Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Eier
+
Hühnereier werden bereits in der Impfstoff-Forschung mit Influenza-Viren massenhaft verwendet. Dies soll nun als Modell für Corona-Vakzine dienen. (Symbolfoto)

Pandemie

Impfstoff durch Hühner-Eier – Hoffnung auf kostengünstiges Vakzin wächst

  • Tobias Utz
    VonTobias Utz
    schließen

Ist schon bald die massenhafte Produktion eines günstigen Corona-Impfstoffs möglich? Die Forschung verfolgt einen Ansatz, der bereits bei Grippeviren angewendet wird.

Bangkok/Brasilia – Die Corona-Pandemie wütet seit mehr als einem Jahr. Als Auswege aus der Krise gelten Impfstoffe. Die Immunisierung weiter Teile der Menschheit wird angestrebt, um Sars-CoV-2 möglichst unschädlich zu machen. Dabei existiert längst eine Klassengesellschaft, in der sich Staaten um Vakzinlieferungen streiten. Ärmere Länder gehen dabei oft leer aus. Kürzlich wurde bekannt, dass sich der Preis pro Biontech/Pfizer-Dosis durch den neuen Vertrag mit der Europäischen Union fast verdoppelt.* Pharmaunternehmen bieten den Corona-Impfstoff an, reiche Staaten oder Staatenverbunde greifen zu.

Neueste Studien machen nun allerdings Hoffnung, dass bald ein Impfstoff auf den Markt kommen könnte, der zum einen deutlich günstiger als die gängigen Vakzine angeboten und zum anderen massenhaft produziert werden könnte. Das neue Vakzin namens „NDV-HXP-S“ wird in den kommenden Wochen in Brasilien, Thailand, Mexiko und Vietnam klinischen Tests unterzogen, um herauszufinden, wie wirksam es bei Menschen ist. Denn: Bislang zeigen lediglich Untersuchungen bei Tieren positive Resultate.

Corona: Spike-Protein als Schlüssel für Impfstoff

„NDV-HXP-S“ kann offenbar in Hühnereiern hergestellt werden. Fachleute bedienen sich hierbei der Vorgehensweise bei Grippeschutzimpfungen. Mithilfe minimaler Manipulationen des Vakzins, indem einzelne Proteine ausgetauscht wurden, konnte die Wirksamkeit von Impfstoffen bereits im Jahr 2020 gesteigert werden. Studien dazu gehen auf den Strukturbiologen Jason McLellan zurück. Er entdeckte, dass auf diese Weise das bereits viel untersuchte Spike-Protein, das unter anderem als Andock-Station für Coronaviren fungieren kann, in einer speziellen, den Impfstoff zulassenden Art fixiert werden kann. Pharmaunternehmen, wie Moderna oder Pfizer machten sich dies zunutze und entwickelten auf Grundlage der Forschung ihren RNA-Impfstoff.

Seit März 2021 forscht McLellan nun mit zwei weiteren Biologen der Universität Texas an besagtem neuen Projekt. Dafür testeten die Fachleute 100 neu-konzipierte Spike-Proteine, die jeweils veränderte Bausteine aufwiesen. Laut Angaben des Forschungsteams entwarfen sie eine Proteinvariante, die noch stabiler, widerstandsfähiger und hitzeresistenter ist als der Entwurf, der für RNA-Impfstoff verwendet wurde.

Vom Corona-Vakzin aus Hühnereiern sollen vor allem arme Staaten profitieren

Davon sollen nun insbesondere ärmere Staaten profitieren. Diesbezüglich schloss die Universität Texas eine Lizenzvereinbarung ab, die es Laboren in 80 Ländern, mit niedrigem oder mittlerem Einkommensdurchschnitt erlaubt, Impfstoffe auf Basis des neuen Spike-Proteins zu entwickeln – ohne Lizenzgebühren zu bezahlen. Das berichtet die New York Times.

Als Musterbeispiel hierfür nennen die Fachleute den Herstellungsprozess von Influenza-Impfstoffen. Dabei werden Grippeviren in Hühnereier gespritzt. Anschließend produzieren die Eier eine Fülle neuer Virenvarianten, was eine Extraktion der Viren ermöglicht. Sie werden abgeschwächt beziehungsweise abgetötet und in Impfstoffe eingesetzt. Die abgeschwächten Varianten haben zum Ziel, Antikörper im Immunsystem hervorzurufen, um auf diese Weise Schutz zu bieten.

Jason McLellan (l.) ist maßgeblich an der Forschung beteiligt. Die Aufnahme zeigt ihn im Jahr 2020. (Archivfoto)

Laut Angaben der New York Times hatte dieses Prinzip bereits Erfolg bei Ebola-Viren. Das neu entwickelte Spike-Protein wurde implementiert, womit beachtliche Resultate erzielt werden konnten. Tierversuche an Hamstern und Mäusen zeigten eine enorme Schutzwirkung. „Ich kann ehrlich sagen, dass ich jeden Hamster, jede Maus auf der Welt vor SARS-CoV-2 schützen kann“, so Studienleiter Peter Palese laut NYT.

Ärmere Staaten pochen auf eigene Impfstoff-Produktion

Für Staaten wie Mexiko oder Thailand wächst somit die Hoffnung, dass solch ein Herstellungsprozess auch bei einem Corona-Impfstoff Erfolg hätte. Großer Vorteil für solche Staaten wäre die Unabhängigkeit. Thailands Gesundheitsminister Anutin Charnvirakul sagte kürzlich auf einer Pressekonferenz: „Diese Impfstoffproduktion wird von Thailändern für Thailänder hergestellt.“ Auch das in Brasilien für die Studien verantwortliche Butantan-Institut teilte mit, dass es sich um einen „brasilianischen Impfstoff“ handle, der „vollständig in Brasilien“ hergestellt werde, „ohne von Importen abhängig zu sein.“ Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Fachleute erhoffen sich davon vor allem einen Effekt auf zukünftige Pandemien. Die Studien dazu bedürfen noch einige Monate an Forschung und sind somit keine Soforthilfe in der Corona-Krise.

Das Forschungsprojekt findet auch in Deutschland Anklang. Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD) griff das Modell auf – und kommentierte es auf Twitter: „Technik ist einfach wie genial.“ Falls es erfolgreich wäre, könnte jedes ärmere Land einen eigenen Impfstoff herstellen, so Lauterbach weiter. (Tobias Utz) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare