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Corona-Pandemie

Corona-Impfung für Kinder: Mediziner warnen – „Kein Lakritzbonbon“

  • Anna Charlotte Groos
    VonAnna Charlotte Groos
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In der Diskussion um Corona-Impfungen bei Kindern äußern Mediziner:innen Kritik. Auch die Idee einer Schulimpfkampagne kommt bei Stiko-Chef Mertens nicht gut an.

Frankfurt/Hamburg – In der Debatte um die Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche äußern Mediziner:innen trotz der erteilten EMA-Empfehlung Zweifel. Dabei halten einige vor allem die vorhandene Datenlage für zu ungenau und plädieren für eine genaue Analyse von Risiko und Nutzen.

Die EU-Kommission erteilte am Montag (31.05.2021) nach einer entsprechenden Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) die notwendige Zulassung des Impfstoffs für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren. Dabei handelt es sich um den Impfstoff von Biontech/Pfizer. Eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) in Deutschland steht zum jetzigen Zeitpunkt noch aus.

Corona-Impfung bei Kindern: Risiken und Nebenwirkungen seien noch zu unerforscht

Der Virologe Klaus Überla, Professor an der Universität Erlangen und Stiko-Mitglied, plädierte für Zurückhaltung bei der Impfung für Kinder, bis Details über mögliche medizinische Nebenwirkungen bekannt seien, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Natürlich ist es zum Aufbau einer möglichst umfassenden Bevölkerungsimmunität sinnvoll, auch Kinder in das Impfkonzept einzubeziehen“, sagte Überla. Die Risiken des Nichtimpfens seien bei gesunden Kindern jedoch gering und die Risiken des Impfens nicht ausreichend bekannt.

Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, mahnte zur Vorsicht und sprach sich gegen eine allgemeine Impfempfehlung aus. Man müsse sich „wie bei jeder medizinischen Intervention - auch beim Impfen - überlegen, wie stehen Risiko und Nutzen in welchem Verhältnis“, sagte Reinhardt am Mittwoch im Inforadio des rbb.

Da junge Menschen überwiegend nur leicht und oberflächlich erkranken oder sogar symptomlos die Infektion durchleben würden, „muss man sich überlegen, ob das ein ausreichender Grund ist, um einen Menschen zu impfen.“ Die Entscheidung, ob ein Kind geimpft werde oder nicht, solle laut Reinhardt den Eltern überlassen werden. Auch mit Blick auf noch unbekannte Nebenwirkungen „sind wir der Auffassung, dass man das individuell im Einzelfall entscheiden sollte“, sagte Reinhardt.

Corona-Impfung: „Den Kindern bietet man kein Lakritzbonbon an“

Die Entscheidung, ob die Stiko empfehle, alle Kinder zwischen zwölf und sechszehn Jahren gegen das Coronavirus zu impfen, müsse „auf der besten verfügbaren Evidenzbasis getroffen werden“, so Thomas Mertens, Vorsitzender der Stiko, im NDR-Podcasts „Das Coronavirus-Update“ am Dienstag. Die Daten aus der Zulassungsstudie des Herstellers seien dafür jedoch nicht ausreichend: „Die Zahl der in der Studie geimpften Kinder ist einfach zu gering, um eine belastbare Aussage über die Sicherheit in dieser Altersgruppe zu machen.“ Immerhin 1,3 Prozent der 1100 in der Studie geimpften Kinder hätten schwere Reaktionen gezeigt.

Stiko-Chef Mertens Mertens warb zudem um Verständnis für die zögerliche Haltung bei Kinderimpfungen gegen Corona. Gleichzeitig appellierte er an die Politik: „Den Kindern bietet man ja kein Lakritzbonbon an, das ist ein medizinischer Eingriff, und der muss eben entsprechend indiziert sein.“

In der Debatte um die Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche äußern Mediziner:innen trotz der erteilten EMA-Empfehlung Zweifel. (Symbolbild)

Corona-Impfung bei Kindern: Idee einer großen Schulimpfkampagne sei „grenzwertig“

Zudem sei es „wirklich eine ausgesprochene Rarität“, dass Kinder schwer an Covid-19 erkranken, sagte Mertens. Daran dass für Kinder mit Vorerkrankungen jedoch eine Impfempfehlung der Stiko folgen solle, könne „eigentlich kein vernünftiger Zweifel bestehen“, so Mertens. Unklar sei nur die Frage, ob es eine generelle Empfehlung gebe.

Dass in der Debatte um das Impfen bei Kindern immer wieder der Schulbetrieb als Argument herangeführt werde, halte Mertens für „nicht besonders sinnvoll“. Die Impfung sollte keine Voraussetzung „für das das normale Leben der Kinder“ sein, so Mertens. Auch der Nutzen für die Herdenimmunität sei gering: „Man sollte die Hoffnung auf den epidemiologischen Effekt nicht übertreiben“, so Mertens. So lange der Impfstoff knapp sei, müsse man sich entscheiden, ob man lieber Jugendliche oder Erwachsene impfe. Die Idee einer großen Schulimpfkampagne nannte Mertens „wirklich von der Logik her meines Erachtens grenzwertig“.

Corona-Impfung bei Kindern soll auch ohne Stiko-Empfehlung Teil der Impfkampagne sein

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will Kinder und Jugendliche in die Impfkampagne einbinden – auch ohne allgemeine Stiko-Empfehlung. In Rahmen der Impfkampagne werden die Kosten vom Bund übernommen. Im Fall von Impfschäden besteht laut Bundesgesundheitsministerium auch Anspruch auf Versorgung nach dem sozialen Entschädigungsrecht.

Die Stiko gebe nur eine Empfehlung, sagte Spahn. „Im Lichte dieser Empfehlung können dann die Eltern mit ihren Kindern, den Ärztinnen und Ärzten die konkreten Entscheidungen treffen, ob jemand geimpft wird oder nicht.“ Dies sei eine individuelle Entscheidung. (Anna Charlotte Groos mit dpa)

Rubriklistenbild: © Andreea Alexandru/dpa

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