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An den Nagel hängen, ist noch nicht.
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An den Nagel hängen, ist noch nicht.

Corona

Corona: Hoffen auf billige Arznei

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    VonThomas Magenheim-Hörmann
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Bei der Entwicklung erschwinglicher Corona-Medikamente sind die Erfolge bislang überschaubar. Aber das Startup Eisbach Bio könnte die pharmazeutische Corona-Lage ändern.

Die Förderkriterien waren streng. Nur solche Medikamentenkandidaten erhielten Geld, die rasch produziert werden und mit Tests an Menschen beginnen können. Die Rede ist von Medizin für Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. „Wir haben den Förderbescheid jetzt bekommen“, freut sich Adrian Schomburg. Er ist Mitgründer des Biotech-Startups Eisbach Bio aus Martinsried bei München. Mit acht Millionen Euro wird das nun vom Bundesforschungsministerium gefördert. Die Summe klingt gering, gemessen an Geldern, die sonst zur Bekämpfung der Pandemie fließen. „Aber damit übernimmt der Bund 80 Prozent unserer Entwicklungskosten“, stellt der 38-jährige Molekularbiologe klar.

Seit Februar 2020 forscht Eisbach Bio an einem Medikament, das Coronaviren im Körper von Erkrankten bekämpft und ist dabei schnell ziemlich weit gekommen. Tiertests wurden erfolgreich absolviert. „Wir können jetzt mit der klinischen Phase und Tests an Menschen beginnen“, sagt Schomburg. In Phase I wird EIS-10700, wie der Hoffnungsträger erst einmal heißt, Gesunden verabreicht, um die Nebenwirkungen zu prüfen. Bei Tieren gab es die nicht. Bleiben sie auch bei Menschen aus, folgt die klinische Phase II, wo die Wirksamkeit an Infizierten geprüft wird.

„Wenn alles glatt läuft, könnten wir Mitte bis Ende 2022 mit der Produktion beginnen“, sagt Schomburg. Die Wahrscheinlichkeit dafür taxiert er auf über 50 Prozent und hält das für eher pessimistisch. „Wir sind entschlossen, ein nachhaltiges Medikament mit einem Sicherheitsprofil zu liefern, das jedem, der positiv auf Sars-CoV-2 getestet wird, die Einnahme dieses Medikaments ermöglichen sollte“, gibt Eisbach Bio-Mitgründer Andreas Ladurner das ehrgeizige Ziel vor. Die Arznei soll praktisch frei von Nebenwirkungen und kostengünstig sein, meint der Biochemiker damit. Das sind bislang unerreichte Kriterien.

Das Unternehmen

Eisbach Bio ist ein erst 2019 vom Molekularbiologen Adrian Schomburg und dem Biochemiker Andreas Ladurner gegründetes Medizin-Startup mit Sitz im Biotech-Cluster Martinsried bei München. Schomburg ist Mehrfachgründer und hat schon für den US-Pharmariesen Pfizer gearbeitet. Ladurner lehrt parallel als Professor an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität.

Das Ziel der beiden war es eigentlich, Krebsmedikamente zu entwickeln. Beim Ausbruch der Coronapandemie hat das Duo dann einen interessierten Blick auf Gensequenzen des Coronavirus geworfen und große Ähnlichkeiten mit einem Protein entdeckt, auf das auch ihr Krebsmedikament zielt. Mehr Personal wurde eingestellt und die Forschung auf Corona konzentriert. Die ist nun rasch vorangekommen. tmh

Die wenigen wirksamen Medikamente, die es wie der monoklonale Antikörper Tocilizumab vom Schweizer Roche-Konzern schon gibt, sind für viele Menschen zu teuer. In den USA kostet eine Dosis 3625 Dollar, in einem armen Land wie Indien immer noch 646 Dollar, kritisiert die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Die Weltgesundheitsorganisaton WHO hat es als eines von bislang nur zwei Medikamenten zur Bekämpfung schwerer Corona-Erkrankungen empfohlen. Die für Tocilizumab verlangten Preise seien in Ländern mit mittlerem und niedrigen Einkommen aber praktisch nicht bezahlbar, rügen die Ärzte ohne Grenzen. „Dabei könnte Tocilizumab für die Behandlung von Menschen mit kritischen und schweren Covid-Verläufen unentbehrlich werden und dabei den Bedarf an Beatmungsgeräten und medizinischem Sauerstoff reduzieren,“ sagt Julien Potet im Namen der Hilfsorganisation. Sie fordert Roche deshalb zu Preissenkungen auf.

In Deutschland kostet eine Dosis Tocilizumab 1873 Euro, weiß Schomburg. Er ist sich des Dilemmas bewusst. Aber die Entwicklungskosten bei einem Großkonzern wie Hoffman-La Roche mit gut 90 000 Beschäftigten seien hoch und die Produktion von Tocilizumab bei weitem kostspieliger als bei EIS-10700. Zum Profitstreben bei den Schweizern will er nichts sagen.

Eisbach Bio hat nur zwölf Beschäftigte, die Produktion des eigenen Corona-Medikaments käme billig. „Unsere Tabletten sind einfach herzustellen und eine einwöchige Behandlung kostet unter 100 Euro“, sagt Schomburg. Gedacht seien sie primär für Erkrankte im Frühstadium und hätten dort das Potential Corona-Symptome so zu mildern, dass es kaum noch Krankenhausaufenthalte und Todesfälle gibt. Zum bloßen Schnupfen machen will Eisbach Bio das Virus.

Wegen der Wirkweise des Medikaments könne es wohl auch Mutationen zuverlässiger bekämpfen als Impfstoffe, vermutet Schomburg. „Außerdem haben wir noch zwei weitere Eisen im Feuer“, erklärt der Gründer. Zwei zusätzliche Wirkstoffvarianten sind in Arbeit, heißt das. Läuft alles nach Plan, könnten nächstes Jahr zum Beispiel erkrankte Menschen mit den Tabletten von Eisbach Bio gerettet werden. Für den Fall, dass Mutationen einmal Impfstoffe wirkungslos machen, hätte man etwas in der Hinterhand.

Vor allem aber wünscht Schomburg sich den Einsatz in armen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. „Am liebsten wäre mir, man könnte unser Medikament dort über Gegenden ohne medizinische Versorgung abwerfen, um Menschen zu erreichen, die in keiner Statistik auftauchen“, sagt er. Erst aber muss EIS-10700 sich in Tests bewähren

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