auch wenn sie weniger Antikörper und T-Zellen bilden, so ist das besser als nichts.“ Auch zeigten sie, so Dittmer, „so gut wie keine Nebenwirkungen – denn diese werden ja durch die starke Immunreaktion verursacht.“

Sollten Organtransplantierte dennoch Beschwerden nach einer Impfung haben, sollten sie sich sofort an ihr Transplantationszentrum wenden, warnt Ebru Yildiz. Denn auch normale Reaktionen wie starkes Schwitzen durch Fieber, von denen Geimpfte bereits berichtet haben, können durch den Wasserverlust für Nierentransplantierte problematisch werden, erklärt die Essener Intensivmedizinerin.

Grundsätzlich rät sie allen Transplantierten, in der Pandemie nicht den Kontakt zur ihrem Transplantationszentrum zu verlieren, und das auch ganz unabhängig von der Impfung. (Pamela Dörhöfer)

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