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Nachdem sie ihre Impfung gegen das neuartige Coronavirus erhalten hat, sitzt die 90-jährige Odores H. unter dem Kuppeldach des Impfzentrums in der Festhalle in Frankfurt.
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In der Festhalle in Frankfurt betreibt das Land Hessen eines seiner Impfzentren.

Dr. Hontschiks Diagnose

Corona-Impfung: Ein Großversuch mit ungewissem Ausgang

  • Bernd Hontschik
    vonBernd Hontschik
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An die Stelle solider Arzneimittelsicherheit ist das Prinzip Hoffnung getreten.

  • Gegen Ende des 18. Jahrhunderts beginnt die Geschichte der Impfung.
  • Nun wird über die Impfung gegen das Coronavirus heiß diskutiert.
  • News zum Coronavirus: Alle Informationen finden Sie auf unserer Themenseite.

Die Geschichte der Impfung beginnt vor rund 225 Jahren, am 14. Mai 1796. Der englische Landarzt Edward Jenner hatte beobachtet, dass Milchmägde, die eine harmlose Kuhpocken-Erkrankung überstanden hatten, danach nicht mehr an Pocken erkrankten. So ritzte er dem achtjährigen James Phipps eine kleine Wunde in den Oberarm und rieb Eiter aus Kuhpockenbläschen hinein. Eine geringe Lokalreaktion war rasch abgeklungen.

Sechs Wochen später brachte er an der gleichen Stelle Eiter mit echten Pockenviren ein. Der Junge erkrankte nicht. Er war immun. Jenner begann nun mit einer regelrechten Versuchsserie, zumeist an Kindern, sogar auch an seinem elf Monate alten Sohn Robert. Seine Theorie funktionierte in der Praxis – zum Glück. Das hätte auch anders ausgehen können.

Edward Jenner war Vorreiter bei Impfungen

Edward Jenner konnte mit dem Kuhpocken-Lebendimpfstoff den Ausbruch der unheilbaren lebensgefährlichen Pockenerkrankung verhindern. Es begann ein weltweiter Siegeszug der Pockenimpfung. Die Öffentlichkeit war begeistert. Auf dem Impfausweis meines Ur-ururgroßvaters Eduard Honzik, der am 22. April 1807 in Brünn im Alter von einem Jahr geimpft worden war, steht daher zu lesen: „Es lebe Dr. Jenner“.

In der Folge wurden viele weitere Impfungen entwickelt mit abgeschwächten oder getöteten Erregern, die jeder kennt, gegen Mumps, Masern, Keuchhusten, Wundstarrkrampf, Kinderlähmung, Typhus und andere. Heute sind diese Impfungen selbstverständliche Bestandteile der medizinischen Routine, besonders in der Kinderheilkunde.

Der Impfpass des Ur-ururgroßvaters.

Historischer Pass

Der hier abgebildete Impfpass ist rund 220 Jahre alt und belegt, dass Eduard Honzik, der Urururgroßvater unseres Kolumnisten Bernd Hontschik, am 22. April 1807 in Brünn gegen die Pocken geimpft wurde. Hontschiks Familie stammt aus der Gegend rund um die Stadt, die damals noch zu Österreich gehörte, heute aber Brno heißt und zu Tschechien gehört.

Das Dokument entdeckte Bernd Hontschik im Nachlass seines Vaters zwischen Stammbäumen und Urkunden. „Auf der letzten Seite des Ausweises ist etwas vermerkt, das ich leider nicht entziffern kann“, sagt Hontschik. Er hat einen Medizinhistoriker gebeten, sich das anzuschauen. boh

Corona-Impfstoffe: Nachdenklichkeit und Besorgnis sind unerwünscht

Gegenwärtig wird über die Impfung gegen das Coronavirus heiß diskutiert. Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Professor Wolf-Dieter Ludwig, wurde jüngst gefragt, ob es auf Kosten der Qualität ginge, dass Covid-19-Impfstoffe so schnell entwickelt und zugelassen worden sind wie nie zuvor. Seine Antwort lautete: „Ich hoffe nicht.“

Entsetzen packte mich. An die Stelle solider Arzneimittelsicherheit ist das Prinzip Hoffnung getreten. Einige gesetzliche und wissenschaftliche Vorgaben der Prüfung und Zulassung von Arzneimitteln mussten verbogen, übersprungen, ignoriert und komprimiert werden, um schon ein Jahr nach der ersten Corona-Diagnose mit gewaltigen, bis dato nicht dagewesenen Impfprogrammen mit einer zuvor noch nie angewandten Technologie starten zu können. Nachdenklichkeit und Besorgnis sind dabei eher unerwünscht.

225 Jahre nach Edward Jenner kann nämlich heute wieder von einer bahnbrechenden medizinischen Innovation berichtet werden: Vektorimpfstoffe, mRNA-Impfstoffe und DNA-Impfstoffe sind allesamt genbasiert. Dabei wird nicht das fremde Antigen, also der abgeschwächte oder abgetötete Erreger, sondern der genetische Bauplan des Antigens in die Körperzelle transportiert, um eine Immunantwort auszulösen. So faszinierend diese neuen Methoden sind, so wenig weiß man über mittel- und längerfristige Folgen ihrer Anwendung.

Zur Person

Dr. med. Bernd Hontschik ist Chirurg und Publizist, zum Weiterlesen empfiehlt er heute: „Patente garantieren Gewinne. Und töten Menschen.“ www.patents-kill.org/deutsch

Corona-Impfstoffe: Es ist ein Versuch mit ungewissem Ausgang

Insofern ist die Lage heute ähnlich wie sie es für Edward Jenner vor 225 Jahren war: Es ist ein Versuch mit ungewissem Ausgang. Wenn Ihnen also jemand erzählt, die aktuelle Covid-19-Impfung sei ungefährlich, dann hören Sie ruhig weg. Und wenn Ihnen jemand erzählt, sie sei lebensgefährlich, dann können Sie auch weghören. Denn man weiß das nicht, man kann das nicht wissen.

Unklar ist auch noch immer, wie groß der Schutz durch die Impfung wirklich ist, besonders hinsichtlich der inzwischen aufgetretenen Mutationen. Unklar ist auch, ob man andere anstecken kann, obwohl man geimpft ist. Fragen über Fragen, wenig Antworten, viele Hypothesen. Für Geimpfte müssen daher weiterhin die gleichen Regeln gelten wie für Nichtgeimpfte. Wer sich impfen lassen will, muss von all diesen Unsicherheiten wissen.

Eines ist aber völlig anders als vor 225 Jahren: Edward Jenner verzichtete auf ein Patent, denn er wollte, dass von der Pockenimpfung alle profitieren. Biontech-Chef Ugur Sahin hingegen gehört seit kurzem mit einem Vermögen von mehr als fünf Milliarden Dollar zu den 500 reichsten Menschen der Welt. (Bernd Hontschik)

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