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Corona-Impfung
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Seit drei Monaten wird in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft. (Symbolfoto)

Corona

Hausarzt entwickelt Impfplan: Wie täglich eine Million Menschen geimpft werden könnten

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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Das Impftempo in Deutschland lässt bislang zu wünschen übrig. Ein Hausarzt hat nun einen Impfplan aufgestellt, wonach relativ schnell viele Menschen geimpft werden könnten.

Frankfurt – Der Impfstart gegen das Coronavirus in Deutschland ist etwas mehr als drei Monate her. Mindestens die erste Dosis haben bislang 12,7 Prozent der Bevölkerung erhalten, etwa zehn Millionen Leute. Um die dritte Welle zu ausbremsen, reicht das nicht, lautet die Einschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI). Denn die Infektionszahlen und Inzidenzen steigen zu deutlich an. Hinzu kommen Sorgen um die brasilianische Variante P.1 – einzelne Fälle wurden in Deutschland bereits vermeldet.

Sowohl die Intensivmedizin als auch führende Fachleute sprechen sich für einen harten Lockdown aus, um das Infektionsgeschehen möglichst unter Kontrolle zu bekommen. Doch auf Kontaktbeschränkungen könnte man verzichten – solange die Impfrate hoch genug ist.

Corona in Deutschland: Forscher berechnen, wie Infektionsgeschehen kontrolliert werden könnte

Das behaupten der Physikprofessor Claudius Gros von der Goethe-Universität Frankfurt und Dr. Daniel Gros, Wirtschaftswissenschaftler vom Center for European Policies Studies in Brüssel. Mit einer mathematischen Formel, die sie zusammen entwickelt haben, lasse sich abschätzen, bei welcher Impfgeschwindigkeit die Pandemie auch ohne Lockdown beherrschbar bleibe. So heißt es in der Pressemitteilung zur Studie, die am 8. April in der Publikation „Covid Economics“ erscheinen soll.

In erster Linie seien nach wie vor ältere Menschen durch die Pandemie betroffen. Wegen ihrer höheren Anfälligkeit für einen schweren Verlauf mit Covid-19, der tödlich enden kann, setzen Impfstrategien häufig bei ihnen an, um eine Überlastung des Gesundheitssystems sowie hohe Todeszahlen zu vermeiden. Der geeignete Zeitpunkt zu lockern, so heißt es, lasse sich mit einer Faustformel bestimmen. Die wöchentliche Zunahme der Corona-Infektionen müsse ins Verhältnis zur Steigerung der verabreichten Impfungen gesetzt werden.

Erkranken x Prozent der Bevölkerung mehr wöchentlich, müssen im selben Zeitraum x*f/100 Prozent der Bevölkerung mehr geimpft werden. Zu Beginn der Impfkampagne lag der Faktor f=2. Dieser steige, sobald ein Teil der Bevölkerung vollständig geimpft wurde und liege momentan bei f=6, so die Fachleute. Steige die Inzidenz um x=20 Prozent die Woche, müssten 20*6/100=1,2 Prozent der Bevölkerung zusätzlich vollständig geimpft werden, heißt es in der Mitteilung. Diese gelte für die Impfdosen, die nach Alter verabreicht werden. Zu berücksichtigen sei zudem, dass für eine vollständige Immunisierung gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 zwei Dosen notwendig sind.

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„Da diese Impfgeschwindigkeit derzeit verhältnismäßig gering ist, dürfte nach unseren Berechnungen die 7-Tagesinzidenz pro Woche nicht mehr als 13 bis 16 Prozent ansteigen, damit die Todesraten gering bleiben und das Gesundheitssystem nicht überlastet wird“, erläutert Dr. Daniel Gros. In der letzten Märzwoche seien die Infektionszahlen mit Corona allerdings um 25 Prozent gestiegen. Damit seien „umfangreiche Kontaktbeschränkungen unausweichlich, und aggressive Mutanten haben mehr Möglichkeiten, sich auszubreiten“. Die Faustformel erlaube eine „einfache und schnelle Abschätzung“, die zeigt, wie geimpft werden müsse, um die Folgen der Pandemie für das Gesundheitswesen noch beherrschen zu können, fügt Prof. Claudius Gros hinzu. Allerdings habe man versäumt, den Pharmaunternehmen Anreize für eine frühe Herstellung der Corona-Impfstoffe zu setzen.

Damit mehr, beziehungsweise schneller geimpft werden könne, müsse sich in Deutschland allerdings einiges ändern, so die Wissenschaftler. Besonders im Vergleich zu den USA oder Großbritannien laufe es äußerst schleppend. Das liege teils nicht nur an der vergleichsweise geringen Zahl verfügbarer Impfdosen, sondern auch an organisatorischen Schwierigkeiten. Hinzu komme das Hin und Her beim Impfstoff von Astrazeneca, betonen die Forscher.

Hausarzt entwickelt Corona-Impfplan

Eine Idee, wie die Impfungen zügiger vonstattengehen können, hat Achim Wallau, Hausarzt aus Wiesbaden. Als Mitentwickler des „Impfplaners 4.0“ will er der Pressemitteilung zufolge, dass die „Impfkapazität von derzeit 170.000 auf über eine Million am Tag“ erhöht wird. Die Software soll „Hausärzte, Impfpraxen und Impfzentren noch schneller“ machen. Denn derzeit gehe bei einem Impftermin viel Zeit verloren, oftmals durch bürokratischen Aufwand, so Wallau. „Eine Herdenimmunität könnte bereits nach drei Monaten erreicht werden“, sagte der Arzt im Interview mit der „Welt“. Das Heilbronner Unternehmen Navatec verhandle seit Monaten mit Landesregierungen, im Einsatz sei der „Impfplaner 4.0“ aber noch nirgends, betonte Wallau.

Die Plattform sieht vor, sämtliche Hausärztinnen und Hausärzte zu integrieren, um alle Daten zu erfassen, Aufklärungsgespräche zu führen und Termine zu vergeben. Über die Software erhalten Patientinnen und Patienten schließlich ein Ticket mit QR-Code, das alle notwendigen Daten beinhaltet. Damit verhindere man Zettelwirtschaft und reduziere die Verweildauer auf ein Minimum – bis zu fünf Minuten anstatt 45 Minuten wie es derzeit oft der Fall sei, betont der Hausarzt. Die Geschwindigkeit beim Impfen lasse sich um 500 Prozent beschleunigen, gab das Unternehmen Navatec bekannt.

Diese Software hat allerdings auch einen Haken. Sie soll auch als Bestellsystem für Impfstoffe fungieren. Das möglich zu machen, ist allerdings schwierig. Die Zuständigkeit für die Impfstoff-Beschaffung teilt sich zwischen Bund und Ländern auf. Die Impfungen beim Hausarzt starten am Dienstag (06.04.2021) nach Ostern. Ein einheitliches System für die Terminvergabe und Aufklärungsgespräche gibt es allerdings nicht. Die Kompetenz dafür läge beim Bund.

Corona: Spahn kündigt weitere Impfdosen an

„Das wird noch kein großer Schritt sein, aber ein wichtiger“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vergangene Woche. Man etabliere hiermit Abläufe, um die Impfzahlen in wenigen Wochen erheblich steigern zu können.

Demnach hätten 35.000 Praxen 1,4 Millionen Impfdosen für die erste Woche bestellt. Geliefert werden sollen zunächst 940.000 Dosen, gemäß den Planungen von Bund und Ländern. Ende April sind mehr als drei Millionen Imfpdosen angekündigt. Weitere 2,25 Millionen sollen an die Impfzentren der Bundesländer gehen. (Lukas Rogalla)

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