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Impfungen

Corona-Impfstoffe: Klinische Studien bestätigen guten, aber keinen vollständigen Schutz vor Covid-19

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Die Corona-Impfstoffe schützen sehr gut vor milden und schweren Verläufen – auch ältere Menschen. Es gibt aber Hinweise, dass sich Infektionen nicht komplett verhindern lassen.

  • Kann eine Impfung gegen das Coronavirus eine Infektion komplett verhindern?
  • Studien zeigen jetzt, dass die in der EU zugelassenen Corona-Impfstoffe schwere Covid-Erkrankungen nahezu komplett verhindern.
  • Noch nicht abschließend beantworten lässt sich die Frage, ob die Impfungen auch die Weitergabe des Virus blockieren.

Frankfurt – Erste Beobachtungen aus dem „richtigen Leben“ bescheinigen Impfstoffen gegen Covid-19 eine hohe Wirksamkeit. So bestätigen „Real-Life-Daten“ aus Israel für das mRNA-Vakzin von Biontech/Pfizer die Ergebnisse der klinischen Studien, wonach die Impfung das Risiko, an Covid-19 zu erkranken um mehr als 90 Prozent senkt. Die im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte Studie basiert auf der Analyse der gesammelten Daten von 1,2 Millionen Versicherten einer israelischen Krankenkasse. In Israel, das gerne als „Impfweltmeister“ bezeichnet wird, erhielt bereits ein Drittel der Bevölkerung die zweite Injektion mit dem Vakzin. Das Land hatte sich frühzeitig sehr viele Dosen gesichert und mit dem US-Pharmakonzern Pfizer eine Abmachung über das Weiterleiten von Daten getroffen.

Für die Beobachtungsstudie wurden die Daten von jeweils knapp 600 000 geimpften und ungeimpften Menschen verglichen. Mit Blick auf Alter und Gesundheitszustand sollen beide Gruppen nahezu identisch zusammengesetzt gewesen sein. Die Auswertung ergab, dass das Vakzin nach der zweiten Impfung das Risiko einer symptomatischen (milden) Covid-19-Erkrankung um 94 Prozent reduzierte, das für einen schweren Verlauf um 92 Prozent. Nach der ersten Dosis stellte sich eine Wirksamkeit von 57 Prozent (symptomatische Erkrankungen) und 62 Prozent (schwere Verläufe) ein. Die Zahl der Klinikaufenthalte soll insgesamt um 87 Prozent gesenkt worden sein.

Corona-Impfung: Risiko auf schweren Verlauf um 92 Prozent reduziert

Dabei scheint der Impfstoff gegen die britische Virusvariante ähnlich effektiv zu sein wie gegen den „Wildtypus“. Denn in Israel soll dieser Erregerstamm mittlerweile für etwa 80 Prozent der Infektionen verantwortlich sein.

Corona-Impfstoffe sind ein guter Schutz gegen eine schwere Erkrankung.

Für die in Südafrika erstmals aufgetauchte Virusvariante lässt sich eine solche Aussage jedoch nicht treffen, da sie in Israel vor dem Abschluss der Studie nur vereinzelt nachgewiesen worden war. Bei Laborversuchen sei die Wirksamkeit um den Faktor drei herabgesetzt gewesen, sagte Biontech-Chef Ugur Sahin kürzlich. Er vermutet aber, dass dieser Wert noch für eine ausreichende Neutralisation der Viren sorgt.

Corona-Impfstoffe: Positive Meldungen aus Schottland

Positiv klingen auch die Ergebnisse eines Forschungsteams der Universität Edingburgh aus Schottland. Die Wissenschaftler:innen hatten dafür eine große Menge an Daten analysiert. Vom 8. Dezember bis zum 15. Februar haben in Schottland 21 Prozent der Bevölkerung insgesamt 1,1 Millionen Impfdosen erhalten. 650 000 Menschen bekamen das mRNA-Vakzin von Biontech/Pfizer, 490 000 den Vektorimpfstoff von Astrazeneca. Anders als in Deutschland, Österreich oder auch Frankreich haben in Großbritannien von Beginn der Impfkampagne an auch Menschen über 65 Jahren das Vakzin von Astrazeneca erhalten.

Wie das „Ärzteblatt“ berichtet, habe die Impfkampagne in Schottland zu einer „deutlichen Entlastung“ der Krankenhäuser geführt. Durch den Impfstoff von Biontech/Pfizer werde das Risiko, wegen Covid in eine Klinik zu müssen, um bis zu 85 Prozent gesenkt. Beim Vektorimpfstoff von Astrazeneca soll das Risiko einer Hospitalisierung sogar um 94 Prozent zurückgegangen sein. Bei Menschen über 80 Jahren sei das Risiko, wegen Covid ins Krankenhaus zu müssen, bereits in der vierten Woche nach der ersten Dosis um 81 Prozent gesunken.

In Gesellschaft eine große Gefahr: ein einzelnes Coronavirus unter dem Mikroskop.

Corona-Impfstoff Astrazeneca auch für ältere Menschen geeignet

Der Präsident der britischen Gesellschaft für Immunologie, Arne Akbar, bezeichnet diese Reduzierung der Krankenhausaufenthalte bei älteren Menschen durch die Impfung laut „Ärzteblatt“ als „bemerkenswert hoch“. Weitere, von „Public Health England“ veröffentlichte Daten deuten ebenfalls darauf hin, dass mRNA-Impfstoffe und der Vektorimpfstoff von Astrazeneca ältere Menschen etwa gleich gut vor einer Erkrankung schützen können.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Immunologie erklärt in einer aktuellen Stellungnahme, dass die in der EU zugelassenen Impfstoffe schwere Covid-Erkrankungen nahezu komplett verhindern und symptomatische (milde) Verläufe mit hoher Effektivität reduzierten – Biontech/Pfizer zu 95 Prozent, Moderna zu etwa 94 Prozent und Astrazeneca zu circa 80 Prozent. Ebenfalls bei der südafrikanischen und der brasilianischen Variante seien die Impfungen „nicht wirkungslos“ und schützten „wahrscheinlich immer noch vor einer schweren Covid-19-Erkrankung“.

Corona-Impfungen: Vermehrung des Virus wird vermindert

Noch nicht abschließend beantworten lässt sich indes die Frage, ob die Impfungen auch die Weitergabe des Virus blockieren, ob sie sicher verhindern, dass Geimpfte sich infizieren und andere anstecken können. Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie räumt zwar ein, dass eine solche „sterile Immunität“ nicht für alle Geimpften anzunehmen sei, betont aber, dass die Vermehrung des Virus durch die Immunreaktion in Geimpften vermindert werde. Das würde auch die Gefahr der Weitergabe des Virus verringern. Die Fachgesellschaft vermutet, dass diese Reduktion „deutlich“ ausfällt.

Eine weitere, auf „MedRxiv“ veröffentlichte und noch nicht begutachtete Studie aus Israel liefert erste Anhaltspunkte. Das Forschungsteam hatte 2897 Menschen, die mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer geimpft wurden, zwölf bis 28 Tage nach der ersten Dosis auf Spuren des Virus untersucht. Bei den meisten fand sich nichts. Bei einigen war der Test allerdings positiv. Ihre Viruslast sei aber im Vergleich zu ungeimpften Infizierten um den Faktor vier reduziert gewesen, heißt es. Damit waren diese Menschen weniger ansteckend.

Kann die Impfung eine Corona-Infektion komplett verhindern?

Im Wissenschaftsmagazin „The Conversation“ fasst es die US-amerikanische Mikrobiologin und Impfstoffforscherin Deborah Fuller von der University of Washington so zusammen: „Kann die Impfung eine Infektion komplett verhindern? Die kurze Antwort lautet: nein. Man kann sich immer noch infizieren, wenn man geimpft wurde. Aber das Risiko, ernsthaft krank zu werden, ist gleich null.“ Die Mikrobiologin verweist darauf, dass das Immunsystem jedes Menschen ein bisschen anders arbeite. Nicht bei allen werde deshalb eine Infektion verhindert, gleichwohl sei es selbst in diesem Fall extrem unwahrscheinlich, dass man dann ins Krankenhaus müsse. Auch reduziere die Impfung die Virusmenge, die aus Mund und Nase entweiche, und verkürze die Zeit, in der Infizierte das Virus verbreiten können. „This is a big deal.“

Allerdings weist die Mikrobiologin auch darauf hin, dass Virusvarianten, gegen die Impfungen nicht mehr so gut wirken, dazu beitragen können, dass auch Geimpfte ansteckend bleiben. Es werde deshalb viel länger dauern, eine Herdenimmunität zu erreichen als wenn Sars-CoV-2 nicht mutiert wäre. Gleichwohl ist die Mikrobiologin zuversichtlich: „Wenn alles gut geht, werden die Impfstoffe sehr bald weltweit die Rate der ernsthaften Erkrankungen und Todesfälle reduzieren.“ (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © Mohd Faizol Aziz

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