Zurzeit laufen beim Gesundheitsunternehmen Sanofi intensive Vorbereitungen, um nach der Zulassung eines Impfstoffs unmittelbar lieferfähig zu sein.
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Eine altbekannte Substanz könnte bei einer Corona-Infektion vor einem schweren Krankheitsverlauf schützen.

Forschung

Corona-Impfung: Ein alter Impfstoff gilt nun als Hoffnungsträger

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Ein altbekanntes Vakzin verhindert laut einer Studie Atemwegsinfekte – und könnte auch gegen Mutationen des Coronavirus wirksam sein. Bringt das den Durchbruch?

  • Ein gegen Tuberkulose entwickelter Impfstoff könnte auch gegen das Coronavirus helfen.
  • In verschiedenen klinischen Studien soll jetzt die Wirksamkeit gegen Covid-19 getestet werden.
  • Auch ein in den USA entwickelter Antikörper könnte den Durchbruch in der Forschung für einen Impfstoff bringen.

Frankfurt - Ein alter Impfstoff als Hoffnungsträger: Vor mehr als 100 Jahren wurde das Vakzin Bacillus-Calmette-Guérin (BCG) als Schutz vor der Tuberkulose entwickelt. Perfekt hat das nicht funktioniert, die Wirksamkeit von BCG bei Tuberkulose beträgt nur 50 bis 80 Prozent. Die Stärken des Impfstoffs scheinen indes weniger im passgenauen Schutz zu liegen, sondern eher in einer unspezifischen Aktivierung des Immunsystems. Und mit dieser Eigenschaft könnte der alte Impfstoff zur Abwehr von Atemwegsinfekten und möglicherweise auch des Coronavirus eingesetzt werden.

Erste positive Ergebnisse dazu liegen bereits vor. So habe der BCG-Impfstoff bei einer seit September 2017 laufenden griechisch-niederländischen Studie die Zahl der Atemwegsinfektionen bei älteren Menschen deutlich gesenkt, wie das „Ärzteblatt“ berichtet. Seit drei Jahren impfen Medizinerinnen und Mediziner an der Universitätsklinik Attikon in Athen Patientinnen und Patienten über 65 Jahre bei der Entlassung aus dem Krankenhaus entweder mit BCG oder einem Placebo. Das Forscherteam hat jetzt ein Zwischenergebnis präsentiert: Demnach sind in den ersten zwölf Monaten nach der Impfung lediglich bei zwei Prozent der Frauen und Männer, die BCG erhielten, Infektionen aufgetreten. In der Placebogruppe hingegen erkrankten 42,3 Prozent.

Verschiedene Studien: Ob eine BCG-Impfung gegen Corona helfen kann wird momentan erprobt

Die immunologischen Tests bestätigten die „Booster“-Wirkung für das körpereigene Abwehrsystem. Die Athener Studie startete bereits zu einem Zeitpunkt, als an Corona nicht zu denken war. Ob die BCG-Impfung über die Aktivierung des Immunsystems auch vor Covid-19 schützen kann, wird derzeit in verschiedenen Studien getestet. Eine davon läuft in Deutschland. An mehreren medizinischen Zentren wird unter der Leitung der Medizinischen Hochschule Hannover seit Juni eine gentechnisch veränderte Variante des Bacillus-Calmette-Guérin erprobt. Er hat den Namen VPM 1002 und wird vom Serum Institute of India, dem weltweit größten Produzenten von Impfstoffen, in Zusammenarbeit mit der Vakzine Projekt Management GmbH (VPM) Hannover hergestellt.

VMP 1002 soll besser verträglich und wirksamer sein als der alte Tuberkulose-Impfstoff, weil die infizierten Zellen sich selbst zerstörten und das Vakzin damit aus dem Körper verschwinde, erklärt Leander Grode, Geschäftsführer von VPM. Der Impfstoff bietet nach Angaben des Unternehmens einen wirksameren Schutz vor Tuberkulose als BCG. Im Falle des Coronavirus könne er zwar nicht sicher vor einer Infektion bewahren, sagt Grode, wohl aber vor einem schweren Verlauf.

Weil die Substanz nicht direkt auf das Virus, sondern auf das Immunsystem ziele, verliere VMP 1002 auch dann seine Wirkung nicht, wenn sich neue Stämme von Sars-CoV-2 bildeten. Mit einem Ergebnis der Studie rechnet Grode frühestens im Juni oder Juli 2021.

Coronastudien: Auch aus den USA gute Neuigkeiten zu Fortschritten in der Forschung beim Impfstoff

Eine andere positive Nachricht kommt aus den USA: Dort testet das Pharmaunternehmen Lilly einen Antikörper mit dem Namen LY-CoV555. Er wurde im Blut eines genesenen Patienten identifiziert und richtet sich gegen das Spike-Protein auf der Oberfläche des Erregers. Erprobt wurde die experimentelle Therapie bislang bei 302 Frauen und Männern mit leichten bis mittelschweren Covid-19-Erkrankungen. Ein Teil erhielt eine einmalige Infusion des Antikörpers. Während in der Placebogruppe sechs Prozent aufgrund der Infektion ins Krankenhaus oder die Notaufnahme musste, waren es in der Antikörper-Gruppe 1,7 Prozent. Weltweit wird nach Antikörpertherapien von Covid-19 gesucht. (Von Pamela Dörhöfer)

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