Corona

Corona-Impfung: Was unterscheidet die Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer?

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Zwei Unternehmen melden positive Zwischenergebnisse für ihr Vakzin gegen das Corona-Virus: Biontech und Moderna. Wo liegen die Unterschiede der beiden Präparate?

  • Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Corona-Virus befinden sich in der letzten Testpphase.
  • Die Vakazine von Moderna und Biontec/Pfizer ähneln sich stark.
  • Aber können Impfungen die Verbreitung der Infektion überhaupt verhindern?

„Heureka“, so freute sich Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin an der München Klinik Schwabing, als Anfang der Woche die Nachricht kam, dass auch der Corona-Impfstoff des US-Pharmakonzerns Moderna positive Ergebnisse in der letzten Studienphase erzielt hat. „Es scheint sich jetzt zu verdichten: mRNA-Impfstoffe wirken als Substanzklasse und könnten die Trendwende in der Pandemie bringen.“ Vor Moderna hatten bereits das Mainzer Unternehmen Biontech und der US-Pharmakonzern Pfizer positive Zwischenergebnisse für ihr Vakzin gemeldet. Beide Impfstoffe ähneln sich stark und könnten noch in diesem Winter zugelassen werden.

Das Vakzin von Moderna bleibt auch bei einer Lagerung unter normalen Kühlschranktemperaturen stabil.

Corona-Impfstoffe: Völlig neues Impfprinzip

Sowohl Biontech/Pfizer als auch Moderna setzen mit der mRNA-Technologie auf ein neues Prinzip, das bisher noch nie bei einer Impfung verwendet wurde. Während klassische Vakzine aus inaktivierten Erregern oder Virusproteinen bestehen, arbeiten diese mRNA-Impfstoffe mit dem „Bauplan“ für Bestandteile des Virus. Diese werden dem Körper in Form von Messenger-Ribonukleinsäure (mRNA) zugeführt. Die einsträngige RNA ist Trägerin des Erbguts von Sars-CoV-2. Nach dieser Anleitung soll der Körper selbst Virusproteine (nicht ganze Viren) produzieren und über die Bildung von Antikörpern wieder vernichten.

Die Impfstoffe werden in zwei Dosen im Abstand von vier Wochen in einen Muskel gespritzt. Biontech/Pfizer hat seinen Impfstoff an mehr als 40 000 Menschen getestet und zunächst von einer Effektivität von 90 Prozent gesprochen. Am Mittwoch legte man noch einmal nach und bezifferte die Wirksamkeit mit nun 95 Prozent. Moderna hat sein Vakzin an 30 000 Frauen und Männern getestet und gibt eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent an. Infektionen sollen bei beiden fast ausschließlich in jener Gruppe aufgetreten sein, die statt des Impfstoffs ein Placebo erhalten hat. Beide Vakzine sollen zudem gut verträglich gewesen sein. Sowohl zur Zusammensetzung der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer als auch zu den Nebenwirkungen macht Moderna detailliertere Angaben als Biontech/Pfizer. Demnach schlossen die Tests auch einen hohen Anteil von älteren Menschen, stark Übergewichtigen und Patientinnen und Patienten mit Diabetes und Herzerkrankungen ein – alles Gruppen, die bei einer Infektion mit Sars-CoV-2 ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben.

Corona-Impfstoffe: Kaum Nebenwirkungen

Auch die Nebenwirkungen listet Moderna genauer auf. Am häufigsten werden Schmerzen an der Einstichstelle, Muskel- und Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen und eine Rötung an der Einstichstelle genannt, aber auch sie sollen jeweils nur bei unter zehn Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgetreten und von kurzer Dauer gewesen sein.

… während das Präparat von Biontech/Pfizer bei Temperaturen von minus 70 Grad Celsius gelagert werden muss.

Der auffälligste Unterschied zwischen den beiden mRNA-Impfstoffen besteht darin, dass der von Biontech/Pfizer bei minus 70 Grad gelagert werden muss, während das Moderna-Vakzin bei normalen Kühlschranktemperaturen 30 Tage lang stabil bleiben soll. Das wäre besonders für warme Länder mit schwacher Infrastruktur und langen Wegen zwischen den Impfzentren wichtig. Wie Clemens Wendtner erklärt, verdankt der Moderna-Impfstoff diese Eigenschaft seiner „Verpackung“ in Lipid-Nanopartikel. Ein Vorteil des Biontech/Pfizer-Vakzins besteht nach Ansicht des Impfstoffforschers Zoitán Kis vom Imperial College London allerdings darin, dass er eine geringere Dosis an mRNA enthält als das Vakzin von Moderna (30 Mikrogramm pro Dosis zu 100 Mikrogramm pro Dosis). Damit, so der Experte, wäre er leichter und günstiger in größeren Mengen zu produzieren. Biontech/Pfizer kündigten an, bis Ende des Jahres 50 Millionen Dosen und im nächsten Jahr 1,3 Milliarden Dosen zur Verfügung stellen zu können. Moderna geht davon aus, dieses Jahr 20 Millionen Dosen und im nächsten Jahr 500 Millionen bis eine Milliarde Dosen liefern zu können. Grundsätzlich sind mRNA-Impfstoffe weniger kompliziert herzustellen als konventionelle Vakzine, von denen sich ebenfalls etliche in der Entwicklung befinden.

Können die Corona-Impfstoffe die Verbreitung der Infektion verhindern?

Offen bleibt allerdings für beide mRNA-Impfstoffe die Frage, ob sie nur vor einer Covid-19-Erkrankung schützen oder auch die Verbreitung der Infektion verhindern. „Nur durch die Unterdrückung des Spreadings durch geimpfte Personen kann eine Herdenimmunität in der Bevölkerung schrittweise aufgebaut werden“, sagt Clemens Wendtner.

Nach heutigem Wissensstand können solche genbasierten Impfstoffe nicht ins menschliche Erbgut eingreifen und dort zu Veränderungen führen. Entsprechende Ängste bezeichnete Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, als unbegründet.

Rubriklistenbild: © AFP

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