Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Coronavirus Sars-CoV-2

Corona-Impfstoff: Nebenwirkungen sind möglich - aber nicht zwangsläufig ein Grund zur Sorge

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
    schließen

Gleich mehrere Corona-Impfstoffe werden entwickelt. Nebenwirkungen treten zumeist auf. Sie können ein Zeichen für ein gutes Immunsystem sein.

Frankfurt – Gut verträglich und sicher – so beschreiben die Hersteller ihre neuen mRNA-Impfstoffe gegen Covid-19; die in den Studien beobachteten Nebenwirkungen sollen mild bis moderat ausgefallen sein und nur kurzzeitig angehalten haben. Doch welche Unpässlichkeiten und Beschwerden verbergen sich konkret dahinter, auf was sollte man sich einstellen, wenn man sich impfen lässt? Mit den neuartigen genetischen Vakzinen, die in Großbritannien und den USA bereits verabreicht werden und auch in der Europäischen Union kurz vor der Zulassung stehen, gibt es bislang keine praktische Erfahrung.

Gleichwohl können einige Menschen bereits berichten, wie es ihnen nach der Impfung mit einem mRNA-Impfstoff ergangen ist – sie haben an einer klinischen Studie teilgenommen. Eine von ihnen ist die US-amerikanische Pflegewissenschaftlerin Kristen Choi. Ihr Bericht im Fachmagazin „Journal of the American Medical Association“ vermittelt ein natürlich subjektives, aber eben auch anschaulicheres Bild als die nüchternen Angaben in den wissenschaftlichen Publikationen.

Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer basiert auf neuartiger Technologie

Choi, die selbst in der klinischen Forschung arbeitet, hatte sich im August 2020 zur Teilnahme an der klinischen Phase-III-Studie des Impfstoffs BNT162b2 gemeldet, den das Mainzer Unternehmen Biontech und der US-Pharmakonzern Pfizer entwickelt haben und der jetzt in Großbritannien und den USA bereits eingesetzt wird. Wie es bei diesen Studien üblich ist, wussten die Probandinnen und Probanden nicht, ob sie das Vakzin oder ein Placebo erhalten hatten. Die vor allem nach der zweiten Dosis auftretenden Symptome ließen Choi aber zu der relativ sicheren Annahme kommen, dass ihr der Impfstoff verabreicht worden war.

Zur Info

Der Impfstoff der Pharmafirmen Biontech und Pfizer basiert auf einer neuartigen Technologie, die bislang weltweit noch nie bei einer Impfung angewandt wurde: Es wird nicht ein komplettes Antigen geimpft, das dann die Immunantwort hervorrufen soll, sondern nur die Bauanleitung für ein Fragment des Erregers. Diese besteht aus einzelsträngiger Boten-Ribo- nukleinsäure, – auf Englisch: Messenger-RNA oder kurz mRNA.

Für die Covid-19-Impfung enthält sie die Erbinformation für das Spike-Protein auf der Oberfläche des Virus. Die Muskelzellen rund um die Einstichstelle sollen auf Basis dieser Informationen das Virusprotein dann selbst herstellen. Nach getaner Arbeit soll das Immunsystem die vom Körper produzierten Virenproteine als fremd erkennen und vernichten.

Noch ist nicht klar, ob die Impfung nur vor dem Krankheitsbild Covid-19 schützt oder auch zu einer sterilen Immunität führt, die verhindert, dass Geimpfte sich infizieren und andere anstecken können. Ebenso wenig weiß man, wie lange die Immunität nach einer natürlichen Infektion anhält und wie lange die Schutzwirkung der Impfung besteht. Als ausgeschlossen sehen Expert:innen an, dass die RNA ins menschliche Erbgut integriert wird und dieses dann verändern kann.

Weltweit wird weiter an Impfstoffen geforscht. Einige davon sind ebenfalls mRNA-Impfstoffe (zum Beispiel der der US-Firma Moderna), andere arbeiten mit harmlosen Viren als Transporter für die Erreger-RNA (Astra-Zeneca und Sputnik V aus Russland). Beide Verfahren sind genbasiert. Aber auch traditionelle Totimpfstoffe auf Basis von inaktivierten Viren oder Virusproteinen sind in der Entwicklung (Sanofi/Glaxo Smith Kline) oder werden wie in China bereits verabreicht.

Die mRNA-Vakzine müssen zweimal gegeben werden, der Abstand zwischen den beiden Dosen beträgt etwa drei Wochen. Nach der ersten Spritze habe sie nicht viel gemerkt, schreibt Kristen Choi: „Mein Arm war wund, aber ich spürte sonst nichts Außergewöhnliches.“ Sie konnte deshalb auch erst mal nicht einschätzen, ob sie den Impfstoff oder ein Placebo erhalten hatte.

„Die Erfahrung nach der zweiten Injektion war anders“, berichtet die Wissenschaftlerin: „Mein Arm auf der Seite, wo ich die Spritze bekommen hatte, fing schnell an zu schmerzen, viel stärker als beim ersten Mal. Am Ende des Tages fühlte ich mich benommen, mir war übel, ich fror und hatte furchtbare Kopfschmerzen. Ich ging früh zu Bett und bin sofort eingeschlafen. Gegen Mitternacht wachte ich auf und es ging mir schlechter. Ich fühlte mich fiebrig, mir war schlecht und schwindelig, ich hatte Schüttelfrost und so starke Muskelschmerzen, dass ich meinen Arm nicht mehr heben konnte. Meine Temperatur betrug 37,4 Grad.“ Am nächsten Morgen war das Fieber auf 40,5 gestiegen. Choi bekam Angst. Sie meldete sich bei der zuständigen Anlaufstelle. Dort sagte ihr eine Schwester, dass viele Leute solche Reaktionen nach der zweiten Spritze zeigten. Im Laufe des Tages sank dann das Fieber, alle Symptome verschwanden, so Choi, bis auf eine Beule am Arm, wo die Spritze angesetzt wurde.

Corona-Impfstoff: Nebenwirkungen als Immunreaktion des Körpers?

Von ähnlichen Erfahrungen erzählen auch andere Probandinnen und Probanden. So zitiert die „Washington Post“ den Arzt und Studienteilnehmer David Yamane, der ebenfalls von Schüttelfrost und Kopfschmerzen berichtet und davon, so müde gewesen zu sein, dass er nachmittags auf der Couch eingeschlafen und erst am nächsten Tag schweißgebadet wieder aufgewacht sei. „Diese Symptome sind kein Spaß“, sagte der Mediziner der Zeitung.

Gleichwohl sind sie weder ungewöhnlich noch gefährlich – sondern vielmehr ein Zeichen, dass das Immunsystem reagiert, was ja erwünscht ist. Auch andere Impfungen können zu ähnlichen Beschwerden führen.

Corona-Impfung: Symptome könnten Barriere erhöhen

Kristen Choi fürchtet trotzdem, dass solche Symptome eine Barriere für die Corona-Impfung darstellen könnten. „Ärzte müssen darauf vorbereitet sein, Patienten zu erklären, dass die Nebenwirkungen der Impfung einer Covid-19-Erkrankung sehr ähnlich sein können, es sich aber um normale Immunreaktionen handelt und sie ein Zeichen sind, dass die Impfung funktioniert.“

Die Pflegewissenschaftlerin ist nicht die Einzige, die betont, dass es wichtig sei, die Bevölkerung über Nebenwirkungen aufzuklären und sie nicht zu verschweigen. Der Impfstoff werde „spürbar“ sein, man werde sich nicht wohlfühlen, sagte laut US-Medienberichten auch die Medizinerin Sandra Fryhofer von der Emory University in Atlanta bei einer Tagung der American Medical Association: „Darauf müssen wir unsere Patienten hinweisen.“

Auf den Impfstoffen gegen das Coronavirus, wie hier der von Pfizer und Biontech, liegen große Hoffnungen (Symbolbild),

Biontech-Impfstoff: Kurzfristige Nebenwirkungen laut Bericht relativ häufig

Ein von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA veröffentlichtes Dokument belegt, dass kurzzeitige Nebenwirkungen relativ häufig sind. In dem 53 Seiten starken Bericht veröffentlicht die Behörde das Ergebnis ihrer Überprüfung von Studiendaten, die zur Notfallzulassung des Biontech/Pfizer-Impfstoffs geführt haben. Die Bewertung fällt insgesamt positiv aus, nicht nur wegen der Schutzwirkung vor einer Erkrankung, die nach der ersten Dosis mit 52,4 und nach der zweiten mit 95 Prozent beziffert wird.

Insgesamt umfasste die Phase-III-Studie für den Biontech/Pfizer-Impfstoff rund 44 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, von denen etwa die Hälfte den Impfstoff und die andere ein Placebo erhielt. Rund 40 Prozent waren älter als 55 Jahre. Kinder und Jugendliche nahmen nicht teil. Die Wirksamkeit soll bei jüngeren wie älteren, gesunden wie vorerkrankten Menschen und auch in verschiedenen ethnischen Gruppen etwa gleich gut gewesen sein.

Corona-Impfstoff: Nebenwirkungen treten bei jüngeren Teilnehmer:innen häufiger auf

Nebenwirkungen traten bei den jüngeren Teilnehmerinnen und Teilnehmern von 18 bis 55 Jahren häufiger auf, was damit zu tun hat, dass bei älteren Menschen das Immunsystem oft träger arbeitet. In beiden Altersgruppen kam es wie bei Kristen Choi nach der zweiten Dosis verstärkt zu Nebenwirkungen.

Am häufigsten traten Schmerzen an der Einstichstelle auf, die allerdings schon nach der ersten Dosis einsetzten; mehr als 80 Prozent machten diese Erfahrung. Mehr als die Hälfte befiel nach der Impfung Müdigkeit. Über Kopfschmerzen klagten in der Altersgruppe der 18- bis 55-Jährigen 51,7 Prozent, bei den Älteren waren es 39 Prozent. Muskelschmerzen traten bei 37,3 Prozent der Jüngeren und 28,7 Prozent der Älteren auf, Schüttelfrost bei 35,1 und 22,7 Prozent, Gelenkschmerzen bei 21,9 und 18,9 Prozent. Fieber über 38 Grad entwickelten 15,8 Prozent in der Gruppe der Jüngeren und 10,9 Prozent in der Gruppe der Älteren. Durchfall trat bei 10,4 und 8,3 Prozent auf.

Hautausschläge und Atemnot möglich: Allergiker-Warnung vor Corona-Impfung

Außerdem wurden in der Gruppe der Geimpften 64 Fälle von Lymphadenopathie, einer Schwellung der Lymphknoten, beobachtet. Auch zu allergischen Reaktionen kam es unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die den Impfstoff erhielten, etwas häufiger als in der Placebogruppe. Nachdem in Großbritannien zwei Männer mit allergischer Vorgeschichte nach der Impfung anaphylaktische Reaktionen gezeigt haben, rät die britische Gesundheitsbehörde nun bei „signifikanter“ Allergiegeschichte vorerst von einer Impfung ab.

Anaphylaktische Reaktionen können sich in Form von Hautausschlägen zeigen, aber auch zu Atemnot führen und lebensbedrohlich werden. Gewarnt werden müssen alle Menschen, die zu schweren allergischen Reaktionen auf ein Lebensmittel, ein Medikament oder eine Impfung neigen. Die Vermutung lautet, dass im Fall des neuen Corona-Vakzins die Reaktion durch Bestandteile der Lipidhülle hervorgerufen wird. Diese umgibt den eigentlichen Inhaltsstoff, die Messenger-Ribonukleinsäure (mRNA).

Corona-Impfung: Drei Fälle bei mRNA-Impfstoff von Moderna

Vereinzelt traten in den Studien aber auch schwere Ereignisse auf, von denen bis jetzt nicht klar ist, ob sie in Zusammenhang mit der Impfung stehen. So gab es vier Fälle von Fazialisparese, einer in der Regel vorübergehenden Gesichtslähmung, die auch von einer Viruserkrankung hervorgerufen werden kann. In der Placebogruppe trat kein Fall auf, aber die Rate in der Impfgruppe sei nicht höher als in der normalen Bevölkerung, beruhigte die FDA. Weil aber auch beim mRNA-Impfstoff des US-Pharmakonzerns Moderna drei solche Fälle in der Impfstoffgruppe (einer in der Placebogruppe) aufgetreten sind, rät die FDA, das weiter zu beobachten.

Eine Person bekam zudem Herzrhythmusstörungen, eine weitere erlitt eine Schulterverletzung auf der Seite des Impfarms. Auch bei diesen Fällen steht nicht fest, wie es dazu kam.

Aufgrund des Tempos, in dem die Impfstoffe entwickelt und auf den Markt gebracht wurden, lässt sich über sehr seltene oder erst später auftretende Nebenwirkungen noch nichts sagen. Deshalb sollen bei „Anwendungsbeobachtungen“ weitere Erkenntnisse über die Impfstoffe und ihre Wirkung gesammelt werden. (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © BILL GREENBLATT via www.imago-images.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare