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Impfstoff

Corona-Impfstoff von Astrazeneca: Stiko-Vorsitzender verteidigt Altersvorgabe

  • Delia Friess
    vonDelia Friess
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Die EMA empfiehlt die Zulassung des Coronavirus-Impfstoffs von Astrazeneca. Im Impfstoffstreit bleibt dennoch vieles im Dunkeln.

  • Coronavirus: Impfstoff-Hersteller Astrazeneca gerät wegen Fehlern in Studien in die Kritik.
  • Corona-Vakzin: Wirksamkeit des Astrazeneca-Impfstoffes vielleicht nicht so stark bei älteren Menschen. Impfkommission des RKI gibt Empfehlung ab.
  • Astrazeneca: Nach Moderna und BioNtech / Pfizer nun dritter Corona-Impfstoff kurz vor Zulassung bei europäischer Arzneimittelbehörde (EMA).

Update, Samstag, 30.01.2021, 06.40 Uhr: Nach der europäischen Zulassung des Corona-Impfstoffes von Astrazeneca hat der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko) die von seinem Gremium empfohlene Altersvorgabe verteidigt. Die Daten von Astrazeneca seien nicht ausreichend, um die Wirksamkeit der Impfung in der Altersgruppe ab 65 Jahre beurteilen zu können, sagte Thomas Mertens bei einer Videoschalte des Science Media Center. Man brauche weitere Informationen dazu, wie gut der Impfstoff auch ältere Menschen vor Covid-19 schütze.

Das Präparat von Astrazeneca werde „aktuell aufgrund der derzeit verfügbaren Daten nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren empfohlen“, hatte die am Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelte Impfkommission am erklärt. „Wir haben nicht die Qualität des Impfstoffs bewertet, sondern die Qualität der Daten“, betonte Mertens. Der Virologe fügte hinzu, dass die Stiko ihre Empfehlungen nach dem Einreichen weiterer Daten zur Effizienz bei älteren Menschen aktualisieren werde. Gleichzeitig betonte er, die Sicherheit des Impfstoffs stehe außer Zweifel.

Clemens Wendtner, Chefarzt an der München Klinik Schwabing, sprach in der Videoschalte angesichts der Zulassung von einem guten Tag für die Impfkampagne. Nun stehe - neben den bereits zuvor zugelassenen Präparaten von Pfizer/Biontech und Moderna - ein dritter Impfstoff zur Verfügung, der effizient und sicher sei. Zudem sei das Präparat von Astrazeneca massentauglich, weil es von Hausärzten verabreicht werden könne. Für die beiden anderen Impfstoffe sind dagegen Kühlketten erforderlich. Wendtner betonte, im Kampf gegen die Corona-Pandemie gehe es nun darum, möglichst schnell möglichst viele Menschen zu impfen.

Der Wirkstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astra-Zeneca.

EMA empfiehlt bedingte Marktzulassung für Corona-Impfstoff von Astrazeneca

Update, 19.46 Uhr: Die EU-Kommission hat den Corona-Impfstoff von Astrazeneca in der EU zugelassen. Die Brüsseler Behörde folgte damit einer Empfehlung der EU-Arzneimittelbehörde EMA. Diese gilt für Personen ab 18 Jahren ohne Altersbeschränkung. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission allerdings die Vergabe nur an Erwachsene unter 65.

Astrazeneca bemüht sich im Impfstoffstreit mit der EU um versöhnliche Töne: „Wir arbeiten 24/7 daran, die Kapazitäten zu erhöhen“, sagte Astrazeneca-Chef Pascal Soriot in einer Videoschalte mit Journalisten. In den nächsten Tagen werde die erste Charge mit den ersten Millionen Dosen geliefert. Außerdem sollten Lieferketten weiter aufgerüstet werden und „Material“ nach Europa verlagert werden. Anfängliche Probleme bezeichnete Soriot als „Kinderkrankheiten“, die man bald gelöst haben werde.

Update, 16.25 Uhr: Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat die bedingte Marktzulassung für den Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Konzerns Astrazeneca in der EU empfohlen. Sie gelte für Personen ab 18 Jahren, teilte die EMA am Freitag in Amsterdam mit. Die endgültige Entscheidung über die Zulassung muss nun die EU-Kommission treffen - das gilt als Formsache.

Corona-Impfstoff von Astrazeneca: EU soll weniger Impfstoff erhalten

Update, Freitag, 29.01.2021, 12.50 Uhr: Im Impfstoffstreit hat die EU-Kommission ihren Rahmenvertrag mit dem Pharmakonzern Astrazeneca veröffentlicht. Wichtige Passagen des Dokuments vom August 2020 wurden allerdings unter Hinweis auf Geschäftsgeheimnisse geschwärzt. Darunter sind auch die für das erste Quartal vorgesehenen Liefermengen, um die seit Tagen ein heftiger Streit tobt.

Die EU-Kommission begrüßte gleichwohl die Bereitschaft von Astrazeneca zu mehr Transparenz. Dies sei wichtig, um Vertrauen der Europäer aufzubauen und sicherzustellen, dass sie sich auf Wirksamkeit und Sicherheit der Corona-Impfstoffe in der EU verlassen könnten. Die Kommission hoffe, alle Verträge mit Impfstoffherstellern veröffentlichen zu können.

Astrazeneca hatte vor einer Woche mitgeteilt, dass die EU nach der erwarteten Zulassung im ersten Quartal nur einen kleinen Teil der bestellten Menge erhalten soll. Als Grund wurden Produktionsprobleme genannt. Die EU-Kommission drängt das Unternehmen, die Kürzung zurückzunehmen.

In Großbritannien wird der Astrazeneca-Impfstoff schon verwendet: Personal der Royal Navy injiziert einer Frau ihre Corona-Impfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca im Impfzentrum, das auf der Pferderennbahn Bath Racecourse errichtet wurde.

Corona-Impfstoff von Astrazeneca: RKI hat Bedenken für diese Altersgruppe

Update vom 28.01.2021, 14.10 Uhr: Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts (RKI) hat hinsichtlich des in die Kritik geratenen Impfstoffes von Astrazeneca nun eine Empfehlung gegeben. Demnach sollen mit dem Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers im Gegensatz zu den zwei Präparaten von Biontech/Pfizer und Moderna nur Menschen unter 65 Jahren geimpft werden.

Der Impfstoff von Astrazeneca solle in den einzelnen Stufen, welche die Priorisierung festlegen, „jeweils nur den Personen angeboten werden, die 18-64 Jahre alt“ sind, heißt es in der Empfehlung der Ständigen-Impfkommission des RKI, die am Donnerstag (28.01.2021) veröffentlicht wurde. Zuvor hatte es Berichte über eine geringere Wirksamkeit des Impfstoffes sowie über Fehler bei Studien gegeben.

Corona-Impfstoff von Astrazeneca kurz vor EU-Zulassung: Studien sorgen für Verunsicherung

Erstmeldung vom Donnerstag, 28.01.2021, 13.00 Uhr: Berlin - Nachdem die Impfstoffe von BioNtech/Pfizer und Moderna in der EU zugelassen worden sind, wird am Freitag (29.01.2021) die Zulassung eines dritten Corona-Impfstoffes des britisch-schwedischen Impfstoffherstellers Astrazeneca, der in Zusammenarbeit mit der University of Oxford entwickelt wurde, erwartet.

Aber am Impfstoff-Hersteller gibt es auch Kritik: In klinischen Studien sei schlampig gearbeitet worden, es seien Fehler passiert. Der Vorwurf kommt zum Beispiel von Prof. Dr. Theodor Dingermann, Pharmazeut und Chefredakteur der wissenschaftlichen Zeitung „Die Pharmazie“.

Astrazeneca: Impfstoffhersteller wegen Fehler in Studie in der Kritik

Konkret geht es um zwei Studien des Impfstoffherstellers Astrazeneca, eine Studie aus Großbritannien und eine Studie aus Brasilien, zur Wirksamkeit des Corona-Impfstoffes. Die Wirksamkeit schwankte dabei zwischen 62 und 90 Prozent. Während beider Studien bekamen die Proband:innen zwei Dosen in Abstand von einem Monat. Bei der Studie in Großbritannien habe man aber eine geringere Menge des Impfstoffes bei der ersten Dosis verabreicht, bei der zweiten einen Monat später dann die volle Dosis. Bei den Proband:innen in Brasilien habe man zweimal die volle Dosis geimpft. Trotzdem führte die geringere Dosis bei der Erstimpfung während der britischen Studie zu einer besseren Wirksamkeit.

Das Fachmagazin Science schreibt: In beiden Studien habe man im Abstand von zwei Monaten zwei Impfdosen verabreicht. In Großbritannien habe man zwei verschiedene Erstdosen verglichen.

Die unterschiedlichen Dosenkombinationen in Großbritannien sind aber offenbar das Ergebnis einer Panne, wie die University of Oxford und Astrazeneca im Nachhinein einräumten. Die Impfstoff-Gefäße für die Prime-Impfung in Großbritannien seien versehentlich nur mit der Hälfte befüllt worden, berichtet auch das Manager-Magazin.

„Es gibt eine Reihe an Variablen, die wir noch verstehen müssen. Es kann sein, dass die Unterschiede der Wirksamkeit zufällig sind“, sagte Mr. Slaoui im November bei der Vorstellung der Studienergebnisse. Man habe die Resultate mit der Zulassungsbehörde in Großbritannien besprochen und wolle die Wirksamkeit der Vakzine weiter untersuchen. Es müsse bestätigt werden, dass eine niedrige Dosis des Impfstoffes offenbar zu einem besseren Ergebnis führe, sagte Konzernchef Pascal Soriot laut Bloomberg.

Studien von Astrazeneca zeigen unterschiedliche Wirksamkeit

Kritisiert wurde auch, dass rund acht Prozent der Proband:innen einer Astrazeneca-Wirksamkeitsstudie zwischen 56 und 69 Jahre alt gewesen seien und nur drei bis vier Prozent über 70 Jahre. Das Handelsblatt will aus Koalitionskreisen erfahren haben, dass die Bundesregierung nur mit einer Wirksamkeit von acht Prozent bei den über 65-Jährigen rechne. Der Konzern wies die Vorwürfe als „komplett falsch“ zurück. Das Bundesgesundheitsministerium sprach von einem „Missverständnis“. Astrazeneca soll nach Informationen des ARD-Studios Brüssel bei der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) eine neue Studie vorgelegt haben. Von den Proband:innen sollen etwa 2000 über 65 und davon zwei Drittel über 75 Jahre alt gewesen sein. Der älteste Teilnehmer soll 86 Jahre gewesen sein.

Carlos A. Guzman, Leiter des Helmholtzzentrums, rät von Spekulationen ab. „Wir müssen die Empfehlung der EMA abwarten. Möglicherweise wurden den Aufsichtsbehörden zusätzliche Informationen zur Verfügung gestellt, die nicht öffentlich zugänglich sind“, sagte er der Tagesschau.

Impfstoff von Astrazeneca hat gegenüber Vakzinen von BioNtech-Pfizer und Moderna Vorteile

Der Impfstoff von Astrazeneca hat gegenüber den mRNA-Impfstoffen von BioNtech / Pfizer und Moderna einige Vorteile: Man kann den Wirkstoff bei Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad lagern. Auch soll der Impfstoff wesentlich billiger als die Vakzine von BionTech / Pfizer oder Moderna sein.

Wie zuvor schon der Impfstoffhersteller BioNtech / Pfizer hat das britisch-schwedische Pharmaunternehmen Astrazeneca Lieferengpässe in der EU: Statt 80 Millionen könnten nur 31 Millionen Impfdosen geliefert werden. Wie BioNtech / Pfizer gab auch Astrazeneca Produktionsprobleme in ihrem belgischen Werk als Grund an.

Europäische Union übt Druck auf Astrazeneca aus

Die EU macht nun Druck, die versprochenen Impfdosen nun doch rechtzeitig zu bekommen. Der Streit wird auch dadurch verstärkt, dass Großbritannien nicht von den Lieferengpässen betroffen ist und Astrazeneca Impfdosen an Großbritannien weiter fristgerecht ausliefert. Das Vakzin von Astrazeneca hatte in Großbritannien bereits am 30.12.2020 eine Notfallzulassung erhalten. Astrazeneca begründet die weiteren Lieferungen an Großbritannien damit, dass die Produktionskapazitäten in Großbritannien auf einem besseren Stand seien. Die Begründung des Unternehmens wurde von Vertreter:innen der EU vielfach kritisiert. (Delia Friess)

Rubriklistenbild: © SAI AUNG MAIN / afp

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