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Vektor-Impfstoff

Corona-Impfstoff Vaxzevria von Astrazeneca in der Kritik

  • Tanja Banner
    VonTanja Banner
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  • Jasmin Jakob
    Jasmin Jakob
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Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca ist das umstrittenste bisher europaweit zugelassene Vakzin. Zwischendurch wurde die Impfung in Deutschland sogar gestoppt.

  • Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca soll eine Schutzwirkung von 80 Prozent haben.
  • Die Nebenwirkungen des Astrazeneca-Impfstoffs gegen Corona fallen stärker aus als gedacht.
  • Mittlerweile wird das Vakzin mit dem Namen Vaxzevria in Deutschland nur noch an Menschen ab 60 Jahre verimpft.

Cambridge/Stockholm - Einzelne Medienberichte über eine geringe Wirksamkeit oder starke Nebenwirkungen haben dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca ein schlechtes Image angeheftet. Zumindest in Deutschland: Während der Impfstoff in Großbritannien quer durch die Bevölkerung verimpft wird, blieben hierzulande im Februar 2021 rund 1,4 Millionen Impfdosen ungenutzt. Dabei soll der Vektor-Impfstoff des schwedisch-britischen Pharmakonzerns Astrazeneca in Puncto Wirksamkeit den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna neueren Studien zufolge in Nichts nachstehen.

Allerdings wurde für den Astrazeneca-Impfstoff am 15. März 2021 ein Astrazeneca-Impfstopp in Deutschland und mehreren anderen Ländern verhängt. Zuvor waren Berichte über seltene Sinusvenenthrombosen und damit einhergehenden Blutungen bei kürzlich geimpften Personen aufgetaucht. In Deutschland gab es bei 1,6 Millionen verimpften Dosen von Astrazeneca sieben Fälle, drei Personen starben. Nach einer Überprüfung durch die European Medicines Agency (EMA) wurde der Impfstopp jedoch wieder aufgehoben. Mittlerweile gibt es jedoch eine neue Einschränkung für den Corona-Impfstoff Vaxzevria von Astrazeneca: Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt, ihn nur noch Menschen ab 60 Jahren zu verabreichen. Jüngere Personen dürfen sich – nach Rücksprache mit dem Arzt – jedoch freiwillig für den Corona-Impfstoff von Astrazeneca entscheiden.

Corona-Impfung: Vektor-Impfstoff von Astrazeneca nutzt Viren-Taxi

Der Pharmakonzern Astrazeneca hat seinen Corona-Impfstoff mit dem Namen Vaxzevria in Zusammenarbeit mit der Oxford-Universität entwickelt. Anders als bei den neuartigen mRNA-Impfstoffen greifen die Forscher:innen der Kooperation mit der Entwicklung eines Vektor-Impfstoffs auf eine bereits bewährte Praxis zurück. Denn die Impfstoff-Variante wird bereits beim Dengue-Fieber oder bei Ebola eingesetzt.

Bei dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca wird der Abschnitt des Viren-Genoms, auf dem der „Bauplan“ für die Antigene des Coronavirus liegen, in einen für den Menschen harmlosen Erkältungsvirus (Adenovirus) eingebaut. Durch das Träger-Virus gelangt die Erbinformation des Corona-Antigens schnell in die menschliche Zelle, wo der Bauplan in die sogenannte mRNA übersetzt wird. Wie auch bei dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer und dem Corona-Vakzin von Moderna setzt der Körper anhand dieser Zellinformation eine Immunantwort in Gang: Nachdem die Zelle die Corona-Antigene nachgebaut hat, die für den Menschen ungefährlich sind, bildet der Körper Antikörper gegen das Coronavirus.

Doch nicht nur preislich hat der vergleichsweise günstige Impfstoff von Astrazeneca einen Vorteil: Während die Impfstoffe von Biontech/Pfizer (-70 Grad Celsius) und Moderna (-20 Grad) bei Transport und Lagerung aufwendig gekühlt werden müssen, lässt sich der Impfstoff von Astrazeneca bei Kühlschrank-Temperaturen aufbewahren. Allerdings kann er nicht so schnell an Virus-Mutationen angepasst werden, wie die sogenannten mRNA-Impfstoffe.

Impfstoff von Astrazeneca: Forscher:innen liefern neue Erkenntnisse zu Wirksamkeit

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte im Januar 2021 in ihrer Impfempfehlung für Deutschland festgelegt, dass der Impfstoff von Astrazeneca nur an Personen zwischen 18 bis 65 Jahren abgegeben werden darf. Die Wirksamkeit für ältere Menschen sah die Stiko in den vorliegenden Studien zur Zulassung des Impfstoffs nicht ausreichend belegt. Nur knapp acht Prozent aller Teilnehmer seien über 80 Jahre alt gewesen. Auch andere Expert:innen kritisierten die Studie als „schlampig“.

Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca hat starke Nebenwirkungen – die Impfungen mit dem Vakzin wurden in Deutschland vorübergehend gestoppt.

Neuere Studien liefern diese Ergebnisse jedoch nach: Demnach soll der Corona-Impfstoff von Astrazeneca auch bei älteren Menschen „hochwirksam“ sein. Aus der Vorveröffentlichung einer Studie der Gesundheitsbehörde Public Health England geht hervor, dass der Impfstoff von Astrazeneca vier Wochen nach der ersten Dosis zu 60 bis 73 Prozent gegen Covid-19 schützt. Damit hätte er gegenüber seinen Konkurrenten Biontech/Pfizer und Moderna (mit 57 bis 61 Prozent nach der Erstimpfung) die Nase leicht vorn. Zudem ist die Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass bei der Immunisierung mit dem Impfstoff von Astrazeneca bei über 70-Jährigen die Zahl der Krankenhauseinweisungen um 80 Prozent sinkt. Bei Zweitimpfung soll der Impfschutz des Vakzins von Astrazeneca sogar bei über 80 Prozent liegen. Anfang März korrigierte die Stiko ihre Empfehlung: Der Impfstoff von Astrazeneca darf nun auch bei Personen über 65 Jahren verwendet werden. Allerdings liegen die Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff nun vorerst auf Eis.

Impfstoff von Astrazeneca: Kritische Stimmen zu Nebenwirkungen und Wirkung hallen nach

Bereits vor dem vorläufigen Impfstopp hatte Astrazeneca mit einem schlechten Ruf zu kämpfen: Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hatte sich dafür ausgesprochen, Ärzte und Pflegekräfte aufgrund einer geringeren Wirksamkeit nicht mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca zu impfen. Da die Nebenwirkungen stärker als erwartet ausfielen, hatten auch einige deutsche Krankenhäuser zwischenzeitlich die Impfung des Personals mit dem Vektor-Impfstoff von Astrazeneca ausgesetzt: Ein beträchtlicher Teil des Personals habe sich nach der Corona-Impfung krank gemeldet.

Für Aufsehen sorgte zudem ein Impfstopp in Südafrika. Eine Studie mit 2000 Teilnehmern hatte hier Angaben zufolge gezeigt, dass der Impfstoff von Astrazeneca nur einen minimalen Schutz gegen leichte und mittelschwere Covid-19-Infektionen mit dem mutierten südafrikanischen Coronavirus aufwies. Das sei darauf zurückzuführen, dass sich die Oberflächenstruktur des Coronavirus verändert habe. Allerdings sei keiner der Teilnehmer schwer krank geworden oder gestorben. Britische Forscher:innen bezweifeln allerdings die Aussagekraft der Studie: Die Teilnehmer seien im Altersdurchschnitt 31 Jahre alt gewesen und wiesen keine Risikofaktoren auf.

Zum schlechten Ruf des Impfstoffs dürften neben variierenden Angaben zur Wirksamkeit aus den Impfstudien auch die Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) beigetragen haben. Wie lange und zuverlässig alle bisher zugelassenen Corona-Impfstoffe jedoch auch im Hinblick auf die Virus-Mutationen sind, wird sich erst noch zeigen müssen. (Jasmin Jakob, Tanja Banner)

Rubriklistenbild: © Christophe Ena

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