Corona-Krise

Biontech: EU sichert sich Corona-Impfstoff ‒ Deutschland stünden 56 Millionen Dosen zu

  • Marvin Ziegele
    vonMarvin Ziegele
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Darauf wartet die ganze Welt: Ein Corona-Impfstoff könnte kurz vor der Zulassung stehen. Laut Forschungsministerin Karliczek (CDU) wird er nicht vorschnell genehmigt.

  • Ein Impfstoff gegen das Coronavirus* schürt Hoffnung.
  • Tatsächlich könnte ein solcher Impfstoff der Firma Biontech kurz vor der Zulassung stehen.
  • Forschungsministerin Karliczek (CDU) will Zweifel an der Sicherheit des Impfstoffs ausräumen.

+++ 15.06 Uhr: Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) widerspricht Bedenken, dass ein Impfstoff gegen das Coronavirus vorschnell genehmigt werden könnte. „Wir halten uns an unsere hohen Qualitätsstandards im Zulassungsverfahren“, versicherte sie. „Darauf sollen die Menschen sich verlassen können.“ Ein Corona-Impfstoff müsse die gleichen hohen Standards erfüllen wie andere Impfstoffe auch. „Deshalb wäre auch eine Zulassung in diesem Jahr ein ganz, ganz, ganz enormer Erfolg“, sagte die Ministerin.

Die Pharmafirmen Biontech und Pfizer hatten am Montag bekanntgegeben, dass ihr Impfstoff einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor Covid-19 biete. Eine Zulassung zunächst in den USA soll frühestens kommende Woche beantragt werden. Wann der Impfstoff in Deutschland auf den Markt kommen könnte, ist offen. Die EU hat mit den Unternehmen aber bereits einen Liefervertrag ausgehandelt - Deutschland möchte bis zu 100 Millionen Dosen erhalten.

Die EU-Kommission will einen festen Vertrag für den Impfstoff mit den Firmen Biontech und Pfizer „in den kommenden Tagen“ unterzeichnen, sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides am Dienstag. Die Kommission bekräftigte, dass die EU-Staaten gemäß ihrem Bevölkerungsanteil Impfstoff zugewiesen bekommen sollen. Rechnerisch wären dies für Deutschland im besten Fall 56 Millionen Dosen. Denn in einem Vorvertrag mit den beiden Unternehmen hat sich die EU-Kommission 200 Millionen Dosen gesichert, für weitere 100 Millionen gibt es eine Option. Ausgehend von diesen 300 Millionen für die EU verfügbaren Dosen bekäme Deutschland 56 Millionen. Bekommt die EU nur die vorab vereinbarten 200 Millionen Impfdosen, wären es etwa 37 Millionen für Deutschland. Pro Impfung sind zwei Dosen des Impfstoffs nötig.

Biontech: EU sichert sich Corona-Impfstoff ‒ Vertrag über 200 Millionen Impfdosen „in trockenen Tüchern“

Update vom Dienstag, 10.11.2020, 13.19 Uhr: Den Menschen in Europa soll der vielversprechende Corona-Impfstoff der Pharmafirmen Biontech und Pfizer schnell nach einer Zulassung zur Verfügung stehen. „Die Verhandlungen mit der Pharmaindustrie sind abgeschlossen“, bestätigten Kommissionskreise am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. „Der Vertrag ist in trockenen Tüchern.“ Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung darüber berichtet.

Deutschland möchte bis zu 100 Millionen Dosen erhalten. Damit sei die Bundesregierung in den Gesprächen in der EU angetreten, teilte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Dienstag in Berlin mit. Für eine Immunisierung sollen zwei Impfdosen pro Person nötig sein. Nach Vertragsabschluss in der EU haben alle 27 Länder gleichzeitig Zugriff auf erste Lieferungen. Sie sollen nach Bevölkerungsstärke verteilt werden. Deutschland hat einen Anteil von rund 19 Prozent.

Biontech kurz vor Zulassung des Corona-Impfstoffs

Erstmeldung vom Dienstag, 10.11.2020, 11.21 Uhr: Mainz – Mit vielversprechenden Nachrichten zu seinem Impfstoff* hat Biontech große Hoffnungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie geschürt. Zudem will Biontech um 14.00 Uhr in einer Telefonkonferenz „Informationen zum operativen Fortschritt“ geben. Biontech und der US-Pharmakonzern Pfizer hatten am Montag als erste westliche Hersteller vielversprechende Ergebnisse einer für die Zulassung entscheidenden Corona-Impfstoff-Studie veröffentlicht. Ihr Impfstoff biete einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor der Krankheit Covid-19, erklärten die beiden Unternehmen. Schwere Nebenwirkungen seien nicht festgestellt worden.

Corona-Impfstoff: Biontech liefert vielversprechende Ergebnisse

 Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) setzt auf eine Herstellung des Impfstoffs in großem Stil. „Es wird darauf ankommen, den Impfstoff nun möglichst rasch und in großen Mengen zu produzieren“, sagte Karliczek der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Nachricht von Biontech und Pfizer sei ein Grund zum Optimismus. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU)* dringt darauf, dass die EU nun in den nächsten Tagen einen Liefervertrag mit Biontech und Pfizer abschließt.

Es gebe bisher einen Vorvertrag, aber keinen Abschluss, kritisierte Spahn am Montagabend im ZDF. Jetzt müsse man zu einem Ergebnis kommen. „Ich könnte es als deutscher Gesundheitsminister jedenfalls schwer erklären, wenn in anderen Regionen der Welt ein in Deutschland produzierter Impfstoff schneller verimpft würde als in Deutschland selbst.“

Für Deutschland sollen nach einer Zulassung des Corona-Impfstoffs des Mainzer Unternehmens Biontech bis zu 100 Millionen Dosen des Serums zur Verfügung stehen. Damit sei die Bundesregierung in den Gesprächen in der EU angetreten, teilte Spahn am Dienstag in Berlin mit. Er erwarte einen schnellen Vertragsabschluss der EU-Kommission mit Biontech und seinem Partner Pfizer, sagte Spahn. „Seien Sie versichert, wir werden das jetzt zügig zu einem Abschluss bringen.“

Corona-Krise: EU will Vertrag über 300 Millionen Impfdosen abschließen

Die EU-Kommission verhandelt bereits seit einiger Zeit mit Biontech/Pfizer über einen Rahmenvertrag zur Lieferung des Impfstoffs an alle EU-Staaten. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb am Montagnachmittag auf Twitter, man werde bald einen Vertrag über bis zu 200 Millionen Impfdosen abschließen.

Biontech rechnet mit ersten Ergebnissen zu seinem Impfstoffkandidaten. Foto: Andreas Arnold/dpa

Die Schweizer Virologin Isabella Eckerle sagte am Montagabend in der ARD*-Sendung „hart aber fair“: „Der Impfstoff wird uns helfen, aus der Pandemie herauszukommen.“ Es werde aber eine lange Übergangsphase geben, in der die Corona-Schutzmaßnahmen beibehalten werden müssten. „Man darf sich das nicht so vorstellen, dass der Impfstoff kommt und ab morgen können wir wieder in unser altes Leben zurück“, sagte Eckerle, die Leiterin des Zentrums für neu auftretende Viruserkrankungen an der Universität Genf ist.

Möglicher Corona-Impfstoff: Aktienkurse von Biontech und Pfiizer steigen

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, sagte der „Passauer Neue Presse“ zu der Nachricht von Biontech: „Das ist mit Sicherheit ein großer Erfolg und ein wichtiger Schritt, aber noch kein Durchbruch. Die Studie ist nicht zu Ende ausgewertet.“ Die Hoffnung wachse, dass man in absehbarer Zeit einen Impfstoff für das Coronavirus habe. Wenn aber im November der Zulassungsantrag gestellt werde, heiße das nicht, dass der Antrag im Dezember genehmigt werde.

Mediziner zeigten sich überrascht von den Forschungsergebnissen von Biontech und Pfizer, Finanzanalysten sprachen von einem möglichen Durchbruch im Kampf gegen die Corona-Pandemie. An der Börse schossen die Aktien der beiden Unternehmen hoch. (Marvin Ziegele mit Agenturen) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Andreas Arnold

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