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Impfstoff zu Corona: Keine Eile auf Kosten der Sicherheit

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Gerade bei der Entwicklung von mRNA-Impfstoffen gibt es noch viel Klärungsbedarf.

  • Weltweit wird nach einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus geforscht 
  • Ein Impfstoff soll der Schlüssel zur Rückkehr in die Normalität sien 
  • Die Forscher verfolgen dabei unterschiedliche Strategien

Ein Impfstoff sei der Schlüssel zur Rückkehr in die Normalität, sagte Forschungsministerin Anja Karliczek, als sie ein 750 Millionen Euro umfassendes Sonderprogramm vorstellte, mit dem die Entwicklung und Herstellung eines Impfstoffs gegen das neue Coronavirus gefördert werden soll. Nicht nur in Deutschland investiert die Politik viel Geld und die Wissenschaft große Anstrengungen in die Suche nach dem ultimativen Schutz vor Covid-19. Mehr als 100 Corona-Impfstoffprojekte sind mittlerweile bei der Weltgesundheitsorganisation WHO angemeldet.

Corona-Impfstoff: Neuartige genetische Impfstoffe

Die Forscher verfolgen dabei unterschiedliche Strategien. Klassische Ansätze wie abgetötete, inaktivierte oder abgeschwächte Erreger gehören dazu, Vektorenimpfstoffe, die bekannte Impfviren als Hülle für Corona-Erbgut nutzen – und neuartige genetische Impfstoffe auf Basis synthetischen Erbmaterials in Form von DNA oder RNA.

Vor allem auf die mRNA-Technologie richten sich viele Hoffnungen, Bill Gates bezeichnete sie als Innovation, die die Welt verändern könnte. Auch die deutschen Unternehmen Biontech und CureVac arbeiten an mRNA-Corona-Impfstoffen. Ein Versprechen lautet, sie seien schnell, günstig und in großen Mengen herzustellen. Das alles wäre freilich ohne Belang, würden sie nicht sicher vor der Krankheit schützen – und zwar ohne gravierende Nebenwirkungen.

Corona in Deutschland: Produktion eines bestimmten Proteins

Das allerdings ist längst nicht bewiesen, klinische Studien haben gerade erst begonnen. Bislang ist weltweit noch kein einziges mRNA-Vakzin zugelassen, obwohl das Prinzip bereits seit Jahrzehnten diskutiert und auch als Krebstherapie intensiv erforscht wird.

mRNA steht für Messenger-RNA, zu Deutsch: Boten-Ribonukleinsäure. Sie hat in jedem Organismus die Aufgabe, Transkripte des genetischen Codes vom Zellkern zu den Ribosomen zu transportieren, die auf Basis dieser Daten dann ein bestimmtes Protein produzieren. Eine Impfung mit Messenger-RNA würde anders als ein herkömmlicher Impfstoff kein komplettes Antigen, sondern nur die Bauanleitung für Teile davon enthalten.

Im Falle des Coronavirus geht es um das Spike-Protein, das dem Erreger sein stacheliges Aussehen verleiht. Mit Hilfe von Nanopartikeln soll die synthetisierte RNA in den Körper geschleust werden, wo die Ribosomen ihre genetischen Informationen auslesen und daraufhin die Virenbausteine produzieren – gegen die das Immunsystem dann Antikörper entwickeln soll, die bei einer Infektion mit dem Virus dessen Ausbreitung verhindern.

Impfstoff zu Corona: DNA muss in Boten-RNA umgewandelt werden 

DNA-Impfstoffe funktionieren ähnlich, verlangen dem Körper aber einen Arbeitsschritt mehr ab, weil die DNA zunächst in den Zellkern gelangen und dort in Boten-RNA umgewandelt werden muss.

Das Grundprinzip beider genetischen Impfstoffe klingt einleuchtend. Aber es setzt auf der tiefsten Ebene des Körpers an, auf der unserer Gene und deren Mechanismen der Proteinsynthese. Das muss nicht zwangsläufig riskant sein, ein diffus unbehagliches Gefühl kann sich gleichwohl einstellen. Ist das, was in den Zellen angestoßen wird, wirklich harmlos und komplett kontrollierbar? Das muss sichergestellt sein, bevor eine Impfung Milliarden Menschen verabreicht wird. Ist es möglich, dass ein Teil der produzierten Antigene im Körper verbleibt? Können die fremde RNA und das „Kapern“ der Proteinfabriken in den Zellen zu gefährlichen Immunantworten führen, können Autoimmunreaktionen in Gang gesetzt werden? Lässt es sich ausschließen, dass es zur Bildung infektionsverstärkender Antikörper kommt, die bei einer Infektion für einen schweren Krankheitsverlauf sorgen, anstatt davor zu schützen? Das ist ein Phänomen, das bei Viren auftreten kann und die Entwicklung von Impfstoffen erschwert.

Impfstoff zu Corona: Mutationen am Virus problematisch 

Insbesondere bei DNA-Impfstoffen, die bis in den Zellkern vordringen, muss ausgeschlossen werden, dass es durch sie zu einem Einfluss auf die Aktivität unseres eigenen Genmaterials kommt. Die RNA wiederum hat den Nachteil, chemisch labil zu sein und eine durchgängige Kühlkette zu benötigen, was ihren Einsatz in warmen Ländern erschweren könnte.

Problematisch könnten für die Entwicklung von Impfstoffen unabhängig von der Technologie auch Mutationen am Spike-Protein des Virus werden. Solche genetischen Veränderungen machen bei der Grippe eine jährliche Anpassung des Impfstoffs erforderlich und beeinträchtigen dessen Wirksamkeit.

Auf keinen Fall darf der drängende Wunsch nach „Erlösung“ durch einen Impfstoff zur Eile führen, dazu, auf wichtige Testschritte bei der Entwicklung zu verzichten. Denn das kann leicht auf Kosten der Sicherheit gehen. Auch bei der Schweinegrippe sollte 2009 so schnell wie möglich ein Impfstoff her. Deshalb wurden Standards heruntergesetzt, bald aber nach der Zulassung stand „Pandemrix“ in Verdacht, Nebenwirkungen wie schwere allergische Reaktionen und Narkolepsie zu verursachen. Ein mahnendes Beispiel, an das sich gerade jetzt zu erinnern lohnt.

Von Pamela Dörhöfer 

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Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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