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Coronavirus

EMA prüft Novavax und Sinovac im Schnellverfahren - Corona-Vakzine im Überblick

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Die Vakzine des US-Herstellers Novavax und des chinesischen Unternehmens Sinovac werden in einem beschleunigten Verfahren bewertet.

Amsterdam - Die Europäische Arzneimittelagentur EMA prüft im beschleunigten Verfahren auch zwei Covid-Vakzine, die auf konventionellen Technologien der Impfstoffherstellung beruhen: Bereits seit Februar läuft die Bewertung des proteinbasierten Impfstoffs des Pharmaunternehmens Novavax aus den USA.

Anfang dieser Woche gab die EMA bekannt, dass sie nun auch den auf einem inaktivierten Coronavirus basierenden Impfstoff der chinesischen Firma Sinovac unter die Lupe nimmt. Letzterer wird unter dem Namen Coronavac bereits in mehreren Ländern eingesetzt, neben China unter anderem in Chile, der Türkei und Serbien.

Corona-Impfstoffe: Ab Mai sollen neue Vakzine abgefüllt werden

Der Impfstoff von Novavax ist bislang noch in keinem Land zugelassen. Das US-Unternehmen aus Maryland hat aber bereits mit dem Schweizer Pharmaunternehmen Siegfried einen Herstellungs- und Liefervertrag abgeschlossen. Ab Mitte Mai soll der Impfstoff demnach – die Zulassung vorausgesetzt – ebenso wie das mRNA-Vakzin von Biontech/Pfizer am deutschen Produktionsstandort von Siegfried in Hameln für den Vertrieb außerhalb der USA abgefüllt werden. Die EU-Kommission hat mit Novavax Sondierungsgespräche über den Ankauf von bis zu 200 Millionen Dosen abgeschlossen.

Dr. Rhonda Flores betrachtet Proteinproben in den Novavax-Labors in Rockville.

Beide Impfstoffe werden in einem Rolling-Review-Verfahren geprüft, wie es auch schon bei den bereits zugelassenen geschehen ist. Dabei werden die Ergebnisse wissenschaftlicher und klinischer Tests laufend analysiert, bevor der formelle Antrag auf Zulassung gestellt wird.

Corona-Impfstoffe von Novavax und Sinovac: Die Unterschiede der Vakzine

Wie genau funktionieren die Impfstoffe von Novavax und Sinovac? Was unterscheidet sie von den bisher in der EU zugelassenen, wie ist die Wirksamkeit einzuschätzen? Ein Überblick:

Novavax: Sämtliche Vakzine, die bisher in Deutschland und anderen EU-Mitgliedsstaaten eingesetzt werden, basieren darauf, dass der Körper das Antigen – die Substanz, auf die das Immunsystem reagieren soll – selbst herstellt. Die Impfstoffe liefern die genetische Information als Bauplan für die Produktion dieses Antigens, in diesem Fall für das Spike-Protein von Sars-CoV-2, mit dem das Virus an menschliche Zellen andockt.

Beim Impfstoff NVX-CoV2373 von Novavax hingegen wird das Spike-Protein im Labor hergestellt und bereits fertig in den Körper geschleust; dort fällt dann quasi ein Schritt weg. Produziert werden die Novavax-Spike-Proteine in Mottenzellen. Anschließend packt man die Proteine in Nanopartikel, welche die molekulare Struktur des Coronavirus nachbilden (aber anders als der Erreger natürlich nicht infektiös sind). Jede Impfdosis enthält als weitere Komponente außerdem einen Extrakt des Seidenrindenbaums, auch Quillay-Baum genannt.

Corona-Impfstoff von Novavax: Vakzin soll gut verträglich sein

Wirkstoffe dieses Baum werden in Chile traditionell als Heilpflanze genutzt. Bei Novavax hingegen hat man daraus ein Adjuvans entwickelt. Es soll das Antigen besser in den Körper schleusen und zusätzlich die Immunreaktion des Körpers steigern. Adjuvanzien werden als Wirkverstärker vielen Impfstoffen beigegeben (die zugelassenen mRNA- und Vektorvirusvakzine enthalten sie nicht) und häufig mit Nebenwirkungen in Verbindung gebracht. Ob das auch für das neuartige Adjuvans von Novavax gilt, ist nicht bekannt. Nach dem, was bislang zu vernehmen ist, soll das Vakzin sehr gut verträglich sein, laut Hersteller seien in den klinischen Studien keine Komplikationen aufgetreten.

FirmaNameHerkunftStatus in der EU
Biontech/PfitzerTozinameranDeutschland/USAZugelassen
AstrazenecaAZD1222Schweden/GroßbritannienZugelassen
Johnson&JohnsonAd26.COV2.SBelgien/USAZugelassen
ModernamRNA-1273USAZugelassen
BiocardSputnik VRusslandAusstehend
SinopharmBBIBP-CorVChinaAusstehend
CureVac/BayerCVnCoVDeutschlandAusstehend
SinovacCoronaVacChinaAusstehend
NovavaxNVX-CoV2373USAAusstehend
Sanofi/GSKFrankreich/GroßbritannienAusstehend

Die Wirksamkeit gegen leichte, mittelschwere und schwere Erkrankungen durch den ursprünglichen Stamm von Sars-CoV-2 soll laut Hersteller bei 96,4 Prozent liegen und damit vergleichbar mit den mRNA-Impfstoffen sein. 14 Tage nach der ersten Dosis soll die Schutzwirkung bereits 83,4 Prozent betragen haben. (Das Vakzin muss, wie alle anderen mit Ausnahme von Johnson & Johnson, zweimal gespritzt werden). Die Wirksamkeit gegenüber der britischen Variante B.1.1.7 ist mit 86,3 Prozent leicht herabgesetzt. Als problematischer erweist sich wie bei den anderen Vakzinen auch die südafrikanische Variante. Eine Studie in Südafrika ergab für das Novavax-Vakzin eine Schutzwirkung von 50 Prozent.

Corona-Impfstoff von Sinovac nutzt das ganze Virus

Sinovac: Bereits Anfang des vergangenen Jahres begann das private chinesische Unternehmen Sinovac Biotech damit, einen Impfstoff gegen Covid-19 zu entwickeln. Sein Vakzin Coronavac basiert auf einem inaktivierten Erreger. Das heißt: Es setzt nicht auf das Spike-Protein als Antigen, sondern nutzt das gesamte Coronavirus.

Die Herstellung von Impfstoffen auf dieser Basis ist seit Jahrzehnten etabliert, aber aufwendig. Die Viren werden dafür in Zellkulturen vermehrt und chemisch behandelt. Das muss schonend geschehen, denn die Proteine auf der Hülle der Viren müssen so weit intakt bleiben, dass das Immunsystem durch sie angeregt wird, Abwehrstoffe zu bilden. Die inaktivierten Viren selbst können menschliche Zellen nicht mehr infizieren. Impfstoffe auf dieser Basis gelten als sicher und können auch Menschen mit geschwächtem Immunsystem verabreicht werden.

Corona-Impfstoffe auf Basis inaktiver Viren haben einen Vorteil

Laut einer Studie der Universität von Chile soll der Impfstoff von Sinovac nach der zweiten Dosis zu 56,5 Prozent vor einer Infektion schützen und schwere Verläufe zu mehr als 85 Prozent verhindern. Für Irritation sorgte im April die Aussage des Direktors des Chinesischen Zentrums für Krankheitskontrolle und Prävention, Gao Fu. Bei einer Konferenz sagte er, dass der Schutz durch die chinesischen Impfstoffe „nicht hoch“ sei. Später ruderte er zurück und sprach von einem „kompletten Missverständnis“.

Grundsätzlich haben Impfstoffe auf Basis inaktivierter Viren den Vorteil, dem Körper alle Strukturen der Virusoberfläche zu präsentieren und nicht nur das Spike-Protein. Dadurch können sie eine breite Immunantwort gegen viele Bestandteile eines Erregers hervorrufen und wären damit theoretisch auch von Mutationen weniger betroffen, weil diese bisher häufig an den Genen für das Spike-Protein stattfanden.

Corona-Vakzin von Sinovac - beunruhigende Nachrichten aus Chile

Allerdings sind im April in Chile, wo viele Menschen bereits geimpft sind und von ihnen die meisten mit dem Sinovac-Vakzin, die Infiziertenzahlen wieder sprunghaft gestiegen. Ähnliches melden BBC und Bloomberg von den Seychellen. Dort sind bereits 62 Prozent der Menschen komplett geimpft, trotzdem erreichten am 3. Mai die Infiziertenzahlen einen Spitzenwert. 40 Prozent der Geimpften auf den Seychellen haben eine in Indien produzierte Version des Astrazeneca-Vakzins erhalten, 60 Prozent einen Impfstoff des chinesischen Unternehmens Sinopharm. Das ist zwar ein anderes Produkt als das von Sinovac, es basiert aber ebenfalls auf einem inaktivierten Ganzvirus.

Laut BBC und Bloomberg sollen ein Drittel der Infizierten geimpft sein, welche Vakzine diese Menschen erhalten hatten, ist aber nicht bekannt. Auch weiß man nicht, mit welcher Virusvariante sie sich infiziert haben. Im Februar war die südafrikanische Mutante erstmals auf den Seychellen aufgetaucht.

Rubriklistenbild: © ANDREW CABALLERO-REYNOLDS/AFP

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